Robert Gordon McHarg - 101 Mal Saatchi

Ich bin der Künstler, der den Sammler sammelt

Der britische Künstler Robert Gordon McHarg III, 43, fertigte eine lebensgroße Wachsfigur von dem Megasammler und Ex-Werber Charles Saatchi an – und ironisiert in diversen Kostümierungen seinen Starkult. Jetzt erschien bei Trolley Books eine Sammlung mit über 100 dieser peinlich-komischen Maskeraden. Im art-Interview erklärt McHarg seine Idee – und wie Saatchi reagierte, als er seinem Ebenbild zum ersten Mal gegenüberstand.
"Ich wollte meine Freunde erschrecken":McHarg über seine Saatchi-Skulptur

"Am Anfang wollte ich mit der Skulptur nur meine Freunde erschrecken", sagt McHarg.

art: Hassen Sie Charles Saatchi?

Robert Gordon McHarg III: Nein, natürlich hasse ich ihn nicht. Es ist auch keine Hassliebe. Es ist wie beim Boxen. Die Boxer hassen sich nicht. Es ist ein Spiel. Alles begann mit einer Idee, die dann immer lustiger wurde. Das hoffe ich zumindest. Ich versuche, lustig zu sein.

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Warum Saatchi?

Es musste Saatchi sein. Wer sonst? Bei der Kunst ging es immer um Macht. In der Vergangenheit war es die Kirche, die Kunst förderte. Oder extrem reiche Leute. Und selbst die Kunstproduktion war meist den Reichen vorbehalten. Jetzt ist es umgekehrt: Ich bin der Künstler, der den Sammler sammelt. Hinzu kommt: Saatchi ist ein Mysterium. Es gibt nur wenige Bilder von ihm. Die meisten Pressebilder sind veraltet. Als ich an der Skulptur arbeitete, schaute ich eine Dokumentation im Fernsehen an, bei der man ihn ein paar Minuten herumlaufen sah – das half mir bei der Recherche. Aber der wichtigste Grund: Ich dachte, ich könnte meine Freunde damit erschrecken, wenn sie zu Besuch kommen.

Würden Sie Ihre Skulptur an ihn verkaufen?

Die erste Skulptur, "Him", gehört mir, die verkaufe ich nicht. Bei der Londoner Zoo Art Fair habe ich, zusammen mit meinem Buch, die zweite Saatchi-Skulptur vorgestellt: "Him For Sale". Und klar, den würde ich auch an ihn verkaufen.

Es sieht fast so aus, als wäre Saatchi Ihre persönliche Obsession. Sprechen Sie schon mit Ihrer Wachsfigur?

Also Sex hatte ich bisher noch nicht mit ihm! Aber wenn wir mit ihm arbeiten und ihn fotografieren, dann sprechen wir auch mit ihm. Ich bin ein Fan des US-Cartoonisten Tex Avery. Ihm ging es auch immer um die Frage: Wie oft kann man einen Witz wiederholen? Hätte ich nur diese Skulptur gemacht und sie dann verkauft, wäre das nicht so lustig gewesen. Ich spiele mit ihr. Es ist meine große Spielzeugfigur. Jeden Monat stellen wir ihn in meiner Subway-Galerie aus – und verkleiden ihn. Wir versuchen nur ein wenig Spaß mit ihm zu haben. Und man darf auch nicht vergessen, was Saatchi früher war: ein Werbe-Guru! Meine 101 Bilder sind wie eine riesige Werbekampagne – und machen sich auch über den Werber lustig.

Und haben Sie Saatchi einmal persönlich getroffen?

Ja, er hat die erste Ausgabe meines Buchs bekommen. Zufälligerweise. Er war bei der Zoo Art Fair. Saatchi ist bei Messen meist der Erste, der das Gelände betreten darf. Ich baute gerade meinen Stand auf, drehte mich um – und sah Saatchi, wie er auf sein Ebenbild schaut. Ich sagte nur: "Oh, hallo! Das Buch kam gestern aus dem Druck. Ich glaube, Sie sollten das erste Exemplar bekommen."

Und was hat er noch gesagt?

Als ich ihn fragte, was er davon hält, sagte er: "Fantastisch!" Und: "Ich war auch ein ziemlich guter Bildhauer – ich könnte eine Skulptur von Ihnen machen!"