Top 10 im September - Ausstellungstipps

Die zehn Kunst-Höhepunkte im September

art präsentiert Ihnen die zehn großen Kunst-Höhepunkte des Monats. Diesmal mit gefährlichen Wikingern, Farbenvielfalt, Stadtfotografie und indischem Glanz.

Daniel Richter (Innsbruck)

Von einer kleinen Stadt in Ostholstein auf die Kunstbühne der Welt – das ist Daniel Richter gelungen, einem Mann, der zu den wichtigsten zeitgenössischen deutschen Künstlern zählt.

Klein aber fein zeigt die aktuelle Ausstellung in Innsbruck 23 seiner Werke aus den vergangenen 14 Jahren. Zu sehen ist seine künstlerische Entwicklung bis hin zu aktuellen Arbeiten, die sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Dunkle Skelette, Schatten und Abflussszenerien, die an Tod und Trauer erinnern, und dann wieder bunte Kacheln und farbenfrohe Szenen. Die Ausstellung polarisiert, gibt aber einen Überblick über das Œuvre des in Hamburg, Berlin und Wien lebenden Künstlers.

Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 13.09. bis 23.11.2014

Suboth Gupta (Frankfurt am Main)

Eine Mischung aus Müllhalde, Küchenflair und ästhetischer Zukunftsvision – so lässt sich die aktuelle Ausstellung von Suboth Gupta in Frankfurt am Main beschreiben. Der in Neu-Delhi aufgewachsene Künstler gehört zu den berühmtesten Künstlern Asiens und baut aus Töpfen, Stahl, Messing, Löffeln, und anderen Kochgeräten eine glänzende Kunstwelt. Dabei führt er das Prinzip von Marcel Duchamp und den Dadaisten fort, indem er aus simplen Alltagsgegenständen Kunst schafft.

MMK – Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, 12.09.2014 bis 18.01.2015

Joan Miró (Wien)

Das allbekannte Peter-Pan-Syndrom: Ein Mann bleibt ewig Kind, voller Fantasie und weit ab von den Verantwortlichkeiten eines Erwachsenen. Was den ersten Teil angeht, so muss man im Fall Joan Miró dankbar sein. Seine Werke sprühen vor Leichtigkeit, kindlicher Naivität und Farbenvielfalt. In seinen Bildern windet sich der Unterkörper eines Mannes, bekommt plötzlich die Form einer Mondsichel und strichmännchenartiges Federvieh überzeugt mit enormer Plastizität. In Wien werden jetzt 100 Werke aus Mirós ganz persönlichem Universum gezeigt, die Mond, Sterne, Tiere und Frauen auf eine unschuldige Art und Weise zeigen, wie es nur jemand kann, der Einfallsreichtum besitzt und die Welt um sich herum vergisst.

Albertina, Wien, 12.09.2014 bis 11.01.2015

Late Turner – Painting Set Free (London)

William Turner, ein Maler, der mit seinen Impressionen und seinem Farbgefühl Generationen bis heute begeistert. Seine Werke "The Wreck Buoy" (1849) oder "Heidelberg: Sunset" (1840) sind unvergessliche Beispiele für einen Künstler, der mit viel Fingerspitzengefühl diese unvergleichbaren Stimmungsbilder zaubert. Die Tate Britain beleuchtet in einer aktuellen Ausstellung die letzten 16 Schaffensjahre des Engländers bis zu seinem Tod 1851. Weich mit Pinsel und doch thematisch brutal zeigt sich der Maler politisch engagiert. Die Ausstellung zeigt, was den Maler beschäftigt, wie er sich Themen wie Industrialisierung und Sklavenhandel auseinandersetzt und dabei seine farbige Brillanz nicht verliert.

Tate Britain, London, 10.09.2014 bis 25.01.2015

Joel Meyerowitz – Retrospektive (Düsseldorf)

New Yorks Straßen haben eine ganz eigene Dynamik: Ein Mann trägt seinen Hund spazieren, ein Liebespaar verflüchtigt sich im Rauch der Stadt und jemand, der vor lauter Menschenmassen stolpert, bleibt am Boden liegen. Die Hektik, das Mysteriöse, die Ruhe und Anmut der Stadt und des ganzen Landes, all das hat Joel Meyerowitz mit seiner Fotografie eingefangen. Dabei wollte er nie Kunst schaffen, sein Ziel war es, näher an den Menschen zu kommen und somit näher an sich selbst. So hat er beispielsweise die Folgen des Anschlags vom 11. September festgehalten, um zu zeigen, wie es den Menschen danach tatsächlich geht. In Düsseldorf feiert jetzt das NRW-Forum das 50-jährige Lebenswerk eines Mannes, der mit seiner Linse mehr erzählen kann als so manches Geschichtsbuch.

NWR-Forum, Düsseldorf, 27.09.2014 bis 11.01.2015

Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute (München)

Seine Kunst besteht seit einem halben Jahrhundert, seine Geschichten, so scheint es, sind allerdings zeitlos. Immer wieder kehren Bilder und Themen in seinen Werken zurück, die den Maler nicht loslassen – bis 2013. In einem Gespräch Anfang 2013 sagt der Maler, er träume davon, Bilder unsichtbar zu malen. Der Inhalt soll noch mehr verschleiert werden. So entstand die Serie der "Schwarzen Bilder". Georg Baselitz will nicht, dass seine Bilder leicht zu verstehen sind, und diesen Anspruch erfüllt er mit eben dieser Serie. Kontraste werden minimalisiert und Motive sind schwer zu erkennen. Der Besucher muss sich gänzlich auf sein Gefühl und seine Intuition verlassen. Eine spannende Herangehensweise an seine Kunst, die es in München im Haus der Kunst auszuprobieren gilt.

Haus der Kunst, München, 19.09.2014 bis 01.02.2015

Die Wikinger (Berlin)

Der hohe Norden war ihr zu Hause, doch sie drangen vor bis nach Konstantinopel, und der Ruf ihrer Taten hallt bis heute. Wikinger – ein Volk, dass auf den Weltmeeren zu Hause war und den einen oder anderen in Angst und Schrecken versetzte. Was heute bleibt, sind die Denkmäler und die Schätze, die sie hinterlassen haben. Gemeinsam mit dem Dänischen Nationalmuseum Kopenhagen und dem Britischen Museum London beleuchtet die aktuelle Wikinger-Ausstellung in Berlin deren kunstvollen Seiten. Natürlich dürfen Exponate aus den Kriegs- und Eroberungszügen nicht fehlen. Ganz zentral dafür steht das aus Roskilde stammende 37 Meter lange hölzerne Kriegsschiff das um 1025 gebaut wurde. Es werden Machtsymbole gezeigt aber auch Gefäße sowie Schmuck, der für Glaubensrituale diente. Die Wikinger glaubten nämlich nicht an das christliche Jenseits. Ihnen war eine gute Nachrede wichtiger.

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 10.09.2014 bis 04.01.2015

Die Farbe und ich. Augusto Giacometti (Bern)

Glasornamente und Glasmalerei hatten in der Gotik Hochkonjunktur. Besucher von Kathedralen wie Amiens oder Chartres wurden regelrecht durch die bunte Illumination der Räume verzaubert. Heute, gute 800 Jahre später, ist die Kunst der Glasmalerei ein seltenes Handwerk geworden. Einer der letzten großen Meister ist Augusto Giacometti. Der Schweizer ist vor allem in Zürich bekannt für seine Glasfenster im Fraumünster und Großmünster. Das Kunstmuseum im gut 100 Kilometer entfernten Bern widmet ihm jetzt eine Ausstellung in Hinblick auf seine Farbenpracht. Sie zeigt den Mann als Maler und führt gleichzeitig einen Diskurs zwischen Giacometti und Künstlern wie Mark Rothko, Paul Cézanne oder Paul Klee.

Kunstmuseum, Bern, 19.09.2014 bis 08.02.2014

Pompeji – Götter, Mythen, Menschen (Hamburg)

Als vor 2000 Jahren der Vesuv die Stadt Pompeji am Tyrrhenischen Meer unter einem Ascheregen beerdigte, hätte niemand gedacht, dass Lava die Menschen und deren Kunst vollkommen erhalten würde. Doch sehr zur Freude von Archäologen und Kunsthistorikern tat sie das. So zeigt sich eine Welt und Kultur auf, die faszinierend und zugleich geheimnisvoll ist. Die Artefakte dokumentieren, wie die Menschen lebten, an was sie glaubten und wie sie feierten. Diese vergangene Zeit erlebt jetzt in Hamburg eine Reinkarnation. Das Bucerius-Kunstforum zeigt Fresken, die Ovids Metamorphosen aufleben lassen, Skulpturen, die lebensecht sind und begleiten alles mit Anekdoten zu dem Mysterium der Götter und Menschen der Stadt.

Bucerius-Kunstforum, Hamburg, 27.09.2014 bis 11.01.2015

Monet, Gauguin, van Gogh: Inspiration Japan (Essen)

Wer an Monets Seerosen denkt, sieht vor seinem inneren Auge diese wunderschöne Landschaft, idyllisch, weit ab von jeglicher Hektik. Dass der Teich, unweit von Monets zuhause dennoch als Hommage an den fernen Osten gilt, erläutert erst Kunsthistoriker Louis Vauxcelles, der den Teich als Stille Sehnsucht nach Asien versteht. Die Faszination Japan, China, Asien findet zu der Zeit bei vielen Künstlern Anklang. Selbst Kandinsky verziert einige Werke mit asiatischen Schriftzeichen. Künstler wie Van Gogh und Monet sammelten asiatische Farbholzschnitte, immer fasziniert von der Flächtigkeit und Farbigkeit der Werke. In Essen stellt das Museum Folkwang jetzt Gemälde und Holzschnitte von 1860 bis 1910 aus, die bei einigen Fernweh auslösen können.

Museum Folkwang, Essen, 27.09.2014 bis 18.01.2015