Pigozzi and the Paparazzi
Berlin
Herr Pigozzi, Ihre Ausstellung heißt "Pigozzi and the Paparazzi". Was unterscheidet Sie von anderen Paparazzi?
Jean Pigozzi: Nun, erstens ist das nicht mein Beruf, ich bin ja kein Paparazzo – ich bin noch nicht mal ein professioneller Fotograf. Zweitens kenne ich meistens die Leute, die ich fotografiere, persönlich. Ich muss mich nicht hinter einem Baum verstecken oder ein extragroßes Objektiv benutzen.
Was ist also der Unterschied zwischen Ihren Bildern und denen der Paparazzi?
Die Personen auf meinen Fotos fühlen sich wohler. Ich bin nicht auf der Suche nach sensationellen Fotos, wie zum Beispiel von Britney Spears, die mal wieder einen anderen küsst. Meine Bilder sind nicht skandalös. Außerdem mache ich keine Fotos von Politikern, das interessiert mich einfach nicht.
Den meisten Paparazzi geht es um das große Geld. Sie sind schon ein reicher Mann. Was treibt Sie an, solche Fotos zu schießen?
Für mich geht es darum, einen bestimmten Teil meines Lebens zu dokumentieren. Ich denke, das wird in hundert Jahren ziemlich interessant sein. Ich habe Fotos aus den letzten 30 Jahren mit all den Leuten, die mich umgeben, und ich denke, das ist eine Art der Dokumentation eines bestimmten Teils der Gesellschaft. Ich mache keine Fotos in Darfur, im Irak oder bei einem Erdbeben. Ich möchte nur Fotos von wohlhabenden Leuten in ihren Häusern oder auf Parties machen.
Sind Parties ein guter Platz um die Kreativität auszuleben?
Parties sind fantastisch, um gute Fotos zu machen. Ich mag es nicht, wenn Menschen für Bilder posieren. Auf Parties sind meistens alle locker, lassen sich gehen, und es ist ihnen egal, ob und wie sie fotografiert werden. Deshalb sind natürliche Schnappschüsse für mich viel interessanter als gestellte Bilder, auf denen sich Menschen in Szene setzen.
Und warum fotografierten Sie sich für ihre Serie "Pigozzi & Co." zusammen mit den Stars?
Ich mache das nicht, um selbst zum Star zu werden. Dass ich mit auf dem Bild bin, kann man als persönliche Widmung verstehen. Normalerweise kommen Fans zu einem Star und wollen Autogramme. Ich bin aber nicht an dem geschriebenen Wort interessiert, sondern an der Fotografie.
Aber durch ihre Bilder und die Präsenz auf wichtigen Events sind sie schon selbst zum Prominenten geworden. Sind Sie nun auch Ziel der Paparazzi und wie fühlen Sie sich dabei?
Ich bin nicht verrückt danach, fotografiert zu werden. Ich finde nicht, dass ich erstaunlich gut aussehe. Manche Fotografen hassen es, fotografiert zu werden, aber ich denke es wäre nicht fair, dass ich Bilder von Menschen mache, es aber selbst nicht möchte. Ich springe den Fotografen natürlich nicht extra vor die Kamera, aber wenn sie mich erwischen, ist es okay. Außerdem bin ich realistisch: Keiner wird sich ein T-Shirt kaufen, wo mein Kopf drauf ist.
Durch Ihre Leidenschaft haben Sie die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen. Gibt es eine nette Promi-Anekdote?
Es gibt einige Personen, mit denen ich seit langem befreundet bin, wie Mick Jagger, Bono oder Michael Douglas. Von denen habe ich jahrelang Fotos gemacht. Aber ich bin eine sehr diskrete Person, ich publiziere die Bilder nicht einfach. Ich glaube, dass mir meine berühmten Freunde deshalb trauen. Da ist wieder ein Unterschied zu den Paparazzi: Die wollen das schrecklichste Bild von jemandem. Ich würde nie Fotos meiner Freunde zeigen, auf denen sie sich blamieren. Um dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen, kann ich zu dieser Frage auch nichts sagen.
Bekommen Sie auch Feedback von den Fotografierten?
Manchmal schicke ich ihnen die Bilder, und ich glaube sie mögen sie. Zum Beispiel habe ich mal ein Bild von Mick Jagger und seinem Lieblingshund gemacht. Als ich dann mal bei ihm zuhause war, sah ich, dass das Bild im Rahmen an der Wand hing.