17 / 06 / 2008
Kulturprogramm
Fussball-EM
BALL-KÜNSTE
"Wien darf nicht Chicago werden", lautete einmal der populistische Wahlwerbespruch einer österreichischen Rechtspartei. "Wien darf nicht Palermo werden", diesen Spruch musste sich Jürgen Weishäupl, Verantwortlicher fürs Kunst- und Kulturprogramm rund um die Fußball-EM (7. bis 29. Juni), in diesen Tagen öfter anhören.
Denn bevor er das österreichische Vier-Millionen-Euro-Projekt in Angriff nahm, war der Mann für öffentliche Kunst in der sizilianischen Hauptstadt zuständig. Manchmal habe er sich während der Planungen in Wien sogar ein wenig nach der in Palermo üblichen "unbürokratischen Art" zurückgesehnt, gesteht Weishäupl. Am wenigsten Probleme machte noch die Ausstellung "herz:rasen" (bis 6. Juli) im Künstlerhaus, die rund 500 Objekte aus 30 Jahren europäischer Fußballgeschichte vereint – Fotos, Kleidungsstücke, Plakate, Filme. Bis zum Schluss aber hat der Organisator mit den Ämtern um die Konditionen einer Kunstmeile am Donaukanal verhandeln müssen, die unter anderem vom Bildhauer Erwin Wurm bespielt werden soll.
Und statt in einer schnittigen Baumkrone muss die Künstlergruppe Mahony ihr Künstlerarchiv jetzt eben in einem schnöden Campingwagen zum Leben erwecken – am Karlsplatz, der Wiener "EM-Kulturzone". Nach dem Schlusspfiff am Rasen des Ernst-Happel-Stadions aber – wo US-Fotograf Spencer Tunick bereits im Mai genau 2008 Nackedeis vor seiner Linse arrangiert haben wird – kann sich die Siegermanschaft neben dem EM-Pokal noch eine weitere "Glamour-Trophäe" abholen: Einen sechs Meter hohen Kristall der Schweizerin Sylvie Fleury. Dass die verspiegelte Skulptur, die während der EM auf dem Karlsplatz glänzen wird, in Wien bleibt, ist also mehr als unwahrscheinlich.
17 / 06 / 2008
