Electric Fountain - Webster & Noble

Funkelnde Fake-Fontäne

Das Gerüst aus Stahl, Neonröhren und blitzenden Lichtern vor dem Rockefeller Center sieht auf den ersten Blick aus wie ein Karussell aus Coney Island, das als Denkmal nach Manhattan versetzt wurde. Aber "Electric Fountain" blinkte weder auf dem vor kurzem geschlossenen Vergnügungspark am Brooklyner Strand noch in Las Vegas. Die Skulptur des Londoner Künstlerpaars Sue Webster, 40, und Tim Noble, 42, ist die moderne Version einer Fontäne, einer der ältesten Formen öffentlicher Kunst.
Funkelnde Fake-Fontäne:Der Neon-Springbrunnen von Webster und Noble

Der 27 600 Kilo schwere und zehn Meter hohe "Electric Fountain" von Tim Noble und Sue Webster

Blaue Neonröhren in Länge von 176 Metern stellen das Wasser dar, weiße Lämpchen den Kreislauf und die Spritzer. Die insgesamt 3390 Lichter gehen nacheinander an und aus und erzeugen so den visuellen Fluss, der dem des Wassers einer Fontäne gleicht. Seit Sue Webster und Tim Noble in Nottingham zusammen studierten, sind die Künstlerin und ihr Partner ein Team. An Kitsch, Konsum und Jahrmärkten waren sie immer interessiert. Mit leuchtenden Herzen und Dollarzeichen sind sie bekannt geworden.

10866
Strecken Teaser

Ihre 27 600 Kilo schwere und zehn Meter hohe Konstruktion kann auseinander genommen und zum nächsten Ausstellungsort verschifft werden. Ein Expertenteam aus Aachen hat ein Jahr an der Umsetzung der groben Skizze der Künstler gearbeitet. Erst hatten sie den Besitzern des Rockefeller Centers, Tishman Speyer Properties, ein blutendes Herz vorgeschlagen, in dessen Zentrum ein Dolch steckt. Doch New York war vier Jahre nach 9/11 noch nicht für Blut bereit. "Es geht aber immer noch um Gefahr. Denn jeder weiß, dass man Elektrizität und Wasser nicht mixen soll", so Sue Webster.

Eine Millionen Dollar kostete der Neonspaß, den zum Teil der New Yorker Galerist der Künstler Jeffrey Deitch finanziert hat. Jeden Tag besuchen 350 000 Leute den Platz vor dem Rockefeller Center, auf dem im Dezember der berühmte Weihnachtsbaum steht. Da Sue Webster und Tim Noble Wert darauf legten, nicht allzu viel Energie zu verschleudern, ließen sie spezielle Lichter anfertigen, damit ihr Springbrunnen weniger Strom als der Baum verbraucht. Ihre Neonskulptur wirkt ebenso kitschig. Und auch wenn sie die glitzernde Konsumwelt New Yorks spielerisch kommentiert, ist sie letztendlich ein Teil davon.

"Electric Fountain"

Termin: bis 5. April, Rockefeller Plaza, New York, von 6 bis 24 Uhr.
http://www.rockefellercenter.com/