John K. - Köln

Hommage an einen unbekannten Künstler 

John K. fotografierte Frauen, die auf Dingen sitzen, auf denen man normalerweise nicht sitzt. Immer nackt, immer von hinten. Eine Ausstellung in Köln präsentiert nun die ungewöhnlichen Bilder des mysteriösen Amerikaners.

John K. – so kurz wie der Name, so wenig weiß man über den Amerikaner. Er arbeitete als Illustrator, malte, drehte Filme und fotografierte. Dass seine Arbeiten mal in Europa ausgestellt werden, erträumten sich weder er, noch die Frauen, deren Hintern nun die Wände der Kölner Galerie von Susanne Zander zieren.

Es wäre auch nicht so weit gekommen, wäre da nicht Eric Kroll, passionierter Sammler und seines Zeichens selbst Akt- und Fetisch-Fotograf. "Ich lebte in diesem Hipster-Viertel Silverlake in Los Angeles, als ich eines Tages ein Schild an einem Telefonmast sah, auf dem stand: 'Vintage porn and antiques'", erzählt Kroll. Da beides schon immer zu seinen Leidenschaften zählte, folgte er dem Schild und ging zu dem Lager-Verkauf. Als Kroll dort die Fotos von John K. entdeckte, war er von ihrer Einzigartigkeit und Ungewöhnlichkeit so begeistert, dass er sofort hunderte von ihnen kaufte.

Und ja: Die Bilder sind zweifelsohne kurios. Eine brünette Frau hat es sich an einem achtlos gedeckten Tisch auf einem Baguette bequem gemacht, eine Dame mit langen Locken sitzt auf dem Kopf eines Eisbärenfells und reckt dem Betrachter ihren Po entgegen, eine dritte befindet einen Zeitschriftenstapel als geeignete Sitzunterlage. Und wie all die anderen Schönheiten ist auch sie natürlich nackt. Bilder wie diese offenbaren nicht nur eindrucksvolle Blicke auf die Hinterteile junger Frauen, sondern geben auch Einblick in Johns privates Apartment, in dem die meisten der Fotografien entstanden. Die heimelige Wohnzimmeratmosphäre betont die Absurdität der Inszenierungen und verstärkt beim Betrachter den voyeuristischen Moment.

Unweigerlich fragt man sich, wie John K. die jungen Frauen überzeugen konnte, das zu tun, was er wollte ("Entschuldigung, könnten Sie sich bitte mal auf diese Torte setzen... nackt?"), aber über den Hintergrund der Fotos ist nicht viel bekannt. Immerhin vermerkte John akribisch das Datum der Aufnahme und den Namen des jeweiligen Modells auf der Bildrückseite. "Entweder waren es Frauen, die dringend Geld brauchten, oder sie kannten den Typen so gut, dass sie sich wohl dabei fühlten, zu tun, was auch immer für abwegigen Kram er von ihnen verlangte", vermutet Kroll als Beweggründe für die zwischen 1959 und 1976 entstanden Fotografien. John K. selbst wusste auf jeden Fall ganz genau, was er wollte. Er fertigte viele Zeichnungen von nackten Frauen an, und zwar in genau den Posen, in denen er sie später fotografieren sollte. John sah sich in erster Linie auch nicht als Fotograf, sondern als Maler. Er sei aber nicht besonders gut gewesen, findet Kroll, seine Kunst – egal ob Malerei, Film oder Fotografie – sei ziemlich naiv und manchmal auch ein wenig pervers.

Letzteres kann man als Besucher der Kölner Galerie nicht beurteilen. Die Auswahl der Bilder ist zensiert. Allzu explizite Aufnahmen sind weder in der Ausstellung mit dem passenden Titel "John K. – Sitting", noch im gleichnamigen Buch zu sehen. Schließlich war John ja kein Pornograf, wie Kroll versichert, und so solle er auch nicht dargestellt werden. Auch wenn die Fotografien sehr wahrscheinlich nicht ausschließlich künstlerischen Zwecken dienten, mutmaßt der Sammler, sondern auch dem Masturbieren.

"John K. – Sitting"

Die Ausstellung "John K.: Sitting – Works from the Eric Kroll Collection" ist noch bis zum 13. Februar 2015 in der Galerie Susanne Zander in Köln zu sehen.

Zu den Fotografien von John K. veröffentlichte Eric Kroll das Buch "John K. – Sitting", erhältlich über Ampersand Editions, für 25 Dollar
http://www.galerie-zander.de/single_exhibition.php?lang=&city=1

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