Heinz Mack - Bonn

Drei, zwei eins, ZERO

Er ging zum Nullpunkt der Malerei, unternahm Land-Art-Expeditionen in die Sahara und fand in verbauten Innenstädten die Pforte zum Paradies. Mit 80 feiert Heinz Mack jetzt sein Comeback. Ein Auszug aus der großen Heinz-Mack-Geschichte in der aktuellen Ausgabe der art.

Die Stunde Null schlägt am 11. April 1957 in Düsseldorf. Heinz Mack und Otto Piene stellen Macks Atelier bis unter die Decke voll, um ne­benan bei Piene Platz für ihre erste gemeinsame Abendausstellung zu schaffen. Mack zeigt Zeichnungen, Gemälde und Reliefs, die noch entfernt an die abstrakten Kringel des Tachismus erinnern, aber alles Individu­elle abgestreift zu haben scheinen. Stattdessen dominieren anonyme Raster, Rhythmen und Strukturen. Mack und Piene su­chen da­mals nach dem harten Kern der Malerei und fragen sich: „Was liegt unter Farbe und Kom­position?“ Ihre Antwort lautet: das Licht und die Bewegung.

So wird in einem alten Fabrikgebäude die Künstlergruppe ZERO geboren, ein Jahr bevor es ihre Gründer in Worte fassen. Am nächsten Morgen räumen sie Macks Atelier wieder frei, denn schließlich muss die Arbeit weitergehen.
Heinz Mack erinnert sich noch lebhaft an die schwierigen Anfänge von ZERO. Wie sein Freund Otto Piene hatte der 26-jährige Kunsterzieher eine Familie zu ernähren und sprang trotzdem ins kalte Wasser der freien Künstlerschaft. "Ich wusste", sagt Mack, "dass ich etwas anderes machen wollte als die stilbildende Malerei. Aber nicht genau was und wie. Also experimentierte ich mit Materia­lien, die in der Kunstgeschichte neu waren." Am Anfang war dies vor allem das silbern schimmernde Aluminium, in dessen von Hand aufgeprägten Mustern das Licht als sich ständig wandelnder "Pinselstrich" vibriert. Plexiglas und Wellglas kamen als lichtbrechende Materialien hinzu, Rotoren und Spiegel steigerten die Lichtreflexe ins Unendliche. Heute sind diese Reliefs und Stelen Klassiker der Moderne. Zu ihrer Entstehungszeit wurde, so Mack, noch über die "Revolution der Zeichenlehrer" gehöhnt.

Heute empfängt der Jubilar seine Besucher standesgemäß im denkmalgeschützten Mönchengladbacher Huppertzhof. Zwischen Wohnhaus und den beiden Ateliers stehen Denkmale und Stelen aus allen Schaf­fensperioden und verwandeln das Grundstück in einen Skulpturenpark. Richtige Wunderkammern öffnet der äußerst agile Gastgeber dann mit zwei nahe gelegenen Lagerhäusern. In ihnen drängt sich nicht nur ein faszinierendes Kapitel der Kunstgeschichte auf engstem Raum zusammen. Hier erschließt sich der Werkstattcharakter von Macks Schaffen auch besser als in jeder Ausstellung. Mit wenigen Handgriffen nimmt Mack einen ganzen Jahrmarkt bewegter Lichtkunstwerke in Betrieb, deren Materialien und elektronische Phasenschaltungen zu ihrer Zeit auf dem neuesten Stand der industriellen Technik waren. In der Countdown-Metaphorik von ZERO deutet sich nicht umsonst ein Ingenieursverhältnis zur Kunst an, deren utopisches Potenzial mit dem des Raumfahrtprogramms zusammenfällt. Auch Mack greift nach dem Licht der Sterne, verbindet seine Technikbegeisterung aber mit naturromantischer Schwärmerei. Ein pulsieren­des Lichtgitter aus Glühbirnen und zarten Kabelverästelungen ähnelt bei ihm den Adern eines Blatts. In diesem über ihre Zeit hinausweisenden Widerspruch liegt die Bedeutung und auch die Schönheit seiner Kunst.

Seit einem Jahr sieht das auch der internationale Kunstmarkt wieder so. Mit der gro­ßen ZERO-Retrospektive im Museum Kunstpalast 2006 deutete sich die neu erwachte Wertschätzung der rheinischen Avantgarde bereits an. Die spektakuläre Sotheby’s-Auktion von Teilen der Sammlung Lenz Schönberg im Februar 2010 sorgte schließlich dafür, dass die Preise der lange unterbewerteten ZERO-Werke nun rapide anziehen. Gerade US-Sammler wollen mit Mack und Piene die Lücke zwischen Abstraktem Expressionismus und Minimalismus sowie Op Art schließen. Die Wiederentdeckung von ZERO hat Heinz Mack überrascht, aber nicht unvorbereitet angetroffen. Er betrieb die Gründung der ZERO foundation mit, deren vornehmste Aufgabe in der kunsthistorischen Aufarbeitung der Bewegung liegt. Neben der Stadt Düsseldorf beteiligen sich mit Otto Piene und Günther Uecker die beiden ande­ren ZERO-Künstler an der Stiftung. Selbstverständlich ist das nicht: 1966 trennte sich die 1958 gegründete Gruppe im Streit um die künstlerische Ausrichtung und ein bisschen auch ums Geld. Danach riss der Kontakt ab und wurde nur notdürftig wieder geknüpft...

Gekürzte Online-Fassung. Lesen Sie die ganze Geschichte über Heinz Mack in der aktuellen art 03/2011.

Heinz Mack: Licht – Raum – Farbe

Termin: 18. März bis 10. Juli 2011
http://www.bundeskunsthalle.de/