Venedig Biennale 2015: The Mosque

Venedig schließt Moschee

Christoph Büchel hat für die Biennale eine Moschee entworfen. Das freut die muslimische Gemeinde – und bringt die venezianischen Behörden auf die Palme. Jetzt musste "The Mosque" schließen. art war zur Eröffnung dort und lässt die Eindrücke noch einmal Revue passieren.
Venedig schließt Moschee

Außenansicht zu "The Mosque" von Christoph Büchel, der isländische Beitrag zur Biennale 2015 – Videostill

Es ist der vielleicht konsequenteste Pavillon der Venedig-Biennale – jedenfalls wenn es um konkrete Maßnahmen zur Weltverbesserung geht. Und offenbar auch der umstrittenste, zumindest bei den italienischen Politikern: Christoph Büchels "Moschee", ein funktionierendes muslimisches Gotteshaus in einer leerstehenden Kirche erhitzt die Gemüter der venezianischen Behörden.

Das Projekt "The Mosque" ist Islands offizieller Länderbeitrag zur 56. Biennale und dementsprechend abgestimmt mit den Biennale-Organisatoren. Der Schweizer Konzeptkünstler hatte dazu Kontakt zur muslimischen Gemeinde Venedigs aufgenommen. In der Lagunenstadt leben rund 20 000 Muslime, bislang gab es für sie keine Moschee im historischen Zentrum Venedigs. Das wollte Büchel zumindest für die Dauer der Biennale ändern und so Denkanstöße zum toleranten Umgang mit Minderheiten und Migranten geben.

Die Kirche Santa Maria della Misericordia in Cannaregio steht seit 40 Jahren leer, wurde bereits 1973 entweiht und vom jetzigen Besitzer für das Kunstprojekt vermietet. Doch bereits im Vorfeld versuchten die venezianischen Behörden, das Projekt mit allen Mitteln zu verhindern, berichtet das Icelandic Art Center (IAC), das den Isländischen Biennale-Beitrag betreut. "Monatelang haben wir jede Forderung, die uns die Stadtverwaltung vorlegte, erfüllt; und jedes Mal kam die Verwaltung mit neuen Hürden", sagt IAC-Vorsitzender Eirikur Thorlásson. "Aber am enttäuschendsten war, dass die Leitung der Venedig-Biennale unser künstlerisches Vorhaben nicht in der Weise unterstützt hat, wie man es von einer Organisation dieser Statur erwarten sollte, die vorgibt, sich für zeitgenösssiche Kunst einzusetzen."

Offiziell werden als Gründe rein technische Verwaltungsvorschriften vorgeschoben.

Die Eröffnung der "Moschee" Anfang Mai verlief noch fröhlich und hoffnungsvoll. Strahlende Männer, Frauen und Kinder der muslimischen Gemeinde mischten sich mit neugierigen Biennale-Besuchern und feierten die Einweihung des Gotteshauses mit Musik, Gebeten und Reden. Kurz darauf drohte die Kommune bereits mit der Schließung – angeblich aus Sicherheitsgründen. Außerdem sei keine Genehmigung zum Ausüben von Gottesdiensten für den Isländischen Pavillon erteilt worden, sondern lediglich für eine Kunstausstellung. Am 22. Mai machten die Behörden ernst und ließen die Kunst-Moschee schließen. Offiziell werden als Gründe rein technische Verwaltungsvorschriften vorgeschoben. Doch Fakt ist auch, dass in Venezien demnächst Kommunalwahlen anstehen – und sich, wie in vielen italienischen Bezirken konservative, ausländerfeindliche Parteien auf dem Vormarsch befinden. Nun haben die isländischen Kuratoren 60 Tage Zeit, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Was jetzt schon klar ist, dass die sich sonst so weltoffen gebende Stadt Venedig hier ein ganz anderes Gesicht zeigt.

Christoph Büchel – The Mosque


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