Vija Celmins - Roswitha-Haftmann-Preis

Innere Wesensschau

Die amerikanische Malerin Vija Celmins erhält den mit 150 000 Schweizer Franken (zirka 90 000 Euro) dotierten Roswitha-Haftmann-Preis 2009
Roswitha-Haftmann-Preis 2009:Celmins erhält Europas höchstdotierten Kunstpreis

Vija Celmins, "Burning Man", 1968, Öl auf Leinwand, 50,8 x 57,2 cm, Privatsammlung

"Wir haben nicht lange gezögert, der Name wurde in die Luft geworfen, dann gab es eine kurze Diskussion und die Jury war sich einig." So beschreibt Christoph Becker, Direktor des Kunsthauses Zürich und Mitglied des Stiftungsrates der Roswitha-Haftmann-Stiftung, die Wahl der 1938 in Lettland geborenen Künstlerin Vija Celmins zur Preisträgerin des höchstdotierten europäischen Kunstpreises.

11470
Strecken Teaser

In Vija Celmins Werk dominieren die Farben grau, schwarz und weiß, sie malt mit Öl auf Leinwand und Kohle auf Papier. Ihre Motive sind gegenständlich, "doch nicht immer frei von Gewalt: Die Schusswaffe an einem ausgestreckten Arm oder der brennende Mann, der aus einem Auto steigt, suggerieren dem Betrachter eine latente Bedrohung". Die Pressemeldung des Kunsthaus Zürich beschreibt vor allem ihre frühen Arbeiten aus den 1960er Jahren als Reflektion einer von Krieg und innenpolitischen Aggressionen destabilisierten Welt. Bevor die 70-jährige Künstlerin 1948 mit ihren Eltern in die USA emigrierte, floh sie 1944 vor der anrückenden Sowjetarmee nach Deutschland. 1965 schloss sie einen Master of Fine Arts in Malerei an der University of California ab, arbeitete als Kunstlehrerin in Los Angeles und unterrichtete später unter anderem an der Cooper Union in New York und an der Yale Graduate School in Connecticut.

In späteren Jahren widmete sich die Künstlerin immer mehr der Natur: Ihre Motive sind nächtliche Himmel und Spinnennetze in Nahaufnahme. Vija Stelmins stellt die natürlichen Phänomene nicht bloß dar, sondern hinterfragt ihre Existenz und Bedeutung im Lauf der Zeiten. Es sind Introspektionen in das Wesen der eigenen künstlerische Kraft, obwohl der Blick dafür oft in die Ferne schweift. Ihre zum Teil filigranen Zeichnungen entführen den Betrachter aus der unmittelbaren Gegenwart und regen ihn zu einem konzentrierten Schauen an. Über die Jahre hat Vija Celmins ein Werk geschaffen, dass Christoph Becker "auf den ersten Blick relativ leicht zugänglich erscheint, weil es sich nicht in der Abstraktion bewegt, sondern im gegenständlichen Bereich, doch trotzdem durch eine konzeptionelle Komponente eine große Tiefe hat".

"Mit großer Beharrlichkeit außerordentliche Kunst geschaffen"

Die Roswitha-Haftmann-Stiftung dient der Auszeichnung hervorragender Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Sie verleiht alle ein bis drei Jahre einen hohen Geldbetrag an eine lebende Künstlerin oder einen lebenden Künstler, deren Werk bisher nicht von einem großen Kunstpreis gewürdigt wurde. Die Auswahl des Preisträgers vollzieht sich durch den Stiftungsrat, dem neben Christoph Becker unter anderem auch Kasper König, Direktor des Museum Ludwig in Köln, und Bernhard Mendes Bürgi, Direktor des Kunstmuseum Basel, angehören. Vija Celmins ist nach Maria Lassnig und Mona Hatoum die dritte Künstlerin, der diese Auszeichnung zu Teil wird. "In ihr finden wir eine Künstlerin, die mit großer Beharrlichkeit außerordentliche Kunst geschaffen hat und dies gilt es auszuzeichnen,“ teilte Christoph Becker mit. Weitere Preisträger waren in der Vergangenheit Jeff Wall, das Schweizer Künstler-Duo Peter Fischli und David Weiss, Richard Artschwager und zuletzt der schottische Videokünstler Douglas Gordon.

Zurzeit sind Vija Celmins Arbeiten in der 55. Carnegie International zusehen, die das Carnegie Museum of Art in Pittsburgh, Pennsylvania, organisiert. Ihre letzte große Ausstellung fand 2006 im Centre Pompidou in Paris statt, die sich ausschließlich ihren Zeichnungen widmete. Nach zahlreichen Schauen in Amerika seit den frühen 1970er Jahren wurden ihre Werke in Europa erstmals 1995 durch die Fondation Cartier in Paris gezeigt. Danach folgten Ausstellungen in London, Frankfurt und Winterthur. Im kommenden Mai wird Vija Celmins der Roswitha-Haftmann-Preis im Kunsthaus Zürich verliehen.

Mehr zum Thema im Internet