Die Kelten - Völklingen

Barbaren mit hoher Kultur

In der Völklinger Hütte werden 1650 Grabungsfunde der keltischen Kultur aus der Großregion des heutigen Saarlandes, von Rheinland-Pfalz, Lothringen, Luxemburg und Belgien gezeigt

Die berühmtesten Kelten existieren nur auf Papier: Der pfiffige Asterix, der schlagfertige Obelix, Druide Miraculix und alle anderen Bewohner des kleinen, unbeugsamen Dorfes aus der Comicserie von René Goscinny und Albert Uderzo gehören zur Volksgruppe der keltischen Gallier. So weiß es jedenfalls das deutsche Asterix-Archiv. Was die historischen Kelten kulturell tatsächlich geleistet haben, zeigt eine Ausstellung in der zum Weltkulturerbe zählenden Völklinger Hütte im saarländischen Völklingen.

Die Kelten, kein Volk im klassischen Sinn, sondern ein Zusammenschluss von verschiedenen Stämmen, die eine gemeinsame Sprache als Bindeglied besaßen, haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Ihre Geschichte und ihre Lebensform lässt sich nur anhand von Grabungsfunden und Zeugnissen anderer historischer Quellen rekonstruieren. Das keltische Verbreitungsgebiet reichte über das heutige Staatsgebiet von England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Österreich, Norditalien bis Ungarn und der Türkei.

Die Ausstellung in der Völklinger Hütte, die auf 6000 Quadratmetern 1650 Ausstellungsstücke vom achten bis ersten Jahrhundert vor Christus zeigt, beschränkt sich auf die Großregion des heutigen Saarlandes, von Rheinland-Pfalz, Lothringen, Luxemburg und Teile von Belgien. Einen Schwerpunkt bilden die Fürstengräber – etwa das "Fürstinnengrab von Rheinheim" an der deutsch-französischen Grenze oder das "Fürstengrab von Weiskirchen" (Merzig). Zu den Grabbeigaben zählen reich verzierte Schwerter, Eisenhelme, Bronzegeschirr und kostbarer Goldschmuck.

Highlights der Ausstellung sind etwa die "goldene Schale von Schwarzenbach" (Saarland), der goldene "Armring von Rodenbach", der goldene "Halsring von Reinheim" oder die bekannteste antike Darstellung eines Kelten, der "Sterbende Gallier" aus den Kapitolinischen Museen in Rom, die römische Kopie eines Originals, das etwa um 230 bis 220 vor Christus von Attalos I., dem König von Pergamon, in Auftrag gegeben worden war.

Die Griechen nannten das Volk "Keltoi" oder "Keltai", was Tapfere oder Mutige hieß, für die Römer waren sie schlicht Barbaren. In Völklingen ist nun – 20 Jahre nach der großen Kelten-Ausstellung im Palazzo Grassi in Venedig – Gelegenheit, das kriegerische Volk als Träger einer großen Kultur zu erleben.

Die Kelten – Druiden. Fürsten. Krieger.

Termin: bis 22. Mai 2011 in der Völklinger Hütte
http://www.voelklinger-huette.org/