Gregor Schneider - Museum Abteiberg

Gregor Schneider baut 70-Meter-Tunnel

Mit einer gigantischen Skulptur in Form eines rund 70 Meter langen Gangs erweitert der Künstler Gregor Schneider das Museum Abteiberg in seiner Heimatstadt Mönchengladbach.
"Räume, die Angst auslösen":Schneider baut 70-Meter-Tunnel

"Die Räume, die ich baue, können Angst auslösen", meint Schneider. Projektentwurf: Gregor Schneiders "End", 2008/09

"End" heißt das an seiner Öffnung monumentale 14 mal 14 Meter messende, gänzlich schwarze Bauwerk, das vom 8. November an als weiterer Eingang in das Museum führt (bis Sommer 2009). "End" sei ein gedanklicher und physisch erlebbarer Raum, sagte Museumsdirektorin Susanne Titz am Donnerstag: Ein schwarzes Quadrat, das in den "White Cube", den weißen Ausstellungsraum des Museums ragt. Schneiders große Außenskulptur soll das Museum auch aus seiner versteckten Lage heraustreten lassen.

Mit "End" habe er einen "Keil" in das Museum gehauen, sagte Gregor Schneider, 39. Die Arbeit sei der Versuch, eine Verbindung zwischen der Sammlung, dem Museum und der Stadt herzustellen. Errichtet auf dem brachliegenden Platz neben dem Museum mit dem unscheinbaren Haupteingang, wird der vom Stararchitekten Hans Hollein 1982 errichtete Bau unübersehbar. Das "Portal" des in einer Sichtachse zur Haupteinkaufsstraße ausgerichteten Werks, in dessen totaler Schwärze nach Titz' Angaben "der Orientierungsverlust gravierend ist", wirkt wie ein kolossaler Trichter: Der nach etwa 30 Metern im rechten Winkel abknickende Gang wird stetig schmaler und niedriger, bis er die Außenwand des Museums durch ein etwa einen Quadratmeter großes "Loch" durchstößt.

"Ich will Immobilien mobil machen"

Das führt als unterirdischer Eingang über zwei Leitern in die dahinter liegenden Sammlungsräume. Dort hat Schneider mehrere Räume aus seinem Langzeitprojekt "Haus ur" neu inszeniert, die zum Bestand des Museums gehören. Durch eine vorübergehend eingezogene Wand vom restlichen Museum getrennt, das an dieser Stelle nur über einen Lift erreicht werden kann, sind hier Schneiders "Abstellkammer", "Schlafzimmer", "Kaffeezimmer" und "Atelier" zu sehen.

Als in die Länge gezogenes Quadrat sei "End" der Versuch, in einen Kubus hineinzugehen, berichtete Schneider. "Cube", Schneiders von Malewitschs' bahnbrechendem Gemälde vom schwarzen Quadrat ebenso wie vom höchsten islamischen Heiligtum, der Kaaba, inspiriertes Werk, ist der unmittelbare Vorgänger der Mönchengladbacher Skulptur. Ursprünglich für die Biennale in Venedig im Jahr 2004 geplant und dort aus politischen Gründen verboten, war der kubische Raum im vergangenen Jahr von der Hamburger Kunsthalle als bisher einzigem Museum realisiert worden.

"Ich bin ein Räumebauer", sagt Schneider, der als Künstler "Immobilien mobil machen will". Aufsehen erregte er jüngst mit einem "Sterberaum". Zum Stand der Dinge um das als Tabubruch gescholtene, Projekt, in dem ein Sterbender mit seinem Einverständnis sein Sterben selbst gestalten soll, sagt der Künstler: "Die Räume, die ich baue, können Angst auslösen, die Funktion, die ich ihnen – wie in diesem Fall – gebe, sogar Panik. Einmal realisiert aber, sind sie dazu geeignet, Angst überwinden zu helfen." Dass sich zahlreiche "Interessenten" bei ihm meldeten, zeige, dass es "Bedarf nach würdigen Räumen zum Sterben" gebe. dpa

"Gregor Schneider – End"

Termin: 8. November bis Sommer 2009, Städtisches Museum Abteiberg, Abteistraße 27, Mönchengladbach.
http://www.museum-abteiberg.de/index.php?option=com_content&task=view&id=750&Itemid=27&lang=de

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