Black Bandits - Berlin

Geister der Vergangenheit

Die Schau rund um Freiherr von Lützow, sein Freiwilligenkorps und die Schlacht um Waterloo verspricht mehr, als sie liefert. Zu sehen sind knapp 20 Werke der Gegenwartskunst, darunter Arbeiten von Jonathan Meese, Marc Bijl und Thorsten Brinkmann.

Manche Themen liegen buchstäblich auf der Straße. So stieß Marc Wellmann, als er im April 2013 künstlerischer Leiter im Berliner Haus am Lützowplatz wurde, bei Recherchen über den Namenspatron, den preußischen Freiherrn von Lützow (1782 bis 1834), auf ein "reichhaltiges historisches Narrativ", aus dem er rasch eine Ausstellungsidee destillierte.

Bislang galten Preußenfimmel 
und zeitgenössische Kunst in Berlin als entgegengesetzte Pole. Mit Black Bandits und knapp 20 Werken der Gegenwartskunst tritt Wellmann nun den Gegenbeweis an. Die These: Wer nach Preußen sucht, der muss nur 
am Lack des neuen Berlin kratzen.
Freilich kommt es darauf an, wie man kratzt. Der in Berlin lebende Niederländer Marc Bijl etwa beherrscht das ganz hervorragend: Mithilfe eines befreundeten Künstlers karrte er bereits 2002 einen großen Betonabguss in Form eines Eisernen Kreuzes auf einem wackligen Bollerwagen durch Berlin-Mitte, um ihn schließlich einfach vor dem damals in Renovierung befindlichen Brandenburger Tor abzulegen. Das Dokumentationsvideo ist nun in der Ausstellung zu sehen. Jonathan Meese wiederum verstreut das ursprünglich 1813 von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. gestiftete und von Karl Friedrich Schinkel entworfene Eiserne Kreuz wie Konfetti über sein buntes, wucherndes Werk, bis das Pathos auf null sinkt.

Ein großer Wurf ist Black Bandits dennoch nicht. Viel wird versprochen und wenig geliefert. Wie bei einer Séance werden die Geister der Vergangenheit beschworen, bis aus einer dunklen Ecke die Kosakenchöre (Deimantas Narkevičius) ertönen. Dann wieder flirtet die Ausstellung mit dem Pop-Spektakel, wie der bunt lackierten Kanone des Malers Uwe Henneken. Sicher nicht ganz zufällig weckt das Ausstellungsplakat mit einer schwarzen Zylindersilhouette (Thorsten Brinkmann) und der Frakturschrift Assoziationen an Hollywood-Piraten-Spektakel. Es trifft die Tendenz der Schau: diffus, stellenweise lustig und ein bisschen daneben.

Black Bandits

Die Ausstellung ist bis zum 21. Juni im Haus am Lützowplatz in Berlin zusehen.
http://www.hal-berlin.de/

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