European Kunsthalle - Zwischenbilanz

Institution ohne festen Sitz

Köln träumt von neuen Museen und alter Größe – eine erste Bilanz der Aktivitäten der European Kunsthalle
Suche nach alter Stärke:European Kunsthalle – ein imaginäres Museum in Köln

Aufbruchstimmung in der Fußgängerzone: Zum "International Festival" (initiiert von Tor Lindstrand und Mårten Spångberg) im Rahmen der Aktion "Modelle für Morgen" gehörte auch ein täglicher Auftritt der "GoldFlash"-Cheerleadertruppe

Mit der Kunstmetropole Köln steht es seit geraumer Zeit nicht mehr zum Besten. Während sich das Ruhrgebiet zur europäischen Kulturhauptstadt herausputzt und der ungeliebte Nachbar Düsseldorf weiter prosperiert, sucht die ehrwürdige Macht am Rhein verzweifelt nach alter Stärke.

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Gut beraten waren die politisch Verantwortlichen dabei selten, am wenigsten, als sie die traditionsreiche Josef-Haubrich-Kunsthalle in Schutt und Asche legten und anschließend feststellten, dass sich ihre Pläne für einen prachtvollen Neubau nicht finanzieren ließen. Statt dessen übernahm der private Verein "Das Loch" (so benannt nach der Baugrube) die Initiative, hob mit dem Erlös einer Benefizauktion das Projekt der European Kunsthalle aus der Taufe und setzte Nicolaus Schafhausen als Gründungsdirektor ein.

Dieser feilt nun seit zwei Jahren an den Konturen eines imaginären Museums und hat sich scheinbar unentbehrlich gemacht. Obwohl über dem Kölner Loch mittlerweile Richtfest gefeiert wurde, soll Schafhausens Team die Arbeit mit dem Segen der Kulturbehörde fortführen.

Als Institution ohne festen Sitz eroberte sich die European Kunsthalle erst mit Verspätung einen Platz im öffentlichen Bewusstsein. Nach einer mittelprächtig besuchten Diskussionsreihe im März vergangenen Jahres rief Schafhausen für 2007 den Kölner Kunstfrühling aus, ließ dazu zunächst unter dem Motto "Modelle für Morgen" einen Ausstellungsparcours durch den Stadtraum legen. An dieser Veranstaltung nahmen Künstler unterschiedlichster Kunstrichtungen teil, sogar eine Cheerleader-Truppe ("GoldFlash") gehörte zum Programm. Schließlich landete er mit seiner Neuauflage der legendären "Köln Show" von 1990 einen beachtlichen Werbecoup.

Gemeinsam mit Florian Waldvogel brachte er junge Künstler in den Schauräumen von 18 Galerien unter und zog mit seiner European Kunsthalle erfolgreich bei einem lokalen Mythos ein. Offenbar hat Schafhausen verstanden, dass die rheinische Kunstszene nicht allein mit der Konzeption eines nomadisierenden Museums zu gewinnen ist und die suggestive Erinnerung an bessere Tage niemals schaden kann. Ein süßeres Placebo gegen den Fantomschmerz schwindender Bedeutung hätte sich Köln jedenfalls kaum verschreiben können.

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