Picasso/Dalí - Barcelona

Picasso vs. Dalí

Zwei Genies, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine Kubist, der andere ein Surrealist. Picasso war Republikaner, Dalí ein Freund Francos. Das Museo Picasso in Barcelona überrascht jetzt mit einer Ausstellung, die zeigt: Der Einfluss der beiden Künstler aufeinander war enorm.
Museum Picasso

Museu Picasso, Barcelona

Sie waren beide Spanier, sie waren beide Genies und zählten schon zu Lebzeiten zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Trotzdem konnten Pablo Picasso und Salvador Dalí unterschiedlicher kaum sein.

Picasso (1881 bis 1973) war mit Georges Braque einer der Väter des Kubismus, der exzentrische Dalí (1904 bis 1989) ein Symbol des Surrealismus. Picasso liebte lebensfrohe, sinnlich-sexuelle Kompositionen. Dalí fesselte mit beängstigenden Traumwelten. Picasso war Republikaner, Dalí ein Freund von Diktator Franco. "Bisher wurden Picasso und Dalí als vollkommen unterschiedliche Künstler wahrgenommen. Vielleicht war das der Grund dafür, dass bisher noch keine Ausstellung den künstlerischen Einfluss beleuchtete, den sie auf den jeweils anderen ausübten", meint Co-Kurator William Jeffett. Bis jetzt zumindest. Am Freitag eröffnete im Picasso Museum in Barcelona die Ausstellung "Picasso/Dalí. Dalí/Picasso".

Zwar vergeht kein Jahr, in dem nicht irgendein Museum der Welt dem einen oder dem anderen eine große Ausstellung widmet. Doch diese Ausstellung gebe den Besuchern "die Möglichkeit, Picasso und Dalí anhand ihres künstlichen Dialogs vollkommen neu zu sehen und zu interpretieren", verspricht Bernardo Laniado-Romero, Direktor des Museu Picasso, wo die Schau noch bis zum 28. Juni zu sehen ist. "Trotz ihrer Unterschiede bewunderten sich Picasso und Dalí. Ihr Lebensweg kreuzte sich nur kurz, aber sie beeinflussten die künstlerische Arbeit des anderen auf eine Weise, die nur wenigen bekannt ist. Das wollen wir in dieser einmaligen Ausstellung erstmals anhand ihrer Werke zeigen", ergänzt Jeffett, der vom amerikanischen Dalí Museum aus St. Petersburg in Florida zur Eröffnung in Barcelona angereist war. Sein Haus organisierte die Ausstellung in Spanien gemeinsam mit dem Picasso-Museum Barcelona und der Gala-Salvador-Dalí-Stiftung aus Figueres.

Das Dalí Museum in Florida, das über die größte Sammlung von Dalí-Werken außerhalb Europas Verfügung, hatte bereits vor 13 Jahren die Idee für diese Ausstellung. "Aber es hat bis heute gedauert, bis wir die richtigen Werke vereinen konnten, um die künstlerische Beziehung zwischen beiden Künstlern adäquat zu veranschaulichen", erklärt Jeffett. Neben den eigenen Werken konnten die drei Museen für die Ausstellung in Barcelona auf teils seltene Leihgaben von 25 privaten Kunstsammlern und Museen wie das Pariser Centre Georges Pompidou oder das Madrider Thyssen-Museum zurückgreifen. Einige Werke wie Dalís "Die Entweihung der Hostie" oder "Desnuda femenino y bañistas" waren seit den dreißiger Jahren nicht mehr in Europa zu sehen. Mit insgesamt 78 Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Collagen, Druckgrafiken und 33 Dokumenten zeigt die Ausstellung, wie intensiv sich Picasso und Dalí künstlerisch aufeinander einwirkten.

Anfangs beeinflusste vor allem der ältere Picasso den noch jungen Salvatore Dalí.

Anfangs beeinflusste vor allem der 23 Jahre ältere und bereits weltberühmte Picasso den noch jungen Dalí. Vermutlich haben sie sich über gemeinsame Bekannte bereits im spanischen Küstenstädtchen Cadaqués in der Nähe von Barcelona kennengelernt, als Dalí noch sehr jung war. Und schon früh nahm sich Dalí Picasso zum Vorbild wie zahlreiche Werke der Ausstellung belegen.

Stilistisch, aber auch motivisch orientierte Dalí viele seiner frühen Arbeiten an Picassos kubistischen Zeichnungen und seiner Blauen Periode: Dalís Stillleben "Naturaleza muerta" (1924) ist farblich, vom Gebrauch der Schatten, der gesamten Bildkomposition bis hin zu den ausgewählten Früchten schon nahezu eine Kopie von Picassos "Frutero" aus dem Jahre 1917. Und auch Dalís "Porträt meiner Schwester" (1923) ginge wohl als Duplikat von Picassos "Porträt von Olga" von 1917 durch. Mit solchen überzeugenden Gegenüberstellungen gewinnt die Ausstellung ihre Besucher schnell für ihre These vom künstlerischen Einfluss Picassos auf Dalí. Dalís "Bañistas de Es Llaner" (1923) ähnelt Picassos "Grupo de desnudos femeninos" von 1921, und dass Picassos "Naturaleza muerta frente a una ventana" von 1919 Dalí sieben Jahre später zu seinem Bild "Mesa delante del" (1926) inspirierte, sehen selbst Kunstbanausen.

Dalí sah das Bild im Frühjahr 1926, als er Picasso zum ersten Mal in dessen Pariser Atelier besuchte. "Als ich bei Picasso ankam, war ich so tief bewegt und voller Respekt, als hätte ich eine Audienz beim Papst", erinnerte sich Dalí noch Jahre später. "Diese Begegnung beeindruckte Dalí zutiefst und war der Beginn eines regen künstlerischen Austausches zwischen beiden", versichert Co-Kurator Jeffett.

Picasso sah mit Bedauern die Sympathie, die Dalí für den spanischen Diktator Franco hegte.

Doch wie steht es um den Einfluss von Dalí auf den älteren Picasso? 1929 zog auch Dalí nach Paris. Zwei Spanier im französischen Exil. Das einte sie, auch wenn sie von Grund auf verschieden und vor allem politisch sehr unterschiedlicher Meinungen waren. Sie schrieben sich Briefe, sahen in Zeitschriften die Werke des anderen. Nach und nach begegneten sie sich immer öfter bei gemeinsamen Gruppenausstellungen. Je reifer und berühmter Dalí wurde, desto mehr schaute auch Picasso auf den jungen Katalanen und dessen surrealistische Bewegung. Sie faszinierte ihn, obwohl er ihr nie beitrat und es auch immer wieder zu Konflikten mit Dalí und den anderen Surrealisten kam.

Dennoch machte sich auch Picasso immer häufiger einige Motive und Techniken Dalís zu eigen. Die Ausstellung zeigt auch das eindrucksvoll an verschiedenen Werken wie "La Señora" (1929) zeigt, bei deren geometrischen Formen sich Picasso offenbar an Dalís "Aparato y mano" aus dem Jahre 1927 orientierte. Auch Ereignisse wie der spanische Bürgerkrieg (1936-1939) oder ihre gemeinsame Liebe für die Werke von Goyas und Velázquez, die beide Maler künstlerisch kommunizieren ließ.

Als Dalí 1940 schließlich in die USA ging und danach ins frankistische Spanien zurückkehrte, trennten sich ihre Wege. Picasso sah mit Bedauern die Sympathie, die Dalí für den faschistischen Diktator hegte. Es war das Ende ihrer Bekanntschaft. Das Ende eines künstlerischen Dialogs.

Picasso/Dalí. Dalí/Picasso.

bis 28. Juni 2015 im Museo Picasso in Barcelona
http://www.museupicasso.bcn.cat