Camille Pissarro - Wuppertal

Wohltemperiertes Wesen

Der Maler war stets Lehrender und Lernender – sein ausgeglichenes Wesen besänftigte streitende Impressionisten. Das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal zeichnet in der Ausstellung "Vater des Impressionismus" die Entwicklung des Stils und der Werke Pissarros nach.

Die Impressionisten, klagte Vincent van Gogh einmal, das seien Leute, die "sich gegenseitig mit einem Eifer, der eines edleren Zweckes wert wäre, an die Kehle springen". Vor diesem Hintergrund lässt sich vielleicht leichter verstehen, warum Camille Pissarro (1830 bis 1903) gerne zum "Vater des Impressionismus" erklärt wird, obwohl er nur zehn Jahre älter war als Claude Monet und ihn von ­Edgar Degas gerade einmal vier Jährchen trennten.

Denn Pissarro hatte ein ausgleichendes Gemüt und schlichtete so manchen Streit unter den Malern; er war der Vermittler, den diese Gruppe ehrgeiziger Individualisten brauchte, und nahm als einziger an sämtlichen Ausstellungen der Impressionisten teil. Sein ganzes Leben lang empfand sich Pissarro zugleich als Lernender und als Lehrer – eine ideale Voraussetzung, um etwa gemeinsam mit dem jüngeren Paul Cézanne in die Natur zu gehen oder mit Degas das Gebiet der Druckgrafik zu erkunden.

Pissarro blieb bis ins Alter neugierig und probierte häufig Neues aus, weshalb sich an seinem Werk die Entwicklung der modernen Malerei ein gutes Stück verfolgen lässt. Genau das versucht nun das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum mit der Ausstellung "Pissarro – Vater des Impressionismus". Anhand von rund 135 Werken, gut die Hälfte davon Gemälde, zeichnen die Kuratoren Pissarros künstlerischen Weg von der realistischen Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon zum Impressionismus nach, zeigen seine reumütig abgebrochenen Versuche im Stil des Pointil­lismus und begleiten ihn mit seinen späten Bildern ins moderne Großstadtleben. Sein reger Austausch mit den anderen Impressionisten soll ­dabei durch ausgewählte Arbeiten etwa von Cézanne, Gauguin, van Gogh und ­Manet deutlich werden. Im Vergleich wird sich zeigen, dass Pissarros wohltemperiertes Wesen auch in seinen ­Bildern wiederkehrt. Sie meiden die Extreme – vielleicht ein Grund, warum Pissarro nie so berühmt wurde wie viele seiner Impressionisten-­Kinder.

Camille Pissarro – Vater des Impressionismus

bis 22. Februar 2015,
Von-der-Heydt-Museum Wuppertal

Der Katalog zur Ausstellung kostet 25 Euro.
http://www.pissarro-ausstellung.de/