Caspar David Friedrich - Dresden

Ode an die Freundschaft

Caspar David Friedrich verband eine innige Beziehung mit dem norwegischen Maler Johan Christian Dahl. Im Albertinum begegnen sich nun Gemälde und Papierarbeiten der beiden Romantiker, darunter Friedrichs "Kreidefelsen auf Rügen" und Dahls "Mondschein an der Küste".
Ode an die Freundschaft

Caspar David Friedrich: "Kreidefelsen auf Rügen", 1818

Anfang April 1823 zieht der norwegische Maler Johan Christian Dahl (1788 bis 1857) in das Haus An der Elbe 33 in Dresden. Das ist ein wahrhaft historischer Moment, denn Dahl wird damit Hausgenosse seines Künstlerfreundes Caspar David Friedrich (1774 bis 1840). In ihrem Heim geben sich bald schon Romantiker von fern und nah die Klinke in die Hand, berühmte Gelehrte und Maler gleichermaßen.

Bis zu Friedrichs Ableben wird die innige Verbindung mit Dahl andauern – Grund genug für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Schulterschluss mit dem Osloer Nationalmuseum, dieser einzigartigen Allianz eine Ausstellung zu widmen. 73 Gemälde und 36 Papierarbeiten illustrieren den gemeinsamen Weg von Dahl und Friedrich. Darunter finden sich so wunderbare Leihgaben wie Friedrichs "Kreidefelsen auf Rügen" (um 1818) aus Winterthur oder Dahls "Mondschein an der Küste" (1821/22) aus Kopenhagen. Ein Großteil der Highlights stammt jedoch aus Osloer und Dresdner Beständen, darunter das Schlüsselbild der Romantik: "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes". Bereits 1820 schenkte es Friedrich seinem Freund. Die ins Gespräch oder in die gemeinsame Naturbetrachtung versunkenen Gestalten können als symbolische Ode an die Freundschaft gelten.

Vieles ist schon über Nähe und Distanz dieser zwei Künstler geschrieben worden. Doch diese museale Begegnung ermöglicht den direkten Vergleich. Ob Hünengräber oder Kirchruinen, ob Baumstudien und Seestücke, ob Berge oder die berühmten Rückenfiguren – die Überschneidungen sind überwältigend. Dabei zeigt sich aber auch, wie zeichnerisch konzentriert und mathematisch kalkuliert Caspar David Friedrich seine Symbolbilder anlegt. Johan Christian Dahl dagegen reagiert viel spontaner und malerischer, geht Landschaften mit mehr Pathos und Emotion an als der um 13 Jahre ältere Kollege. Auf dessen religiöse Gestimmtheit lässt der Norweger sich nicht ein. Vielleicht auch deshalb scheint es zwischen beiden keine Konkurrenz gegeben zu haben. Im Gegenteil: Auch ihre Schüler, von denen in Dresden ebenfalls 18 Werke zu sehen sind, wechselten zwischen den Ateliers der bewunderten Lehrer, die übrigens beide niemals eine ordentliche akademische Professur bekleideten. Dem Ruhm tat dies keinen Abbruch. Oder nur wenig: Anders als Dahl, geriet Friedrich im Lauf des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit. Dass er um 1906 in Deutschland wiederentdeckt wurde, ist ausgerechnet einem norwegischen Kunsthistoriker zu danken: Andreas Aubert, dem Biografen von Johan Christian Dahl.

Dahl und Friedrich. Romantische Landschaften

bis 3. Mai 2015 im Albertinum in Dresden. Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Sandstein Verlag und kostet 39,80 Euro. Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.skd.museum/?id=14

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