Radar

Ingvild Goetz

Ingvild Goetz über Hansjörg Dobliar
"Some Forest", 2007, von Hansjörg Dobliar ist eines der Lieblingswerke der Sammlerin Ingvild Goetz (Courtesy Sammlung Goetz)

INGVILD GOETZ ÜBER HANSJÖRG DOBLIAR

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Galeristen, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Die Münchener Sammlerin Ingvild Goetz über den deutschen Künstler Hansjörg Dobliar.
// INGVILD GOETZ

Hansjörg Dobliars Werk ist für mich eine Auseinandersetzung mit dem Ephemeren. Sowohl in der Bedeutung des Flüchtigen wie auch in der des Tagebuchartigen, Prozesshaften.

Die eigentümlichen geometrischen Formen, die wir auf der Bildoberfläche wahrnehmen, sind Übermalungen, formgewordene Fortschreibungen von Landschaften, die Dobliar als Grundthema auf die Leinwand aufgebracht hat, oder von Magazinen, die er zur Grundlage seiner Werke nimmt.

Die letztere Variante kann man sehr gut an den wunderbaren Zeichnungen beobachten. Darum ist seine Arbeit so eigenständig, kein Beitrag zur Abstraktion, sondern eine bewusst flüchtige, aus mehreren Themen und Schichten entwickelte Erzählung. Sie haftet nicht an einer konkreten figürlichen Assoziation an, negiert sie aber auch nicht. Sie geht einfach weiter. So, als Spurensucher nach dem Ursprung der Erzählung, habe ich mich ihm angenähert, durchaus irritiert über das Resultat, das oft auf den ersten Blick ästhetische Regeln verletzt, aber eben doch stark angezogen von der Sicherheit, mit der er flüchtig bleiben kann – bis hin zu den außergewöhnlichen Skulpturen, in denen vorgefundene Formen wie Spanholzplatten durch Zusammenfügung und Übermalung neue Inhalte ergeben.

Dabei sind die Farben ebenso flüchtig, bleiben unstet, so dass eher ein Grundfarbton entsteht als eine Festlegung innerhalb der einzelnen geometrischen Körper. Ich schätze seine Eigenständigkeit und die Herausforderung, der er den formal zunächst allein gelassenen Betrachter als Suchenden aussetzt.

Hansjörg Dobliar, geboren 1970 in Ulm, studierte an der Akademie der bildenden Künste in München. Heute lebt und arbeitet er in München und Berlin.

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