Terence Koh - Schirn Frankfurt

Naomi Campbell der Kunstwelt

Die Schirn-Kunsthalle stellt den Künstler Terence Koh vor – ein Enfant terrible der internationalen Szene.
Naomi Campbell der Kunstwelt:Schirn-Kunsthalle stellt ein Enfant terrible vor

Terence Koh, "Warhol remains as a chinese winter garden in my heart (self-portrait), 2006

Er überzog seine Exkremente mit Gold und Michael-Jackson-Figuren mit Schokolade. In seinen Installationen findet sich Erbrochenes und Ejakulat neben Chanel-Lippenstift und Plastik-Dinosaurier. Unter den Enfants terribles der Kunstwelt ist Terence Koh eines der überdrehtesten.

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Binnen weniger Jahre hat sich der Künstler, der 1977 in Peking geboren wurde, in Vancouver aufwuchs und mittlerweile in New York und Berlin lebt, mit provokativen Aktionen, Objekten und Installationen ins Bewusstsein der Szene katapultiert.

Die Ausstellungen Kohs, der sich selbst wahlweise als eine Mischung aus "haarlosem Albinowolf und pinkfarbe­nem Hasen mit Einhorn" oder "Naomi Campbell der Kunstwelt" bezeichnet, sind häufig barock überladen und minimalistisch zugleich. Welche Geschichten und Verweise sich hinter der Flut von Gegenständen verbergen, kann der Besucher al­lenfalls erahnen. Oft geht es um seltsa­me Rituale, sexuelle Praktiken oder kunst­his­torische Zitate, die der Künstler wild kom­biniert. Dass die Arbeiten meist in den Nichtfarben Schwarz oder Weiß gehalten sind, hat Koh einmal auf seine Vorliebe für asiatische Beerdigungen zurückgeführt. Aber wer weiß? Der Erfindungsreichtum von Terence Koh macht auch vor dreisten Behauptungen nicht halt. Einmal soll er gar Besucher der New Yorker Armory Show zu einer Eröffnung ein­geladen haben, die sich als "Dark Room" für Schwule entpuppte.

Terence Koh: "Captain Buddha" – Die geheime Performance in der Schirn-Kunsthalle (Ausschnitt)

Unter dem Titel "Captain Buddha" richtet Koh nun in der Schirn-Kunsthalle eine Installation ein, die nach eigener Aussage von der Figur des Captain Ahab aus Hermann Melvilles Buch "Moby Dick" und dem Zen-Buddhismus inspiriert wurde. In einem 40 Meter langen, grell überstrahlten Raum will Koh 15 weiß gestrichene Bronzeskulpturen präsentieren, die sich bei näherer Betrachtung als surreale Gebilde entpuppen und auf Reisen nach Tokio, Birma oder Afrika verweisen.

Zum Beispiel zwei Affenhintern an einem Kleiderbügel, ein aus Bienen geformtes Törtchen, aus dem ein Finger mit Docht herausragt, ein aus VW-Radkappe und Klopümpeln gebildetes Steuerrad oder zwei an einem Ast hängende Unterarme, an denen ein Gartenzwerg baumelt. Letzteres soll übrigens auf die Geburt Buddhas verweisen, den seine Mutter der Sage nach stehend, an einen Ast geklammert, zur Welt gebracht hat.
Wie Captain Ahab versuche er in den weißen Objekten den Wal zu finden, sagt Koh. Ein Unterfangen, das ein hohes Maß an Besessenheit verlangt.

"Terence Koh: Captain Buddha"

Termin: 28. Mai bis 31. August, Schirn-Kunsthalle, Frankfurt. Katalog erscheint im Verlag Buchhandlung Walther König.
http://www.schirn-kunsthalle.de/index.php?do=exhibitions_detail&id=83&lang=de

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