Michelangelo - Bonn

In seinem Ruhm sonnen

Maler und Bildhauer aller Stile und Epochen maßen sich an Michelangelo. Einen kunstvollen Querschnitt dieser teils kultischen Hingabe zeigt jetzt eine große Ausstellung in Bonn, die Michelangelo-Verehrer von Caravaggio bis Robert Mapplethorpe präsentiert.
Michelangelo,

Maler und Bildhauer aller Stile und Epochen maßen sich an Michelangelo. Caravaggio: "Johannes der Täufer", 1602, Öl auf Leinwand

Auf einen Arm gestützt liegt Adam hingestreckt, als ihm der Herrgott das Leben schenkt. Ginge es nach ­Michelangelos erstem Biografen, dann wäre dieser berühmte Jüngling aus der sixtinischen kapelle ein Selbstporträt.

"Dankt dem Himmel und ­bemüht euch nach Kräften, Michelangelo in allen Dingen nachzuahmen", schrieb Giorgio Vasari 1568 – ganz so, als hätte der Herrgott selbst den Maler, Bildhauer und Architekten zum berühmtesten Teil seines Decken­gemäldes inspiriert. Tatsächlich ist das Idealbild des genialen Künstlers erst mit und nach Michelangelo ­entstanden – weshalb sich im Grunde alle Künstler auch in seinem Ruhm sonnen. Zum Dank wurden ihm ­unzählige Kränze aus Zitaten und ­Studien geflochten.

Die Bundeskunsthalle in Bonn erzählt nun in der opulenten Ausstellung "Der Göttliche – Hommage an Michelangelo" die Geschichte dieser nie ganz uneigennützigen Verehrung. Und weil fast alle berühmten Werke Michelangelos an ihren Ort gebunden sind, ist damit auch eine kleine Mediengeschichte der Kunst verbunden. Schon zu Lebzeiten Michelangelos ­zirkulierten Nachzeichnungen seines David oder des Jüngsten Gerichts in den europäischen Metropolen, später kamen verkleinerte Abgüsse, Druckgrafiken und im 19. Jahrhundert ­Fotografien hinzu.

An ihnen schulten und maßen sich die Maler und Bildhauer, sofern sie nicht nach Rom
oder wenigstens nach Florenz reisen konnten, darunter Größen aller Stile und Epochen, von Caravaggio, Théo­dore Géricault, Auguste Rodin bis Max Beckmann. Gerade in der Darstellung des menschlichen Körpers ist Michelangelo bis heute das Maß aller Dinge geblieben: Robert Mapplethorpe ­studierte die kraftstrotzende Anmut seiner Figuren mit ähnlichem En­thu­siasmus wie vor ihm Peter Paul ­Rubens, der Meister des barocken Fleisches.

Insgesamt führen rund 250 Werke von etwa 70 Künstlern in die nach einem halben Jahrtausend immer noch nicht beendete Heldengeschichte des "göttlichen" Michel­angelo Buonarroti ein.

"Der Göttliche – Hommage an Michelangelo"

Bis 25. Mai in der Bundeskunsthalle Bonn

Der Band zur Ausstellung erscheint im Hirmer-Verlag und kostet 39,90 Euro.
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/der-goettliche.html