theanyspacewhatever - Guggenheim New York

Künstler übernehmen das Museum

Übernachten im Guggenheim Museum und Espresso im Kinozimmer: Die Künstler der New Yorker Ausstellung "theanyspacewhatever" spielen mit der Institution "Museum". Eigentlich ein spannendes Thema – trotzdem bleibt bei den halbherzigen Installationen ein Gefühl der Leere zurück.

So sieht es also aus, wenn Künstler ein Museum übernehmen. Das New Yorker Guggenheim lud Angela Bulloch, Maurizio Cattelan, Liam Gillick, Dominique Gonzalez-Foerster, Douglas Gordon, Carsten Höller, Pierre Huyghe, Jorge Pardo, Philippe Parreno und Rirkrit Tiravanija ein, die Rotunde kollektiv in eine Art Kunstpark zu verwandeln. Alle zehn Künstler vereint, dass sie in den neunziger Jahren damit bekannt wurden, die Ausstellung selbst als ihr Medium zu verstehen.

Miteinander verbunden sind sie allerdings nur lose durch gelegentliche Kooperation. Liam Gillick, der für den Titel der Ausstellung verantwortlich ist, hängte spiegelverkehrte Hinweisschilder auf und platzierte s-förmige Banken in der Rotunde. In Zeiten der weltweiten Finanzkrise erinnern sie schmerzhaft an Dollarzeichen. Vor allem aber scheinen sie symbolisch für die Art dieser Zusammenarbeit zu stehen: Zwar sitzt man gemeinsam auf einer Bank, aber jeder blickt von seinem Standpunkt aus in eine andere Richtung.

Die Künstler haben vieles dafür getan, um die Besucher zum Verweilen zu verführen. Der Belgier Carsten Höller richtete ein im Schneckentempo rotierendes Hotelzimmer ein, in dem sich Besucher für Preise von bis zu 799 Dollar die Nacht unter Angela Bullochs Sternenhimmel in der Rotundenkuppel einquartieren können. Die Französin Dominique Gonzales-Foerster lässt es entspannend plätschern und zwitschern, in dem sie den Regenwald ins Museum holte. Im "Cinéma Liberté" führen Douglas Gordon, der den Fußboden und die Wände mit Sprüchen wie "Nothing will ever be the same" versah, und Rirkrit Tiravanija aus politischen Gründen zensierte Kinofilme vor. Dazu kann man sich ein Tässchen Espresso genehmigen. In einer Filmlounge mit gemütlichen Sitzkissen lädt Tiravanija zu Interviews mit Künstlern ein. Der Kubaner Jorge Pardo errichtete kunstvolle Barrikaden. An den Pappwänden hängen Arbeiten seiner Kollegen, während Pardo selbst durch das Museum eilende Besucher scheinbar dazu zwingen will, innezuhalten.

Chloë Sevigny wird das "Drehende Hotelzimmer" testen

1000 Anrufe für Reservierungen von Höllers "Drehendem Hotelzimmer" soll das Guggenheim erhalten haben. Nach kürzester Zeit war es ausgebucht. Der erste Gast, der sich in die schwarzen Satinlaken legen wird und in Bademantel und Hausschuhen durch das Guggenheim wandeln darf, ist die New Yorker Mode-Ikone Chloë Sevigny. Die Schauspielerin muss eine Speed-Dial-Taste in ihrem Telefon haben, kommentierte die "New York Post" die prominente Premiere.

Neben Höllers Hotelzimmer, das er ursprünglich für das Kunsthaus Bregenz in Österreich konzipiert hatte, finden im Rahmen der Ausstellung auch weniger publicityfreundliche Events statt. Dominique Gonzalez-Foerster lud ihren in Berlin lebenden Kollegen, den Komponisten und Dirigenten Ari Benjamin Meyers für die gemeinsame Performance "NY.2022" im Theater des Museums ein. Als Vorlage diente den beiden der Science-Fiction-Film "Soylent Green" von 1973, der New York City im Jahr 2022 zeigt. Eine Stadt, in der Wasser und Energie knapp geworden sind, in der nur autorisierte Bücher gelesen werden und in der die Bewohner sehnsüchtig der Vergangenheit nachtrauern.

"Das Publikum war die ganze Zeit aufmerksam angespannt"

Bei der Life-Performance klimperten dürre, von Modedesigner Nicolas Ghesquiere (Balenciaga) eingekleidete Models demotiviert auf Kinderspielzeug herum. Ein nacktes Paar verschwand in der Duschkabine, um sich mit dem rationalisierten Wasser aus Flaschen abzuseifen. Rentner sangen traurig-schaurige klingende Evergreens. Tüten mit Bonbons wurden verteilt, um im Publikum, zu dem Nicolas Ghesquiere und Maurizio Cattelan zählten, ein Knisterkonzert zu entfachen. Als das Orchester zum Abschluss Beethovens Symphonie Nr. 6 spielte, löste es sich langsam auf, um schließlich nur noch Dirigent Meyers und den Kontrabass zurückzulassen. "Das Publikum war die ganze Zeit aufmerksam angespannt", meinte Meyers zufrieden im Anschluss an Performance.

Was der Ausstellung eher selten gelingt. Sicher ist "theanyspacewhatever" ein hier und da sinnliches Erlebnis. Ansonsten bleibt bei den spärlich über das Museum verteilten Installationen ein Gefühl der Leere hängen. Auf gewisse Weise wirkt die Kunst aller zehn Teilnehmer halbherzig und entrückt, als ob sie in den vier Jahren Vorbereitungszeit von der harten Realität eingeholt wurden. Und leider sind die Arbeiten nicht stark genug, um die Besucher komplett in eine andere Welt zu entlocken. Da trifft es Maurizio Cattelans Pinocchio, der sich offensichtlich im Wasserbecken ersäuft hat, noch am besten. Ebenso wie die schillernde, von dem Franzosen Philippe Parreno entworfene Markise, die den Eingang des Guggenheim mit blinkenden Glühbirnen wie ein Varieté-Theater schmückt. Doch was da im Guggenheim veranstaltet wird, verrät Parreno nicht. Das Glitzerwerk ist nichts weiter als reine Fassade.

"theanyspacewhatever"

Termin: bis 7. Januar 2009, Guggenheim Museum, New York.
http://www.guggenheim.org/exhibitions/exhibition_pages/anyspace/index.html