Gods & Goods - Ausstellung

Die Kunst der Religion

Kunst und Religion, das ist ein altes, ehrwürdiges Paar. Für die Ausstellung "Gods & Goods" in der Villa Manin im italienischen Passariano interpretieren zeitgenössische Künstler die überlieferten Motive ohne Scheu: Da setzt sich eine Jesusdarstellung schon mal aus Autobahnkreuzen oder Zigarettenstummeln zusammen. Ein neuer Blick auf ein altes Thema.
Kunst und Religion:So interpretieren Künstler christliche Motive

Sarah Lucas, "Christ You Know It Ain't Easy", 2003

Die Zeit ist offensichtlich reif für die ganz großen Themen: Es gab in den letzten Jahren eine Reihe von Religionsausstellungen wie "Gott sehen" in Wilhelmshaven (2005/6) oder "Choosing My Religion" in Berlin (2006). Jetzt hat der global agierende Kurator Giorgio Bonami, 53, unter dem lässigen Titel "God & Goods" die neue Transzendentalität inszeniert.

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Strecken Teaser

Als künstlerischem Leiter der Villa Manin in Passariano – Bonami ist unter anderem auch Hauptkustos am Museum of Contemporary Art in Chicago – stehen ihm dafür eine schlossähnliche Barockvilla und ein 19 Hektar großer Park zur Verfügung.

Schon vor dem Eingang wird der Besucher durch einen drei Meter hohen, aus chromglänzenden Küchenutensilien zusammengefügten Totenkopf des Inders Subodh Gupta thematisch eingestimmt. Das 1000 Kilo schwere Vanitas-Objekt mit dem Titel "Very Hungry God" gehört François Pinault, monatelang war es im Canal Grande vor dem Palazzo Grassi verankert. Hoch über den Bäumen schwebt Maurizio Cattelans lebensgroße "Frau C.". Sie trägt noch immer dasselbe schwarze Kostüm wie in Frankfurt, wo sie kürzlich im Park des "Portikus" ausgestellt war, und hat die Arme wie segnend erhoben: Eine Himmelfahrt, die nicht vom Fleck kommt.

Giorgio Bonami und seine Co-Kuratorin Sarah Cosulich Canarutto haben ausschließlich Künstler gewählt, die sich in der Behandlung von Glaubensfragen bereits einen Namen gemacht haben. Sarah Lucas formt die Figur des Gekreuzigten aus Zigarettenstummeln. Thomas Bayrle, bekannt durch seine "Madonna Mercedes" (1989), setzt eine mittelalterliche Kreuzigungsdarstellung aus Fotos von vielbefahrenen Schnellstraßen zum "Jesus-Autobahnkreuz" zusammen. Berlinde De Bruyckere hängt eine lebensgroße zwitterhaft-verbogene Wachsfigur an einen verrosteten Eisenträger. Die meisten der 30 Künstler holen ihre Motive aus der christlichen Ikonografie. Katharina Fritsch erlöst die kleine, seriell hergestellte Gipsmadonna der Souvenirläden aus ihrem verkommenen Zustand und vergrößert sie zur leuchtend gelben Maria.

Zum Thema "Spiritualität und Massenkonfusion" – so lautet der Untertitel der Ausstellung – leistet Christian Jankowski mit seinem Video "The Holy Artwork" (2001) einen treffenden Beitrag: Der Künstler nähert sich mit seiner Filmkamera einem Fernsehprediger, fällt aber nach wenigen Sekunden vor ihm auf den Boden und bleibt bewegungslos liegen. Der Prediger nimmt diesen Zwischenfall zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass beide, Kunst und Religion vor allem eines brauchen: Publikum.

"Gods & Goods"

Termin: bis 28. September, Villa Manin in Passariano, Italien.
http://www.villamanincontemporanea.it/html/eng/exhib.htm