Sammlung Rausch - Hamburg

Besammelt" und geschätzt

Es sind Zufälle und Freundschaftsdienste, auf denen die Sammlung des ehemaligen Hausmeisterpaars der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste, Hartmut und Helga Rausch, basiert. Der "Polarraum für Kunst der Gegenwart" in Hamburg präsentiert eine Auswahl aus der ungewöhnlichen Kollektion, die in ihrer Gesamtheit die Geschichte der Städelschule von 1993 bis heute widerspiegelt.
Wie aus dem Leben gegriffen:Zahnputzbecher, Parties, Menschlichkeit

Ausstellungsansicht "Sammlung Rausch" im "Polarraum für Kunst der Gegenwart" in Hamburg

Die Rauschs sind kein gewöhnliches Sammlerpaar – sie waren Hausmeister an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt und hatten bis dahin nicht viel mit Kunst zu tun. "In unserer ehemaligen Heimatstadt Duisburg waren wir vielleicht ein Mal im Lehmbruck Museum", erinnert sich Hartmut Rausch, der bis zu seinem zweiten Bandscheibenvorfall einen kleinen Sanitärbetrieb leitete. Heute ist das Paar stolzer Besitzer von rund 460 Kunstwerken, die in ihrer Gesamtheit die Geschichte der Städelschule von 1993 bis heute widerspiegeln. Eine Auswahl der Kollektion ist derzeit in der Hamburger Galerie "Polarraum für Kunst der Gegenwart" zu sehen.

Die ersten beiden Arbeiten bekam Hartmut Rausch anlässlich seines 50. Geburtstags von zwei Studenten geschenkt. "Das waren die Bilder 'Stubenmädel Marina' von Hans Petri und 'Smiley' von Thilo Heinzmann", erzählt Hartmut Rausch. Letzteres, so sagt er, hänge wegen des Schriftzugs "Hallo Leute" noch heute zur Begrüßung der Gäste im Eingangsbereich von Ausstellungen. Über die Jahre hinweg haben die Rauschs ein freundschaftliches Verhältnis zu den Studenten und ihren Professoren aufgebaut, die das Hausmeisterpaar ihrer Menschlichkeit wegen schätzten und sie dadurch immer mehr 'besammelten'.

Selbst heute noch stehen Helga und Hartmut Rausch mit jedem der ehemaligen Studenten – darunter international bekannte Namen wie Tobias Rehberger, Thomas Zipp, Martin Liebscher, Justine Otto, Wolfgang Tillmanns, oder Hermann Nietsch – in Kontakt und unterstützten die weniger Erfolgreichen hin und wieder mit dem Ankauf von Werken. Auch in den eigenen vier Wänden kommt die Kunst nicht zu kurz. "Außer neben dem Zahnputzbecher ist sie überall", erzählt der Hamburger Galerist Enno Wallis, der die Rauschs auf einer Party in der Städelschule kennen und schätzen gelernt hat. "Sie sind wie aus dem Leben gegriffen. Wenn sie etwas nicht mögen, dann sagen sie es auch", so Wallis.

"Ich finde es faszinierend zu sehen, wie auf einer weißen Leinwand eine Idee entsteht"

Sein schlimmstes Erlebnis an der Städelschule hatte Hartmut Rausch etwa 1995, nach einer Ausstellung im Portikus in Frankfurt. Dort fand abends ein Empfang in der Mensa statt, der in eine Party mündete. "Als ich mich gegen vier Uhr nachts verabschiedet hatte, war noch alles im Rahmen", erzählt er. Am nächsten morgen dachte der ehemalige Hausmeister, eine Bombe sei eingeschlagen: "Es war alles kaputt, sogar die Tische waren vom darauf Rumtanzen zusammengebrochen." Daraufhin habe er zunächst den damaligen Direktor Kasper König angerufen, später die Studenten. "Gegen Mittag kamen sie aus ihren Ecken gekrochen und wir haben zusammen aufgeräumt", sagt Rausch, der auch in schwierigen Situation stets hinter den Studenten stand.

Mit der Zeit an der Städelschule hat sich auch das Verständnis des Sammlerpaars für Kunst verändert: "Heute habe ich einen unheimlichen Respekt vor Kunst. Ich weiß, wie viel Arbeit und Gedanken hinter einem Werk stecken – ob ich sie immer gut finde, ist eine andere Sache", sagt Hartmut Rausch. Sein persönliches Interesse gilt weniger Computerarbeiten und nur zum Teil der Fotografie, viel mehr interessiert ihn die Malerei: "Ich finde es faszinierend zu sehen, wie auf einer weißen Leinwand eine Idee entsteht." Nie würde er eines seiner Sammlerstücke abgeben wollen. "Das sind alles Unikate, die für mich einen ganz besonderen Wert haben: Sie erinnern mich an die wohl schönste Zeit unseres Lebens", sagt Hartmut Rausch.

Zu seinen liebsten Werken zählt – gerade auch wegen der Geschichte, die dahinter steckt – der Siebdruck "Madonna Mercedes" von Thomas Bayrle. Es zeigt eine Collage aus der Abbildung eines Mercedes, die der Künstler so fotokopiert und gespiegelt hat, dass sie das Madonnenbild formt. "Das Bild stand damals über Monate verpackt im Flur der Städelschule, bis ich Thomas Bayrle angerufen habe, um zu fragen, was ich damit machen soll. Er sagte, wenn das da steht, dann ist das für dich – ich schenk es dir." Und genau diese Zufälle und Freundschaftsdienste sind es, auf denen die Sammlung Rausch basiert und die sie so unglaublich vielfältig und einzigartig macht.

Sammlung Rausch

Termin: bis 12. Dezember 2010 in der Galerie "Polarraum für Kunst der Gegenwart" in Hamburg
http://www.polarraum.de/
polarraum@gmx.net

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