Radar

Susanne Pfeffer

Susanne Pfeffer über Aurélien Froment
Still aus Aurélien Froments Film "Théâtre de poche", 2007 (Courtesy Motive Gallery, Amsterdam)

SUSANNE PFEFFER ÜBER AURÉLIEN FROMENT

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Galeristen, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Die Kuratorin der Berliner Kunst-Werke, Susanne Pfeffer, über den französischen Künstler Aurélien Froment.
// SUSANNE PFEFFER

Aurélien Froment lässt in seinem Film "Théâtre de poche" (2007) einen Magier den Betrachter auf zweierlei Weisen verzaubern. Nach und nach verwandelt er den ihn umgebenden schwarzen Raum allmählich in einen Illusionsraum. Wie aus dem Nichts zaubert er Fotografien, Spiel- und Postkarten mit Motiven aus Kunst- und Kulturgeschichte, Alltag, Natur und Design hervor und heftet sie an imaginäre Wände.

Sein zweiter Kunstgriff offenbart sich zunächst unmerklich. Die erzauberten Motive ordnet er scheinbar zufällig an und reiht so eine Bilderkette aneinander, die wiederum einen ganz eigenen Film im Kopf des Betrachters entstehen lässt. Rein bildassoziativ folgt dem schiefen Turm von Pisa die Windmühle des Moulin Rouges, dieser eine Wassermühle, schließlich erscheint das Foto eines Wasserfalls.

Schnell erschließen sich dem Betrachter Gruppierungen und Zuweisungen. Froments Film "Théâtre de poche" lässt an den Kunsthistoriker und vielleicht auch ersten Bildwissenschaftler Aby Warburg und seinen berühmten Bilderatlas Mnemosyne denken. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sammelte Warburg Bilder aus unterschiedlichsten Zusammenhängen, befestigte sie auf schwarzen, stoffbespannten Rahmen, um sie dort zu Motiven und Themen immer wieder neu zu sortieren, neu anzuordnen und neu zu denken.

Gleich der Magie, die sich zur Erzeugung verblüffender Illusionen meist einer Vielzahl physikalischer, psychologischer und optischer Hilfsmittel sowie Tricks bedient, so vielschichtig und bedeutsam sind auch die Bezüge, die Froment in seinem Werk aufruft. Auf subtile Weise wird so die Diskrepanz von Zeichen und Bedeutung augenfällig. Zugleich aber zeugen sie, trotz aller Raffinesse, doch von Einfachheit und geistreichem Humor.

Aurélien Froment, geboren 1976 in Angers, Frankreich; lebt und arbeitet in Paris.

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