Das Ende der Belle Époque - Bookmarks

Licht und Schatten

Die umfangreichste Ausstellung in der Geschichte des Bröhan-Museums in Berlin reiht sich in die Flut der (kunst)historischen Schauen, die zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges zu sehen sind. Sowohl der Katalog wie auch die Ausstellung "1914 – Das Ende der Belle Époque" thematisieren jedoch nicht den Krieg direkt, sondern die Stimmung, die Problemlagen und Lösungansätze in Kunst und Alltag in den 20 Jahren vor Ausbruch der Kämpfe.
Vor der Katastrophe:Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg

Seite 67 aus G. Wendel: Wie verhüten wir das Verblühen der Frauen. Eine Schönheitslehre in fünf Kapiteln, Berlin 1906

Was ist drin?

Der Katalog zeigt eine Vielzahl an zeitgenössischen Fotografien von hohem dokumentarischen und ästhtetischen Wert, sowie Abbildungen von Gemälden, Plastiken, Gebrauchs- und Kunstgrafik, Möbel und Dekor. Von A wie Akt bis Z wie Zeitschrift werden zahlreiche Aspekte der Kunst des Jugendstils, des Art Deco und anderer bedeutender Strömungen der Zeit vorgestellt.

Was ist die These?

Die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Spannungen und Widersprüche, die Wegbereiter und -begleiter in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges waren, spiegelten sich in der Kunst und der Alltagsästhetik der Belle Époque.

Die schönste Seite?

Seite 65: Gesichtsgymnastik aus der Schönheitslehre "Wie verhüten wir das Verblühen der Frauen" von 1906.

Der Autor?

Herausgeber und Autor ist Tobias Hoffmann, der seit Februar 2013 als Direktor das Bröhan-Museum leitet. Der 1970 in München geborene Kunsthistoriker führte zuvor das Museum für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt.

Das Zitat

"Die Viefalt und Radikalität, mit der um 1900 die alten Konzepte von Mensch und Gesellschaft neu durchdacht wurden, überraschen bis heute. Obwohl viele der Bewegungen rückwärtsgewandt und von völkischen Gedankengut durchtränkt waren, erscheinen sie in ihren abgewandelten modernisierten Formen aktueller denn je." (S.66)

Wer braucht das?

Alle, die sich einen breiten Überblick über angewandte und bildende Kunst verschaffen wollen und dabei gleichermaßen an sozialer Frage und Märchen, an Funktion und Ornament, Licht und Schatten der Belle Époque interessiert sind.

Das gefällt

Typografie, Darstellungen von Tanz, geschwungene Möbelformen, Plakate von Autos und Aufnahmen von Fabriken vermitteln die Dynamik und das Tempo jener Jahre.

Was ätzt die Kritikerin?

Wer rauschenden Luxus, Glanz und Pracht der Zeit um 1900 erwartet, könnte enttäuscht werden.

Coffee-Tabel-Faktor?

3 (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände"). Das Titelbild zeigt eine in Biskuitporzellan modellierte tanzende Schöne, um deren Gestalt sich der schwungvoller Schriftzug "Belle Époque" legt. Der weiße Grund mit schwarzer Schrift ist als Gegenstück zum Ausstellungsplakat gedacht (schwarzer Grund, helle Schrift), doch für einen Band, der häufiger in die Hand genommen wird, nicht sehr praktisch. Fingerabbdrücke lassen sich da kaum vermeiden.

Gewicht?

Zurückhaltende 625 Gramm.

"1914 – Das Ende der Belle Èpoque"

Hoffmann, Tobias (Hrsg.): "1914 - Das Ende der Belle Époque", Wienand Verlag, 128 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Preis: 25 Euro im Museum, 28 Euro im Buchhandel

Ausstellung bis 31. August im Börhan Museum, Berlin
http://www.broehan-museum.de/index_1.html

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