Yellow Cabs mit Kunst - New York

Von Taxidächern strahlen Kunstwerke

Die Werbeboxen auf 480 New Yorker Yellow Cabs dienen im Januar nicht dem Kommerz, sondern der Kunst.
Ungewöhnliche Aktion:Yellow Cabs in New York werben für Kunst

Alex Katz, Yoko Ono und Shirin Neshat – alle drei leben in New York - präsentieren ihre Kunst auf Taxidächern

Üblicherweise werben große Bekleidungsketten für den Sonderverkauf oder Rapper Diddy stellt seinen neuen Wodka auf den Leuchtkästen vor, die geschäftstüchtige Unternehmen auf die Dächer der New Yorker Taxen montieren ließen. Diesen Monat aber wurde den New Yorkern ein kleines Geschenk gemacht. "Show Media", ein in Las Vegas ansässiges Unternehmen, das die Hälfte der Werbeboxen auf den Yellow Cabs betreibt, beschloss, im Januar Kunst statt Kommerz von den Dächern strahlen zu lassen.

Der Januar gilt traditionell als der Monat, in dem nur wenige Touristen die Stadt bevölkern und im dem alles einen Takt langsamer läuft. Da könne man 100 000 Dollar an geschäftlichen Einbußen schon mal wegstecken, erklärte John Amato, einer der Chefs von "Show Media". Sein 1998 gegründetes Unternehmen zählt laut dem Wirtschaftsblatt "Inc." mit jährlichen Einnahmen von 5,1 Millionen Dollar (2008) zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der USA. Doch John Amato ist nicht nur erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch Kunstliebhaber. Er setzte sich mit der New Yorker Non-Profit-Organisation Art Production Fund in Verbindung, die Kunst-Events organisiert, und ließ sich geeignete Kandidaten für die Aktion vorschlagen. Die Wahl fiel auf den Maler Alex Katz, auf Yoko Ono und Shirin Neshat – alle drei leben in New York.

Alex Katz entschied sich für zwei Porträts, die er kürzlich gemalt hat, und lässt seine beiden Modelle in unterschiedlicher Richtung von den Taxen herab blicken. Shirin Neshat hatte die vielen aus Pakistan oder aus Afrika stammenden Fahrer im Hinterkopf, die New Yorks Cabs Tag und Nacht durch die Straßen steuern, und wählte ein Bild von zwei Händen aus. Als Zeichen von Einheit und Solidarität sind sie zum Handschlag vereint. Auf der anderen Seite der Leuchtkästen ist das Auge einer Frau zu sehen, das Shirin Neshat auf Persisch mit der Zeile aus einem Gedicht der iranischen Poetin Forough Farrokhzad versah.

Friedensbotschafterin Yoko Ono setzte auf den hoffnungsvollen Slogan "War Is Over", den sie Ende der sechziger Jahre gemeinsam mit John Lennon um die Welt getragen hatte. Sie ließ den Satz auf Englisch und in Zeichensprache auf die Werbeboxen montieren. Der 76-jährigen Künstlerin gefällt, dass ihre Botschaft per Taxi "ständig in Bewegung ist".

Obwohl jeder der drei Künstler 160 Wagen verschönern durfte, sind bei einer Flotte von 10 000 New Yorker Taxen nur 480 Kunst-Cabs im Einsatz. Dennoch schätzt der Art Production Fund, dass die Aktion zum Jahresauftakt von mehr als fünf Millionen New Yorkern pro Tag gesehen wird.

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