Nicolas Poussin – ein französischer Meister

Der Glaube rückt ins Zentrum

Er gilt als einer der größten Meister der französischen Malerei: Nicolas Poussin. Doch die religiöse Seite seiner Kunst ist wenig erforscht. Eine Pariser Ausstellung zeigt den Meister nicht als kühlen Bildstrategen, sondern als glühenden Verfechter religiöser Werte.
Poussin, Mariä Himmelfahrt

Nicolas Poussin: "Mariä Himmelfahrt", Öl auf Leinwand, 1630

Bis heute gilt er als Inbegriff französischer Eleganz und konzeptueller Malerei, und doch ist sein Werk nicht völlig erschlossen. Zum 350. Todestag von Nicolas Poussin, dem wichtigsten Maler im Frankreich des 17. Jahrhunderts, stellt der Pariser Louvre in einer großen Übersichtsschau mit rund 100 Werken den bisher am wenigsten erforschten Themenkreis seines Gesamtwerks vor: die religiösen Bilder.

Gezeigt werden soll, dass der 1594 in der Normandie geborene Meister des klassizistischen Barocks seine Bilder nicht ausschließlich, wie bisher oft behauptet, mit kühler analytischer Distanz und durchdachtem Bildaufbau komponierte, sondern sich auch von christlichen Werten und Gefühlen leiten ließ. Dies gilt vor allem für seine späten Jahre in Rom, als Poussin allein, ohne Assistenten oder Schüler im Atelier arbeitend, in seinen Werken immer wieder biblische Themen aufgriff und dabei auch mystische Töne anschlug.

Obwohl Frankreichs Herrscher Ludwig XIII. ihn verehrte und auch der mächtigste Mann im Staat, Kardinal Richelieu, ihn schätzte, hatte sich der Einzelgänger Poussin schon 1624 nach Rom zurückgezogen, um nicht in die Intrigen des Hofes verstrickt zu werden. Hier im Herzen der katholischen Welt gab der Vatikan den Ton an. Und der setzte als Gegenmittel
zur Bilderskepsis der Reform zunehmend auf die Kunst, um angeblich verlorene Seelen zurückzugewinnen. Auch Poussin blieb davon nicht unbeeinflusst. Zwar griff er weiter auf seine hochgeschätzten antiken Elemente zurück, doch arbeitete er diese in biblische Erzählungen ein, etwa in Christus-Darstellungen und in Bilder der Heiligen Familie.

Anders als die meisten offiziellen Maler des Vatikans beschränkte Poussin sich bei religiösen Motiven aber nicht nur auf die Darstellung traditioneller Schlüsselszenen, sondern zeigte die Protagonisten auch in alltäglichen Situationen. Dabei wechselte er souverän zwischen kleineren und großen Formaten: So eröffnet mit "La Mort de la Vierge", ursprünglich für die Kirche Notre-Dame gemalt, jedoch über 200 Jahre verschollen und erst 1999 in Belgien wieder aufgetaucht, ein monumentales Format den Bilderreigen des Louvre. Auch viele Landschaftsbilder Poussins sind ab 1640 vermehrt von religiösem Impetus geprägt. Die Natur spiegelt hier ausdrücklich die christliche Ordnung der Welt wider.

Poussin und Gott

Die Ausstellung ist im Pariser Louvre bis zum 29. Juni 2015 zu sehen.
http://www.louvre.fr/expositions/poussin-et-dieu

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