Biennale - Venedig

Biennale der Outsider

Die kommende Biennale wird nicht nur gespannt erwartet, sondern muss auch vielen Erwartungen gerecht werden. Mit dem Versuch, dem Besucher die innere Welt des Künstlers näher zu bringen, dem ideellen "Palazzo Enciclopedico" sowie einer Schau von Cindy Sherman könnte dies gelingen.
Der enzyklopädische Palast:Konzept der 55. Biennale in Venedig

Massimiliano Gioni bei der Pressekonferenz in Rom

Was sehen Künstler, wenn sie die Augen schließen? "Die 55. Venedig Biennale will vorführen, woher Künstler ihre Inspirationen nehmen und wie die Wahrnehmung von Bildern funktioniert", versprach Biennale-Präsident Paolo Baratta gestern auf der Pressekonferenz in Rom.

Für ihn ist die kommende Biennale ein "Forschungsprojekt" und ein "wichtiger Schritt voran in der Geschichte der Biennale". Die Kosten dafür belaufen sich auf 13 Millionen Euro, von denen Baratta 11,9 Millionen Euro selbst erwirtschaften will. Direktor Massimiliano Gioni stellte seine große Biennale-Ausstellung vor, die unter dem Motto "Il Palazzo Enciclopedico (Der enzyklopädische Palast)" steht.

Der 39-jährige und bisher jüngste Biennaleleiter, der zum Kuratorenteam des New Museum of Contemporary Art in New York gehört, hat den Titel seiner Schau von einem utopischen Projekt des Italo-Amerikaners Marino Auriti entliehen. Auriti baute in den fünfziger Jahren das fünf Meter hohe Modell eines riesigen Museums, in dem das gesamte Wissen der Menschheit, vom Rad bis zum Satelliten, aufgehoben werden sollte. Gioni will diesen "Palazzo Enciclopedico", den er im Folk Art Museum in New York entdeckte, auf der Biennale in den Mittelpunkt stellen. "Ich habe meine Ausstellung wie ein Museum auf Zeit konzipiert", sagt er, "ich träume von einem universellen und totalen Wissen." Von den 150 Künstlern, die Gioni ausgewählt hat, sind 40 nicht mehr am Leben. Die ältesten Exponate sind vor mehr als 100 Jahren entstanden, wie das legendäre "Rote Buch" von C.G. Jung, ein Tagebuch, gestaltet wie eine mittelalterliche illuminierte Handschrift, in dem der Analytiker Träume und Visionen des kollektiven Unbewussten festhielt.

"Auf der Biennale müssen ja nicht unbedingt neue Künstler entdeckt werden", sagt Gioni. Er wird dagegen neben einigen wenigen etablierten Künstlern wie Carl André oder Maria Lassnig vor allem Werke von "Outsidern" wie die bizarren Bilder von Friedrich Schröder-Sonnenstern oder James Castles selbstgefertigte Puppen zeigen. Cindy Sherman wird dagegen eine eigene Schau von 30 Künstlern, unter ihnen Carol Rama und Hans Bellmer, einrichten.

An den Länderausstellungen nehmen 88 Nationen teil. Neu dabei sind diesmal Angola, die Bahamas, das Königreich Bahrain – das seine Teilnahme an der vorausgehenden Biennale wegen der politischen Lage im Land hatte absagen müssen –, Elfenbeinküste, Republik Kosovo, Kuwait, Paraguay, der Vatikan und die beiden Inselstaaten der Malediven und Tuvalu, an deren Gefährdung durch den steigenden Meeresspiegel Präsident Baratta besorgt erinnerte.

La Biennale di Venezia

1. Juni bis 24. November,
Venedig
http://www.labiennale.org/en/Home.html