Kraftwerk - München

Legenden Live

Animationen in 3D und roboterähnliche Musiker: Kraftwerk spielen nicht nur ein Konzert in München, sondern sind auch im Lenbachhaus zu sehen.

"Wir sind die Roboter", behaupten die vier Männer in den roten Hemden mit starrem Gesichtsausdruck. Im Rhythmus der elektronischen Musik bewegen sie sich steif wie Puppen auf einem Fließband. Es sind die vier Musiker von Kraftwerk, einer deutschen Band, die 1970 gegründet wurde.

Als Hybriden zwischen Mensch und Maschine revolutionierten sie mit ihren elektronischen Klängen die Musik. So gilt Kraftwerk heute als Vorreiter zahlreicher Musikrichtungen, wie Techno, Hip-Hop, House, Electro und Synthie Pop. Ihre Konzertauftritte inszenieren sie als multimediales Gesamtkunstwerk. Deshalb waren sie auch schon im Rahmen der Biennale in Venedig 2005 zu einem Event eingeladen. Dort hat sie Matthias Mühling gesehen, der heute Sammlungsleiter und Kurator am Lenbachhaus ist. Der Auftritt begeisterte ihn so, dass er den Wunsch hatte, sie in einer Ausstellung zu zeigen. Mit dem interdisziplinären Projekt "Kraftwerk. 3-D Video-Installation" hat er diese Idee im Kunstbau im Lenbachhaus realisiert.

Im Zentrum stehen drei großformatige Projektionsflächen, auf denen Adaptionen der 3-D-Videos zu der Musik von Kraftwerk zu sehen sind, die normalerweise als Hintergrund zu ihren Konzerten laufen. Wie auch sonst bei 3-D-Animationen ist das Publikum fasziniert von Technik. Erwachsene Männer strecken ungläubig wie kleine Jungs die Hände nach den Puppenmenschen aus, die sich auf sie zu bewegen. Andere Besucher wandern verzaubert durch den Wald aus herumfliegenden Zahlen und Buchstaben wie Alice im Wunderland. Dabei lotet Kraftwerk nicht einmal die technischen Möglichkeiten aktueller 3-D-Animationen aus, wie sie sonst im Kino zu sehen sind. Vielmehr orientieren sie sich an einer Art Retro-Design, das auf die Anfänge des Computerzeitalters verweist.

Das macht Sinn, weil die Musik auch aus dieser Zeit stammt und die Musiker als Visionäre erscheinen lässt. In der Tat sind viele der Themen, die sie in den siebziger und achtziger Jahren in ihren Songs behandelt haben, aktuell wie nie zuvor. So reihen sich bei dem Stück "Radioaktivität" die Worte Tschernobyl, Sellafield, Harrisburgh, und Hiroshima so rhythmisch aneinander, dass man verlockt ist die Reihe mit Fukushima weiter fortzusetzen. Trotz aller Begeisterung für die Musik, der minimalen Ästhetik, den Anklängen an Filme wie "Metropolis" oder die Entwürfe der Konstruktivisten erscheint die Präsentation im Kunstbau merkwürdig blutleer.

Was der Ausstellung im Kunstbau fehlt, konnte man auf den zwei Konzerten erleben, die Kraftwerk an den Eröffnungstagen in München gegeben haben. In schwarz glänzenden, eng anliegenden Overalls treten die Musiker im Alten Kongresssaal auf die Bühne und hämmern sich mit ihren elektronischen Beats als Mensch-Maschine in die Köpfe der Zuschauer. Das zumeist ältere Publikum johlt begeistert, wenn sie ihre bekannten Songs wie "Das Model", "Autobahn" und "Trans Europa Express" spielen. Über ihren Köpfen fliegen die Wörter, Zahlen und Töne zum greifen nah. Eng zusammengedrängt erlebt das Publikum mit den 3-D-Brillen auf der Nase in der Gemeinschaft die Inszenierung der Mensch-Machine Kraftwerk als ein visionäres Gesamtkunstwerk. Krönender Abschluss des Abends ist das Lied "Music non stop", mit dem sich die Band von dem Münchner Publikum verabschiedet: "Es wird immer weiter gehen", singt Ralf Hütter, einer der Begründer von Kraftwerk: "Musik als Träger von Ideen."

Kraftwerk. 3-D Video-Installation

Kunstbau Lenbachhaus, 15. Oktober – 13. November 2011
Zur Ausstellung erscheint eine neue Publikation von Kraftwerk: Kraftwerk 3-D, Kling Klang Produkt 2011 für 39,80 €.