Tacita Dean - London

Millimeterarbeit

Zum 12. Mal darf ein Künstler die gewaltige ehemalige Turbinenhalle der Tate Modern bespielen. Nach Künstlern wie Louise Bourgeois, Bruce Naumann und Olafur Eliasson ist in diesem Jahr die in Berlin ansässige Engländerin Tacita Dean an der Reihe.

Die riesige Eingangshalle der Tate Modern ist in tiefe Dunkelheit gehüllt. Am Ostende leuchtet es, fast wie ein farbiges Kirchenfenster erhebt sich eine Filmleinwand, nicht horizontal, sondern vetikal. An den beiden Längsseiten Filmtransportlöcher, als blicke man auf eine überdimensionale Filmrolle. Die vorbeiziehenden Bilder sind farbig und schwarz-weiß, abstrakt und gegenständlich, erinnern an die Kunst der Surrealisten oder Piet Mondrians, werden manchmal eins mit der Rückwand der Turbinenhalle. Bilder aus früheren Arbeiten der Künstlerin ziehen vorbei, Blitze am Himmel, Bäume, eine Meerlandschaft. Dazwischen immer wieder Farbflächen. Ein filmisches Gedicht.

Die Arbeit der 1965 in Canterbury geborenen Künstlerin trägt den lapidaren Titel "Film" und ist ein Akt der Trauer, aber auch ein vom Herzen kommender Aufruf, etwas zu retten, was wohl nicht mehr zu retten ist: 16 Millimeter und 35 Millimeter-Film, mit dem sie ausschließlich arbeitet. Das traditionelle Medium wird rapide von der digitalen Technik verdrängt. Deans Labor im Londoner Filmland Soho, wo sie schon immer ihre Filme entwickeln und bearbeiten ließ, wird wohl trotz einer von ihr gestarteten Rettungskampagne bald schließen, die Zahl der noch bestehenden Labors auf der ganzen Welt schwindet dramatisch. Auch wird Filmmaterial bald wohl nicht mehr hergestellt. "Wie lange haben wir noch?", fragt sie, "vielleicht ein Jahr. So kritisch ist es."
Um das Staunen des Publikums in der Früh- und Blütezeit des Kinos hervorzurufen, bedient sie sich ausschließlich der dem Medium zur Verfügung stehenden Mittel, die im Zeitalter von Digitalkameras und digitalem Schnitt beinahe vorsintflutlich anmuten, wie Doppelbelichtung. Außerdem hat sie den gesamten Film eigenhändig selbst geschnitten. Nicht dass sie etwas gegen digitalen Film hätte, sagt sie. "Ich möchte nur weiter die Möglichkeit haben, mit analogem Film zu arbeiten, und das werde ich wohl nicht." Wenn es soweit ist, meint sie, könnte es sein, dass sie zur Ölmalerei zurückkehrt, oder einen Roman schreibt.

The Unilever Series: Tacita Dean

Termin: bis 11. März 2012. Turbine Hall, Tate Modern
http://www.tate.org.uk

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