Mike Kelley - Amsterdam

Künstler, um Versager zu sein

Das Amsterdamer Stedelijk Museum präsentiert mit 200 Werken die erste große Werkschau von Mike Kelley seit zwei Jahrzehnten – ein knappes Jahr nach dem Selbstmord des Künstlers.

Enorm war der Druck, der auf ihm lastete. Die Ausstellung im neu eröffneten Stedelijk Museum ist Mike Kelleys bislang größte Werkschau.

Obendrein war geplant, dass die Öltanks der Tate Modern mit einer Kelley-Installation eröffnen sollten. Im Januar 2012 nahm sich der Künstler in seinem Haus in South Pasadena mit 57 Jahren das Leben. Bei der Planung seines Freitods und der Nachlassverwaltung ging Kelley ebenso akribisch wie bei seiner Arbeit vor. Dem Magazin "Artillery" aus Los Angeles hatte der Künstler kurz vor seinem Tod erzählt: "Ich werde aufhören, Kunst zu machen. Ich durchlebe eine schwierige Zeit … Ich brauche nicht noch mehr Kunst-Welt-Quatsch, um mein Leben schwierig zu machen. Seit vielen Jahren arbeite ich unterbrochen, jetzt bin ich erschöpft."

Die Nachricht von Kelleys Tod traf die Kunstwelt unerwartet und hart. Kelley, der 2000 von seiner Galerie Metro Pictures in den Großbetrieb Gagosian gewechselt war, gilt als einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart. Eine Heldenfigur in Los Angeles.

Im Stedelijk Museum übernahm Direktorin Ann Goldstein die Ausstellung, die zuvor als Gastkuratorin die Kunsthistorikerin Eva Meyer-Hermann konzipiert hatte. Die Ausstellung "Mike Kelley" wird von Amsterdam aus durch Stationen in Europa und US-Amerika ziehen. Die chronologisch angelegte Werkschau umfasst über 200 Arbeiten aus allen Themenbereichen seines Gesamtwerks.
Eines von Kelleys Themen war seine Kindheit in Detroit als isolierter Sonderling in einem katholischen, prüden Umfeld und einem Elternhaus aus der Unterschicht, das ihn nicht verstand.

Verdrängte Erinnerungen oder Angstfantasien hatte er immer wieder als große Trash-Oper inszeniert. Die Kunst scheint aus Kelley den Einzelgänger gemacht zu haben, als den er sich immer empfunden hat. "Kunst ist eine undurchsichtige poetische Praxis, die nur wenige Menschen verstehen. Alle anderen benutzen sie für ihre Projektionen, oder sie sind am Lifestyle interessiert", sagte Kelley in einem seiner letzten Interviews (art 10/2011). "Ich wurde Künstler, um ein Versager sein zu können."

Mike Kelley

Amsterdam, Stedelijk Museum
bis 1.4.
Der Katalog erscheint im Prestel Verlag, 49,95 Euro

Weitere Stationen: Paris, Centre Pompidou, 2. Mai bis 5. August; New York, MoMA PS1, 7. Oktober bis 5. Januar 2014; Los Angeles, MOCA, März bis Juni 2014
http://www.stedelijk.nl/en/40051/exhibition-mike-kelley