Kunst und Mode - Interview

Eine Welt zwischen Laufsteg und Museum

Chris Rellas collagiert Kunstklassiker mit zeitgenössischer Mode. Beim "Letzten Abendmahl" von Juan de Juanes bekommt Jesus ein Hermes-Portemonnaie in die Hand gedrückt, und die "Dame mit dem Hermelin" von Leonardo trägt diese Saison Saint Laurent. Im art-Interview erklärt er, warum für ihn Mode und Kunst zusammengehören und verrät uns sein Lieblingsmotiv.

Zeitgenössische Mode und Kunstklassiker – wie kommt man auf diese Kombination?

Für mich war schon immer klar: Mode und Kunst sind miteinander verbunden.

Eines Tages sah ich dann Vermeers "Mädchen mit dem Perlohrring" und dachte sofort: Der Ohrring hätte von Chanel sein sollen. Den Rest kennen Sie.



Sie nehmen zwei Elemente die bereits existieren und kreieren daraus etwas Neues. Verstehen Sie sich demnach als Künstler, oder als jemand der Kunst in Mode und Mode in Kunst übersetzt?

Noch nie habe ich mich als Künstler bezeichnet, aber es scheint, einige Leute nennen mich jetzt so. Mir ist es ehrlich gesagt egal – ich habe einfach Spaß an einem coolen Projekt zu arbeiten.



Was ist Ihre Lieblingskreation?

Kim Jong-il in Prada! Das war die erste Collage, die mich am Ende vollkommen zufrieden stellte.



In Leonardos "Dame mit dem Hermelin" verwenden Sie einen riesigen Hut von Saint Laurent. Warum haben Sie sich dazu entschieden, das Gesicht der Dame zu verdecken?

Hedi Slimane liebt das Mysteriöse und Androgyne. Über ihn könnte ich Tage sprechen, denn ich versuche an seinen Sinn von Ästhetik heranzukommen. Er liebt es mit Schatten zu spielen und liefert am Ende immer diese wahnsinnigen Saint-Laurent-Kollektionen. Ich kann einfach nicht aufhören sie anzuschauen. Als er diese überdimensionalen Hüte präsentiert hat, liefen alle seine Models mit einem Schatten im Gesicht über den Laufsteg. Genau das wollte ich aufgreifen – ich liebe subtile und trotzdem so wichtige Details.




Haben Sie jemals Ärger dafür bekommen, ein Meisterwerk zu verändern?

Abgesehen von gemeinen Kommentaren der Kunstsnobs hier und da, sprechen mir die meisten Menschen gut zu, was echt schön ist. Wenn es darum geht das Gesetz zu brechen, glaube ich nicht, dass ich ein Verbrechen begangen habe. Wiederaneignung und Adaption gibt es schon seit Ewigkeiten.




In Juan de Juanes' Gemälde "Das letzte Abendmahl" geben Sie Jesus ein Hermes-Portemonnaie in die Hand. Kann das als Kritik an der heutigen Gesellschaft verstanden werden?

Persönlich glaube ich, das Gemälde hat für wahnsinnig viele Menschen eine so tiefgreifende Bedeutung – da möchte ich niemandem zu nahe treten oder beleidigen. Aber ich glaube es ist interessant, wie man durch ein kleines Detail das ganze Werk vollständig verändern kann. Jetzt, mit dem Hermes-Portemonnaie, geht es nicht mehr um das Abendmahl. Plötzlich bekommt es eine ganz neue Bedeutung.




Warum beleidigen Sie alte Meister indem Sie ihre Werke mit Chanel und Louis Vuitton degradieren?

Es geht nicht darum jemanden zu beleidigen. Es geht darum, zwei Welten zusammenzubringen. Und das natürlich mit einer gewissen Portion Humor. Immerhin: Gemälde, Handtaschen, es sind alles Konsumgüter.




Sie verwenden für ihre Arbeiten ausschließlich Kreationen teurer Designer. Würden Ihre Collagen auch mit Marken wie H&M oder Zara funktionieren?

Ich bin ein großer Fan von Nasty Gal und habe deren Produkte ein paar mal verwendet. Deshalb denke ich, dass auch H&M und Zara eine gute Wirkung hätten. Aber ich kenne mich mit diesen Marken nicht so gut aus. Meine wahren Träume werden erst dann Wirklichkeit, wenn ich sie auf dem Laufsteg sehe.

Chris Rellas Instagram Profil


http://instagram.com/copylab

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