Banksy - New York

Get Banksy!

Schwieriges Terrain betritt der Graffiti-Künstler Banksy dieser Tage in New York: Neben feindlichen Kollegen versuchen hetzende New Yorker, die Identität des berühmten Graffiti-Helden aufzudecken, der dort mit seinen Aktionen "Kunst ohne Preisschild" machen will.
Auf der Jagd:Graffiti-Künstler Banksy in New York

"Graffiti is a Crime" zeigt das Schild aus Banskys Auftakt-Bild aus New York. Innerhalb von 24 Stunden war das Schild geklaut und die Arbeit ausradiert

Die New Yorker Banksy-Produktion läuft weiter. Tag für Tag hält die Truppe des Graffiti-Künstlers die New Yorker und die Medien auf Trab.

Es wird so viel fotografiert, dass kaum einer noch richtig hinguckt. Als Banksy überraschend einige seiner berühmten Motive für 60 Dollar an einem Straßenstand am Central Park verschleuderte, bekam es bis auf eine New Yorkerin, die zwei Bilder für ihr Kinderzimmer kaufte und den Preis um die Hälfte herunterhandelte, und ein paar Touristen keiner mit.

Seitdem sucht man in Chicago nach einem jungen Mann, der wie ein typischer amerikanischer College Boy aussieht, und vier Banksys nach Hause nach Chicago trug, um, so erzählt uns jedenfalls das Video des Banksy-Teams, sein neues Haus zu dekorieren. Ob der Käufer ahnte, dass er einen großen Künstlernamen zum Spottpreis ergattert hatte, weiß keiner.

Und natürlich sucht man Banksy: "Get Banksy!" hetzte die New York Post auf der Titelseite und behauptete, dass die Polizei den Vandalen jagt. New Yorks Bürgermeister Bloomberg, sonst ein Fan großer Kunst, wenn sie Besucher und Dollars in die Stadt bringt, zeigte sich wenig begeistert von Banksys für einen Monat angekündigten New-York-Besuch. Die Stadtverwaltung rückte mit Wasserdruckreiniger und Chemikalien an, um Banksys Hommage an die Twin Towers zu beseitigen. Heimische Tagger verhalten sich ebenfalls alles andere als gastfreundlich und verunstalteten Banksys Graffitis bereits Stunden nachdem sie aufgetaucht waren. In einem Fall kam es sogar zu Handgreiflichkeiten. Banksy-Fans stoppten einen Tagger, der dabei war, ein Banksy-Graffiti in Brooklyn mit schwarzer Sprayfarbe auszulöschen. Anschließend beseitigten Fans die Schmierereien und brachten das Bild der beiden Geishas liebevoll wieder in seinen Originalzustand. In einem seiner seltenen Interviews, das Banksy per Email der New Yorker Stadtzeitschrift und Institution "Village Voice", gab, sagte der Künstler: "Früher dachte ich, dass andere Graffitikünstler mich hassten, weil ich mit Schablonen arbeitete, aber sie hassen mich ganz einfach grundsätzlich."

New York beweist sich nicht nur auf Grund der feindlichen Kollegen als schwieriges Terrain für tägliche Kunstaktionen. Orte, die der Künstler bei einem früheren Trip in die Stadt für Aktionen ausgekundschaftet hatte, sind in der Immobilien-Boomtown längst zu Baustellen geworden, auf denen neue Eigentumswohnungen entstehen. Selbst manche Fans bereiten Probleme, denn sie versuchen, die Identität des berühmten Graffiti-Helden aufzudecken. Da gab es zum Beispiel das Foto, dass jemand vor einer alten Fabrikhalle im Brooklyner Stadtteil Red Hook geschossen hatte. Es zeigt zwei Männer auf dem Dach eines Lastwagens, die damit beschäftigt sind, eine große Plane zu entfernen. Einer der beiden soll mit einem britischen oder irischen Akzent gesprochen haben. Sehr verdächtig. Oder das Foto von dem schlanken Mann mit der Schiebermütze (sehr britisch), das Telefon am Ohr und eine Tasche quer über der Brust, der damit beschäftigt war, eine Garten-Installation in einem Truck zu reparieren und als Banksy ausgemacht wurde.

Über seinen New-York-Monat sagte der Künstler in dem Interview mit der "Village Voice": "Es gibt keinen Grund, warum ich diese Show mache. Ich weiß, dass sich Street Art immer mehr wie die Marketing-Seitenkulisse einer Kunst-Karriere anfühlen kann. Also wollte ich Kunst ohne Preisschild machen. Es gibt keine Ausstellung in einer Galerie, keinen Film. Es ist eine nutzlose Aktion. Was hoffentlich etwas bedeutet."

Sirens of the lambs

Seine New-York-Tour begann am 1. Oktober mit dem Schablonen-Bild von zwei Jungs im altmodischen Look der Zeitungsausträger, die nach einer Spraydose in einem Warnschild mit den Worten "Graffiti is a Crime" greifen. Innerhalb von 24 Stunden war das Schild geklaut und die Arbeit ausradiert. Seitdem lieferte Banksy die für ihn typische Markenware und zum großen Teil nicht besonders aufregende Graffiti, aber dafür clevere Aktionen, die an seinen genialen Tier-Laden im West Village in 2008 erinnern: Ein Lastwagen voller jammernder, kreischender Plüschtiere auf dem Weg zum Schlachthof rollt durch Manhattan. Einen anderen Lastwagen füllte er mit einem paradiesischen Garten samt Schmetterlingen. Einer Ronald-McDonald-Figur mit herrischem Gesicht wurden auf der Straße die Schuhe geputzt. Und auf einem leeren Grundstück im Galerienviertel von Chelsea ließ Banksy eine Bank aufstellen und billigen Wein ausschenken, damit die Besucher eine Gemeinschaftsarbeit, eine Hommage an die Occupy-Bewegung, mit den brasilianischen Street Artists Os Gêmeos genießen konnten.

"There's no such thing as good publicity" schrieb Banksy vor ein paar Jahren in SoHo an eine riesige Häuserwand. Unter dem Schriftzug übermalte eine struppige Ratte, Banksys New-York-Maskottchen, die Anzeige des konservativen Fernsehsenders "Fox". "Ich habe angefangen, auf der Straße zu malen, weil niemand mir eine Ausstellung geben wollte", schrieb Banksy im Interview. "Jetzt muss ich weiter auf der Straße malen, um mir selbst zu beweisen, dass es kein zynischer Plan war… Aber es lässt sich nicht vermeiden – kommerzieller Erfolg ist für einen Graffiti-Künstler ein Zeichen, dass er versagt hat." Man wird sehen, wie Banksy seinen großen New Yorker PR-Stunt überlebt.

Banksy

Der Künstler postet täglich auf seinem Blog von den New Yorker Aktionen
http://www.banksy.co.uk