Psycho Buildings - Hayward Gallery London

Barocker Brutalismus im Betonklotz

Der Direktor der Londoner Hayward Gallery lässt zehn internationalen Künstlern in seinem Haus freie Hand und kämpft damit gegen das Betonklotz-Image seiner Galerie.
Kunst gegen "barocken Brutalismus":Psycho Buildings im Betonklotz

Rachel Whitereads Installation "Place", zeigt ein Dorf – bestehend aus Puppenhäusern

Die Schau mit dem von einem Buch von Martin Kippenberger geborgten Titel "Psycho Buildings" markiert den 40. Geburtstag der Hayward Gallery. Vielen ist der "barocke Brutalismus", wie Direktor Ralph Rugoff es nennt, des in den sechziger Jahren gebauten Betonklotzes am Südufer der Themse ein Dorn im Auge. Noch mehr ihr Inneres: Galerieräume aus Sichtbeton, die sich der meisten Kunst verweigern. Warum also nicht Künstler einladen, sich in dem ungeliebten Gebäude Gedanken über Architektur zu machen?

Rugoff hat zehn internationalen Künstlern freie Hand gelassen, in seiner Galerie Installationen aufzubauen, die "unser Verhältnis zu den uns umgebenden Räumen neu artikulieren". Das kubanische Duo Los Carpinteros zeigt die Überreste eines in die Luft gesprengten Zimmers, Do Ho Suh katapultiert sein Geburtshaus in Südkorea in einen Wohnblock in Rhode Island, der Brasilianer Ernesto Neto bezeichnet seine Arbeit als "Säugetier-Architektur, nur Haut und Knochen, ohne Füllung", und der Brite Mike Nelson hat eine seiner labyrintischen Raumfolgen gebaut, die er allerdings mit der Axt beinahe wieder niedergerissen hat, als sei ein wildes Tier über sie hergefallen.

Die Schau quillt auch auf die drei Terrassen der Hayward über. Das durchsichtige Gebilde des Argentiniers Tomás Saraceno sieht wie ein riesiges Kissen aus, in das man hineingehen und auf dem man sich niederlegen kann. "Eine schwindelerregende Angelegenheit", nennt es Rugoff. Der Slowene Tobias Putrih stellte ein Kino auf, in dem er Filme über Architektur vorführt. Und das Wiener Kollektiv Gelitin errichtete einen Teich, auf dem die Besucher Boot fahren können.

Höhepunkt der Schau ist Rachel Whitereads Installation "Place", die so gar nicht in den Kanon der britischen Bildhauerin mit ihren Abgüssen von negativem Raum passen will. In einem abgedunkelten Raum erstreckt sich ein Dorf einen Hügel hinauf. Es besteht aus Puppenhäusern. Einfache, grob zusammengezimmerte Vorstadthäuser, keine Gründerzeitvillen mit Türmchen und Erkern. Sie sind von innen beleuchtet, fast geisterhaft glühen ihre Fenster. Hier haben einmal Familien gewohnt, jetzt stehen sie leer.

Seit 20 Jahren sammelt die Künstlerin Puppenhäuser, inzwischen ist ihre Zahl auf mehr als 200 angewachsen. Wie bei allen ihren Arbeiten liegt ein Hauch von Melancholie, von Trauer über ihnen. "Sie sollen ein Gefühl von Verlassenheit vermitteln", sagt sie. Sie passen also doch in ihr Oeuvre.

"Psycho Buildings"

Termin: bis 25. August, Hayward Gallery, London.
http://www.haywardgallery.org.uk

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