Radar

Ulrike Groos

Ulrike Groos über Vanessa Conte
Vanessa Conte, "Infinity knot I", 2006, Pastell auf Papier, 107,5 x 79 cm (Courtesy Van Horn, Düsseldorf)

ULRIKE GROOS ÜBER VANESSA CONTE

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Galeristen, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Die Direktorin der Kunsthalle Düsseldorf, Ulrike Groos, über die US-amerikanische Künstlerin Vanessa Conte.
// ULRIKE GROOS

Was mich beim Anblick von Vanessa Contes Arbeiten in der Galerie Van Horn (Düsseldorf) im Januar des letzten und im Frühjahr dieses Jahres sofort faszinierte und neugierig machte, sind die überraschend neuen und fantastischen Bildwelten, die sich dem Betrachter eröffnen. Auch wenn die Werke Anklänge an surrealistische Gedanken oder an die spontane Geste der informellen Malerei aufweisen: Vanessa Conte verfolgt in ihrer Malerei und ihren Zeichnungen einen ganz eigenen Stil, der sich zwischen realistischer Anmutung und freier motivischen Verknüpfungen bewegt.

Seit 2004 entstehen Kohlezeichnungen auf Papier, die mit ihren dicht verwobenen Strukturen, tiefen Schattenpartien und einer fast altmeisterlichen Sorgfalt eine geheimnisvolle und befremdlich schöne Atmosphäre erzeugen. Die figurativen Formen wecken Assoziationen an Landschaften, Stillleben oder Porträts, wie in "Decoy" (2004, Kohle auf Papier, 56 x 78 cm), ohne je gegenständlich zu sein.

Contes großformatige farbige Kreidebilder und Gouachen zeigen ebenso vieldeutige Formationen, deren organischer Charakter an menschliche Anatomie, Zellkörper oder pflanzliches Geflecht erinnert ("Infinity knot I", 2006, Pastell auf Papier, 107,5 x 79 cm; "Tired lids over tired eyes", 2006, Pastell auf Papier, 107,5 x 79 cm). Die Betonung des Umrisses, die zeichnerische Durchformung und reduzierte Farbigkeit verstärken die auffallend plastische Präsenz der körperhaften Gebilde.

Auch in ihrer neuen Serie von Arbeiten auf Leinwand erforscht Conte die Verbindung zwischen einem inneren Kosmos und einer veränderlichen, sich stetig erneuernden Natur. Biologische Metaphorik und Landschaftsmotive, wie in der Arbeit "Dorothea" (2008, Öl auf Leinwand, 60,5 x 80 cm), werden mit Fantasiegestalten, Körperteilen und -öffnungen zu Bildern verwoben, deren organischer Zusammenhang sich unmittelbar aus dem malerischen Prozess heraus zu entwickeln scheint. Besonders ausdrucksstark zeigt dies "The Witness" (2007, Öl auf Leinwand, 119,5 x 94,7 cm), bei dem die Farben aufs Feinste und Gefühlvollste aufeinander abgestimmt sind und die Formen und Gestalten eine Luftigkeit und Leichtigkeit erhalten, als würden sie dem Bildträger entschweben. In der eigenwilligen Auseinandersetzung mit Körper, Naturbezug und Abgeschiedenheit schaffen Contes Bilder eine dynamische Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt.

Vanessa Conte, geboren 1977 in Tarrytown, NY, USA; Studium an der UCLA in Los Angeles, lebt und arbeitet in Düsseldorf

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