David Hockney - Kunsthalle Würth

Vom Partyboy zum Landschaftsmaler

Junge Burschen im Swimmingpool oder unter der Dusche waren früher sein Markenzeichen. Mit 71 Jahren geht es David Hockney heute etwas ruhiger an: Zurück in seiner Heimat Yorkshire kehrt der Maler dem kalifornischen Sonnenschein auch thematisch den Rücken und wendet sich der Natur im Wechselspiel der Jahreszeiten zu. Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall vereint mit der Ausstellung "Nur Natur" nun die großformatigen Landschaftsgemälde der letzten vier Jahre.
Vom Partyboy zum Landschaftsmaler:David Hockney in der Kunsthalle Würth

Hocnkey designte 1995 auch einen BMW, hier ein Detail der Fahrertüre

Über eines ärgert sich David Hockney noch immer: das strenge Rauchverbot in England. Er ist schließlich passionierter Raucher – und empört sich immer wieder gern darüber, dass das Verbot die persönliche Freiheit einschränke. Dabei kann es ihm eigentlich einerlei sein. Seit 2000 lebt Hockney wieder in seiner Heimat Yorkshire in dem Seebad Bradlington. Ein ruhiger Fleck mit viel karger, weiter Landschaft. In der kann man nicht nur unbehelligt malen, sondern auch hemmungslos rauchen.

David Hockney zog als junger Mann nach Los Angeles und machte sich als Maler junger Burschen im Swimmingpool oder unter der Dusche einen Namen. Inzwischen ist er 71, hört nicht mehr gut und hat eine alte Liebe neu entdeckt: die Natur. Deshalb ist er zurückgekehrt nach Yorkshire und malt nun den Ort, "den ich immer sehr mochte, und Jahreszeiten, die ich längst vergessen hatte". Kalifornien ist von der Sonne verwöhnt. In Yorkshire erlebe man die Jahreszeiten dagegen intensiver und sei das Licht differenzierter.

Seit mehreren Jahren widmet sich Hockney der Natur, er sucht häufig dieselben Orte auf, um den Wechsel der Jahreszeiten zu malen. In der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall wird nun die Produktion der vergangenen vier Jahre gezeigt: Wälder und Felder, Wiesen und Wege. Die Formate sind riesig, oft drei bis vier Meter breit, und immer wurden die Bilder zusammengesetzt aus mehreren Leinwänden. Das sei die Antwort auf technische Schwierigkeiten, sagt Hockney. Große Leinwände müsse man mit einem Lastwagen in die Natur transportieren. Man müsste beim Malen ständig hin- und herlaufen, sagt er, auch das Arbeiten auf einer Leiter sei schwierig.

Die Farbgebung ist häufig frei gewählt

"Künstler sind praktische Menschen", sagt er. Und Hockney ist obendrein noch pragmatisch. Als die Waldarbeiter im vergangenen Jahr eine Baumreihe fällten, hat er sich zunächst "sehr geärgert". Immer wieder hatte er die Stelle gemalt, und "eines morgens waren meine Bäume weg". Aber er fing kurzerhand an, die Stämme zu malen, wie sie gestapelt am Wegesrand lagen. "Jetzt hatte ich eben horizontale Baumstämme", erzählt er.

Die "Felled Trees on Woldgate" (2008) bilden das Herzstück der Ausstellung "Nur Natur", die allein wegen der satten, leuchtenden, manchmal fast künstlich wirkenden Farben ein schönes Schauspiel für die Sinne bietet. David Hockney geht es um nichts anderes als die Malerei, um die Gestaltung von Oberfläche – und nicht um eine Bedeutung hinter den Motiven. Seine frischen Naturbilder sind freundlich, aber nicht gefällig. Die Farbgebung ist häufig frei gewählt, die Wege sind violett oder blau, die Baumstämme blau-grün gestreift oder orange gepunktet. Weder bildet Hockney die Natur ab, noch malt er Stimmungslandschaften. Er eignet sie sich vielmehr malerisch an, übersetzt sie in Linien und Flächen. Seine Landschaften besitzen immer noch das Stilllebenhafte, das seine Pool-Bilder ausmachte, einen Moment der Erstarrung, während die Farben für Dynamik sorgen.

Die wilden Zeiten sind vorbei

In der Kunsthalle sind mehrere Serien zu sehen – ein Pfad bei Kilham oder "Drei Bäume bei Thixendale" - die ursprünglich nicht als Serie konzipiert waren. "Ich habe im Winter gemalt und gedacht, dass ich im Frühling noch mal kommen und schauen muss", erzählt Hockney. So kann man die Weggabelung in den "Woldgate Woods" nun im Wechsel der Jahreszeiten studieren, den Wandel von nackten zu belaubten Bäumen. Aber Hockneys Strich ist flüchtig, er formuliert die Details nicht aus, schnell und entschieden tupft er die Farbe, häufig schaut die Leinwand noch durch und verrät, dass der Maler keine Korrekturen vornimmt, sondern jeder Strich unmittelbar sitzen muss. Besonders schön sind die Inkjet-Drucke, bei denen Hockney fotografische Vorlagen bearbeitet hat. Mal zeigt er die Hafenpromenade von Bridlington in einer Regennacht und hat mit dem Computer die verwaschene Wirkung des Aquarells imitiert. Auf einem Druck sieht die "Cardigan Road, Bridlington" (2008) mit Einfamilienhäuschen in ländlich-langweiliger Idylle.

Die wilden Zeiten sind also vorbei, Hockney lebt zurückgezogen mit Freund und Hund in Bridlington und lässt sich von der Natur den Takt seiner Arbeit diktieren. Morgens zwischen fünf und acht Uhr sei das Licht am besten, deshalb geht er früh raus und legt sich um elf noch mal hin. "Schauen ist ein positiver Akt", sagt Hockney, der als Maler charmant altmodisch ist und als Mensch sympathisch und mit Humor ausgestattet. Er könnte stundenlang davon erzählen, wie er dick eingepackt in High-Tech-Klamotten im Winter auszieht, um im Freien zu malen. Das klingt alles sehr nach Handwerk. Aber obwohl die Landschaften Hockneys nicht mit Sehgewohnheiten brechen, ist dieses Alterswerk doch von erstaunlicher Frische und malerischer Kraft. Schnelle Malerei, die sich auch schnell erfassen lässt, die mal beinahe naiv, mal surreal daherkommt und doch versiert ihre eigene Position findet. "Meine Malerei", sagt Hockney, "ist eine Antwort auf das, was mich umgibt".

"David Hockney: Nur Natur"

Termin: bis 27. September, geöffnet täglich 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Katalog: Swiridoff Verlag, 39,80 Euro
http://kunst.wuerth.com/de/kunsthalle-wuerth/kunsthalle-wuerth.php