Les Rencontres d'Arles 2008 - Fotofestival

Im Zeichen der Mode

Vom 8. Juli bis 14. September bekommt das kleine französische Städtchen Arles Besuch von Fotografen aus aller Welt. Der Grund: Les Rencontres d'Arles 2008. Und dieses Festival kehrt sogar Modedesigner Christian Lacroix als Gastkurator in seine Geburtsstadt zurück. art präsentiert Ihnen vorab die Höhepunkte aller teilnehmenden Fotografen.

"Es kommt mir vor, als ob die Fotografie und ich zur selben Zeit Teenager gewesen wären", meint Christian Lacroix, diesjähriger Gastkurator der Rencontres d’Arles. Als Sohn der Stadt kehrt er nach erfolgreichem Ausflug in die Modelwelt Paris für diese Aufgabe zurück zu seinen Ursprüngen, denn das Fotofestival in dem kleinen französischen Städtchen zählt immerhin zu den bekanntesten und wichtigsten der Welt.

François Hébel, Direktor des Festivals, hatte den Modeschöpfer schon längere Zeit als Kurator im Auge, und wer sich den Designer nicht in der Kunstwelt vorstellen kann, muss nur ein bisschen in dessen Vergangenheit kramen. Lacroix studierte französische Literatur und schrieb seine Doktorarbeit zum Thema "Kleidung in Gemälden des 17. Jahrhunderts". Anschließend wurde er Museumskurator. Erst später fand er seinen Weg in die Modebranche.

Lacroix kehrt also örtlich und geschichtlich zu seinen Ursprüngen zurück. "Ich möchte dass meine Ausstellungen bei den Rencontres einen Schnappschuss meiner Erinnerungen darstellen, von damals bis heute", meint der 57-Jährige. Somit steht das Festival dieses Jahr – nicht ausschließlich, aber doch unübersehbar – im Zeichen der Mode. Nachdem 2006 eine Möhre und 2007 eine Katze das Plakat zur Ausstellung zierten, ist dieses Jahr ein bunter Vogel an der Reihe. Das bunte Völkchen der Modemacher hält also Einzug in den Arleser Fotoolymp, wo es doch im Jahr 1990 noch große Streitereien gab, als der damalige Direktor statt schwarz-weißer Fotos plötzlich farbige ausstellen wollte.

Aber Skandale sollen dieses Jahr ausbleiben. Vielschichtig soll das Festival sein, die Mode soll nicht die Oberhand gewinnen, so Direktor François Hébel: "Das Programm ist unerwartet vielseitig: wenig Modefotografie, dafür eine große Auswahl vieler interessanter Themen. Ich weiß nun, warum es so lange gedauert hat, Christian zu überzeugen, denn wenn er einmal zusagt, gibt er alles!" Trotzdem ist das Wort "Fashion" anscheinend allgegenwärtig. Die Ausstellungen Lacroix' stehen unter drei Überbegriffen: "Guests", "From Arles to Maison Lacroix" und "Photographing Clothes". Unter den Gästen finden sich berühmte Namen wie Richard Avedon oder Peter Lindbergh, und immer wieder stehen sie in Verbindung zum Modebusiness und zu seiner Ikone Lacroix.

Wer ein Modefestival erwartet, liegt falsch!

Patrick Swirc, der auf dem Fotofestival seinen fotografischen Liebesbrief "Letter to Claire" ausstellt, hat Lacroix schon porträtiert, mit Grégoire Alexandre arbeitete der Couturier an dem Buch "On Fashion". Die Fotografen bieten aber trotz all ihrer Verbindungen zur Modewelt weit mehr als dürre Models und teure Roben. Lacroix erklärt: "Ich muss diejenigen enttäuschen, die ein Fashion-Festival erwarten. Mode bedeutet für mich eher die Art sich zu geben, zu sein, aufzutreten." Somit schaut der Kurator nicht nur auf die Schönheit der Modewelt, sondern versucht auch, verstörende Elemente in seine Ausstellungen einzubinden. Achinto Bhadra aus Indien zum Beispiel fotografiert Frauen, die vergewaltigt wurden. Er dokumentiert so ihre zerstörten Seelen, und die Pariserin Françoise Huguier zeigt in ihren Bildern das Leben in den Sozialwohnungen St. Petersburgs. Aber natürlich darf es auch fröhlich zugehen: Fotograf Jean-Christian Bourcart porträtiert den "most beautiful day of life" und verwendet dazu Material aus seinem früheren Beruf als Hochzeitsfotograf, das er als Zeuge einer bestimmten Zeit und einer bestimmten sozialen Begebenheit sieht.

Lacroix mischt also Mode mit Privatfotos und politischen Statements, und auch er selbst kommt nicht zu kurz: "From Arles to Maison Lacroix" dokumentiert seine Geschichte in Arles und der Modewelt. Bilder aus seiner eigenen Sammlung und von Arleser Fotografen, Polaroids von Modeschauen und Porträts von Lacroix bilden ein Gesamtbild seines Lebens bis zum heutigen Zeitpunkt. Außerdem ist die Ausstellung "Photographing Clothes" zu sehen, die unter anderem Stillleben in der Zeitschrift "Vogue", Fotografien von Modenschauen und eine Reihe zum Thema "Fashion Publishing" zeigt.

Ein Höhepunkt des Festivals ist auch der "Rencontres d'Arles Award", der am 12. Juli verliehen wird. Außerdem können Besucher an Seminaren teilnehmen, Workshops besuchen, bei Debatten mitmischen oder sich Bücher von bekannten Fotografen signieren lassen. Besonders beliebt ist die "Night of the Year", die dieses Jahr am 11. Juli stattfindet. Von 22 bis 3 Uhr kann jeder Besucher durch Arles spazieren und sich in Schulhöfen, Klöstern und Stadthäusern die Fotografien verschiedener Pressevertreter, Agenturen und Fotokollektive anschauen.

"Rencontres d'Arles 2008"

Termin: bis 14. September, Arles, Frankreich
http://www.rencontres-arles.com/

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