Damien Hirst - Arken

Besuch der alten Dame

Eine reiche Mäzenin kehrt immer wieder in ihre dänische Heimat zurück, um den dortigen Museen teuerste Kunst zu vermachen. Diesmal beauftragte sie Superstar Damien Hirst, eigens für Arken vor den Toren Kopenhagens ein "Spot Painting" in noch nie dagewesener Größe zu produzieren. Doch was hat die Öffentlichkeit von dieser Guinness-Buch-der-Rekorde-Kunst?

Da hängt es nun also, das größte "Spot Painting" der Welt. 176 Farbkreise auf weißem Grund – über 14 Meter lang ist es, über 4 Meter hoch und damit über 65 Quadratmeter groß. Ohne Wörter wie "über" lässt sich Damien Hirsts Kunst gar nicht beschreiben, Komparative und Superlative scheinen immanent. Zugleich lässt es sich kaum vermeiden, dabei an "überdimensioniert" oder "überheblich" zu denken. Denn ist Größe hier nicht irgendwie zum Selbstzweck geworden?

"2-Amino-5-Bromobenzotrifluoride", so der aus der Pharmazeutik geholte Titel, ist eine Auftragsarbeit, bestellt von Jytte Dresing. Die gebürtige Dänin hat in die Familie des Pharmaherstellers Ferrosan eingeheiratet und sich zu einer der wichtigsten Mäzene der dänischen Museumsszene entwickelt. Über die gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Dennis gegründete "Merla Art Foundation" hat sie nun dem Arken einen riesigen Hirst-Saal gestiftet. Ganze acht Werke sind geschenkt worden, ausgestellt werden außerdem zwei Leihgaben des Künstlers und seines Galeristen.

Kunst für "Geltungskonsumenten"

Es gibt Regenjacken, die ähnliche Muster haben und vermutlich auch Plastiktischdecken. Das riesige "Spot Painting" wird sicher zahlreichen Arken-Besuchern ein "Das kann mein Kind auch" entlocken. Spott ist bei Hirst manchmal vielleicht nicht unangebracht. Aber: Welches Kind macht ihm schon den riesigen finanziellen Erfolg nach?

Gehässig heißt es auf dem dänischen Kritiker-Blog denfri.dk: "Damien Hirsts großes Talent als Künstler ist, Sammler und Institutionen als die Idioten dastehen zu lassen, die sie wirklich sind, und diese gleichzeitig den Künstler dafür bezahlen zu lassen. Wohin, wenn nicht ins Geburtsland von Hans Christian Andersen, gehört solch ein Werk?"

Hirst müsste der Lieblingskünstler der Ökonomen sein. "Conspicious Consumption" heißt ein vom Wirtschaftstheoretiker Thorstein Veblen geprägter Begriff. Gemeint ist der Konsum sehr teurer Erzeugnisse, vor allem, um seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Die Werke von Hirst gehören zu jenen, die fast jeder erkennt und sind deshalb bestens für den "Geltungskonsum" (so der holprige deutsche Ausdruck) geeignet.

Matisse – Giacometti – Hirst

"Das Statens Museum for Kunst hat Matisse, Louisiana hat Giacometti, und wir haben nun Hirst", sagte bei der Präsentation der Schenkung Arken-Museumsdirektor Christian Gether. Einmal mehr hat er sein Talent bewiesen, private Förderer für reichlich Unterstützung zu gewinnen. Und der neue Hirst-Saal ist eine Bereicherung für das Museum und die dänische Kunstszene.

Doch mit Matisse und Giacometti teilt Hirst allenfalls das Preisniveau. Die beiden temporären Ausstellungen mit Olafur Eliassons Nebel-Tunnel ("Dein blinder Passagier") und Warhol / Basquiat in den anderen Räumen von Arken brauchen sich jedenfalls nicht hinter ihm zu verstecken. Glanzstück in letzterer ist ein Basquiat-Selbstporträt aus der Sammlung Thaddaeus Ropac. Die Silhouette des wilden Künstlers steckt in einem klassisch schlichten dunklen Rahmen mit goldener Zierleiste. Es kommt eben doch nicht immer auf Größe an.

Ausstellung "Damien Hirst Donation":

Arken, Ishøj, bis 5. September 2012
http://www.arken.dk