Klaus Werner - Leipzig

Die Sabotage der Wirklichkeit findet ständig statt

Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig feiert ein zehnjähriges Jubiläum: Am 16.05.1998 eröffnete Klaus Werner das Haus für Gegenwartskunst. Dem ostdeutschen Kunsthistoriker gelang es nach der Wende, seinen lang gehegten Traum von einem Stiftermuseum in Leipzig zu verwirklichen. Die Jubiläumsausstellung zeigt Werners kompromissloses Interesse an internationaler Moderne und Gegenwartskunst und versammelt Künstler wie Olaf und Carsten Nicolai oder Neo Rauch, die er bereits vor 1989 förderte und ermutigte.
Brückenbauer zwischen Ost und West:Ausstellung ehrt Klaus Werner

Tilo Schulz: "The Return of Display – What does Exhibiting mean in 2030?", 2001/08

"Die Sabotage der Wirklichkeit findet ständig statt." Dieses Zitat von Klaus Werner, 68, grüßt die Besucher bereits im Eingangsbereich und spiegelt das radikale Kunstverständnis eines Mannes, der bei der Durchsetzung seiner Visionen nie um ein forsches Bonmot verlegen war.

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Strecken Teaser

Auch sein selbstbenutztes Kürzel "KW" zeugt von Werners Streben, die Dinge effektiv auf den Punkt zu bringen und stiftete den Titel der Schau "KW – Hommage à Klaus Werner". Die Exponate darin stammen fast ausschließlich aus der Sammlung der Galerie für Zeitgenössische Kunst und illustrieren Werners Selbstverständnis als Brückenbauer zwischen Ost und West. So treffen im ersten Raum Werke von Emil Schumacher auf solche von Hartwig Ebersbach, flankiert von HAP Grieshaber und Horst Bartnig.

Derlei Konstellationen zwischen Abstraktion und Expression stehen auch für Werners Drang, ostdeutsche Kunstproduktion in den internationalen Kanon einzubringen und schmerzliche Kenntnis- wie Sammlungslücken in puncto Westkunst organisch zu schließen.

Bereits im November 1989 verfertigte Klaus Werner einen flammenden Aufruf zur Gründung eines Stiftermuseums in Sachsen. Damals war der unangepasste, gleichwohl hoch respektierte Kunstexperte noch einer der wenigen geduldeten Kunst-Freiberufler im Arbeiter- und Bauernstaat. Die Unterschriftenliste von einst liest sich mit Namen Gotthard Graubner, Bernhard Heisig, Klaus Rinke oder Judy Lybke heute noch beeindruckend und zeugt von Werners Talent als Netzwerker. Für seine Museumsidee gewann er bald nach der Wende potente Spender wie den Großunternehmer Arend Oetker, der dem Haus noch immer verbunden ist. Trotz der Spenden, die bis 1998 in den von Peter Kulka verantworteten Um- und Ausbau der Galerie flossen, war der Aufbau einer repräsentativen Sammlung stets ein finanzielles Problem.

Dank Werners Engagement und seiner mitreißenden Persönlichkeit jedoch schenkten zahlreiche Künstler, darunter Felix Droese, Neo Rauch, Ilya Kabakow oder Thomas Florschuetz ihre Werke, oft direkt aus den Ausstellungen oder über Sammler und garantierten eine beeindruckende Kollektion.

Mit einer Videoanimationen wird in der Ausstellung auch an Jenny Holzers spektakuläre Projektion "KriegsZustand" auf das Leipziger Völkerschlachtdenkmal von 1996 erinnert – einen von Werners größten Coups. Denn bevor er die neue Galerie 1998 endlich beziehen konnte, machte er mit unkonventionellen Projekten im Stadtraum immer wieder auf seine Pläne aufmerksam und rekrutierte Förderer.

Die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst ist dank Klaus Werners Einsatz das "am frühestens konzipierte Neubauprojekt eines Museums in den östlichen Bundesländern" (KW, 1996) – und als Neugründung, die ausschließlich der Gegenwartskunst gewidmet ist, bis heute leider auch das einzige.

"KW – Hommage à Klaus Werner"

Termin: bis 11. Januar 2009, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Kuratiert von Heidi Stecker und Barbara Steiner, Ausstellungsgestaltung in Zusammenarbeit mit Kay Bachmann und Philipp Paulsen
http://www.gfzk.de/