Albert Oehlen - Wiesbaden

Bilder mit Wirkung

Zum Sechzigsten darf Albert Oehlen sich selbst eine Ausstellung konzipieren und auch die Sammlung des Museum Wiesbaden neu hängen

Auch Alexander Klar weiß nicht genau, was ihn erwartet. Der Direktor des Museums Wiesbaden will den Maler Albert Oehlen zu seinem sechzigsten Geburtstag in diesem Jahre würdigen – "aber nicht mit einer klassischen Retrospektive von A bis Z", so Klar.

Seine Idee: Der Künstler soll die Ausstellung selbst kuratieren. "Ich habe Vertrauen zu ihm", sagt Klar, "deshalb wollte ich sagen: Das ist der Raum, viel Spaß damit."

Für den Museumsdirektor ist das nur folgerichtig, denn Oehlens Kunst habe viel mit Wirkung zu tun und der Frage "Was richtet das Bild im Kopf des Betrachters an?" Die Bilder hätten keine Aussage, "aber sie wirken" und seien mal aggressiv, mal nervig oder angriffslustig. Oehlen, der seine Malerei selbst als "postungegenständlich" bezeichnet, stelle sich häufig auch selbst Aufträge. "Zum Beispiel hat er sich den Auftrag gestellt, alle Farben zu kaufen, die im Sonderangebot waren." Nach der Beschäftigung mit dem abstrakten Expressionismus habe er sich das Ziel gesetzt, abstrakt-expressionistisch zu arbeiten.

Oehlen wird neue Bilder nach Wiesbaden mitbringen, eine kleine Retrospektive wird es aber dennoch geben: In einem zweiten Teil der Ausstellung will Klar etwa 25 "Schlüsselwerke" zeigen, darunter Oehlens Selbstporträt mit Totenschädel aus dem Jahr 1983 oder das Bild "Ohne Titel (Blödkopf)" von 1988 – ein Gesicht mit Brille, Schnauzer und rausgestreckter Zunge. Zudem werden monochrome Computerzeichnungen aus den neunziger Jahren präsentiert sowie ganz neue Arbeiten, bei denen Oehlen Plakate übermalt.

Museumsdirektor Klar hat dem Künstler aber noch einen weiteren Auftrag erteilt: Oehlen soll die Bereiche Klassische Moderne und Gegenwart der Sammlung des Hauses neu hängen. Zwar sei der Künstler angewiesen, Glanzstücke wie zum Beispiel die Werke von Alexej von Jawlensky auf alle Fälle zu zeigen, darüber hinaus aber kann er sich auch frei im Depot bedienen. "Oehlen hat relativ freie Hand", so Klar, "schließlich darf man auch mal ein Risiko eingehen."

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