FSB-Kunstpreis - Schwerpunkt: Russland

Geheimdienst verleiht Kunstpreis

Russland scheint immer weiter in seine Vergangenheit zu fallen, und nicht nur politisch. Der Geheimdienst FSB, inzwischen mindestens genauso mächtig wie sein sowjetischer Vorgänger KGB, hat jetzt sogar einen eigenen Kunst- und Medienpreis.
Geheimdienstler in Bronze:Russischer Geheimdienst verleiht Kunstpreis

Denkmal für einen Kommandeur einer Sondereinheit: Skulptur des diesjährigen Gewinners Wadim Kirillow

Mit diesem Preis wird eine alte Tradition ins Leben zurückgerufen, denn bereits zwischen 1979 und 1987 hatte es einen solchen Preis gegeben, auf dem Höhenpunkt jener Zeit also, die unter kritisch gesinnten Bürgern Russlands als gesellschaftlicher "Stillstand von Breschnew" bekannt ist. Im heutigen Russland, das zunehmend von seinem Geheimdienst regiert wird, ist aber ein solcher Kunstpreis fast schon eine kulturelle Selbstverständlichkeit. "Ein demokratisches Russland braucht einen starken Geheimdienst", sagte der FSB-Sprecher zur Begründung.

Der erste Preis ist mit rund 2800 Euro dotiert und wird in mehreren Nominationen an Künstler, Musiker und Journalisten verliehen, die in ihren Werken "ein positives Bild der Geheimdienstmitarbeiter schaffen", so FSB. Im Dezember 2007 wurde der Preis bereits zum zweiten Mal verliehen, ganze 250 Werke wurden bei der Jury eingereicht.

Zum Gewinner wurde unter anderen Wadim Kirillow, ein 40 Jahre alter Moskauer Bildhauer, der zusammen mit seinem Bruder ein Denkmal für einen Kommandeur einer Sondereinheit entworfen hat, der bei der Erstürmung der Schule in Beslan im September 2004 ums Leben gekommen war. Drei Jahre nach seinem Tod wurde das Denkmal in seiner Heimatstadt Uljanowsk an der Wolga eingeweiht. Ganz im Sinne der Zeit wird das preisgekrönte Denkmal mit einer Videokamera überwacht.

Der zweite Künstlerpreis ging an das Museum des Grenzschutzes in Moskau, für die "Popularisierung der heldenhaften Geschichte der Grenzschutzes", so die Zeitung "Roter Stern". Der dritte Preis ging ebenfalls an einen Bildhauer, der wiederum ein Denkmal für einen in Beslan umgekommenen FSB-Mitarbeiter schuf.

So werden gestorbene Helden in Bronze verewigt, Bildhauer mit Preisen ausgezeichnet, und die Frage, wie es überhaupt zur einer solchen Geiselnahme kommen konnte und ob jemand vielleicht persönliche Konsequenzen ziehen sollte, wird nicht gestellt.

Übrigens haben sich auch schon deutsche Künstler mit dem russischen Geheimdienst angefreundet: Im Dezember spielte die Band "Scorpions" im Kreml – beim Festakt zum 90. Geburtstag von KGB/FSB.

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