Preis der Nationalgalerie - Berlin

Ausgezeichnet!

Alle zwei Jahre wird in Berlin das Werk eines jungen, vielversprechenden Künstlers prämiert. Der Preis der Nationalgalerie ist längst ein Karrieresprungbrett. Jetzt können Sie mit abstimmen und selbst dabei gewinnen: Wählen Sie jetzt Ihren Favoriten für den Publikumspreis – und gewinnen Sie Preise im Wert von mehreren 1000 Euro!

Daniel Richter, John Bock, Tino Sehgal und Olafur Eliasson – das sind nur die Namen von einigen illustren Unterlegenen beim Kampf um diesen Preis. Doch allein die Nominierung bewirkt gewöhnlich einen rasanten internationalen Karriereschub. Das hat die Geschichte des Preises der Nationalgalerie für junge Kunst seit seiner ersten Verleihung im Jahr 2000 eindrucksvoll bewiesen. Und genau das war auch die Ab­sicht des Unternehmers und Kunstsammlers Rolf Hoffmann.

Als er Ende der neunziger Jahre aus dem Rheinland nach Berlin zog, hatte er die Idee zu einem Kunstpreis als Einstandsgeschenk im Gepäck. Und der Verein der Freunde der Nationalgalerie bot sich dafür als seriöse Plattform und gewichtiger Namensgeber an. Bei den "Freunden" hielt sich der Enthusiasmus zunächst in Grenzen. Anfangs konnte sich Hoffmann nur auf etwa sechs aktive Mitstreiter stützen. Inzwischen ist man mächtig stolz auf den alle zwei Jahre vergebenen Preis, die dazugehörige Ausstellung zählt zu den Highlights der Berliner Museumssaison. Und auch die Gewinnerliste, Dirk Skreber (2000), Michael Elmgreen & Ingar Dragset (2002), Monica Bonvicini (2005) und Ceal Floyer (2007), kann sich sehen lassen.

50 000 Euro Preisgeld stehen zur Ver­fügung

Mit der Auswahl des Preisträgers sind auch bei der fünften Ausgabe wieder zwei Jurys beschäftigt: Aus 130 Vorschlägen wählten zunächst die Kunstexperten Massimiliano Gioni, Jessica Morgan, Beatrix Ruf, Janneke de Vries und Bernhart Schwenk die Shortlist von vier Künstlern aus. Voraussetzung ist nur, dass der Künstler seinen Wohnsitz in Deutschland hat und unter 40 Jahre alt ist. Die Nominierten Keren Cytter, Omer Fast, Annette Kelm und Danh Vo schaffen neue Arbeiten für die von Joachim Jäger kuratierte Schau im Hamburger Bahnhof. Das letzte Wort hat dann am 22. September Jury Nummer 2: Daniel Birnbaum, Sam Keller, Udo Kittelmann, Gabriele Knapstein und Christine Macel küren nach Besichtigung der Ausstellung den Gewinner. 50 000 Euro Preisgeld stehen zur Ver­fügung – für die Hälfte davon wird eine Arbeit des Preisträgers für die Sammlung der Nationalgalerie angekauft.

Aber die Fachleute sollen nicht das letzte Wort haben: Bekanntlich liegen gerade bei Gegenwartskunst deren Urteil und der Publikumsgeschmack oft weit auseinander. Deshalb präsentiert art in diesem Jahr den Publikumspreis zum Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. Mitmachen lohnt sich: Klicken Sie jetzt hier, wählen Sie Ihren Favoriten für den Publikumspreis – und gewinnen Sie einen der folgenden Preise:

1. Preis. Ein Wochenende mit einem BMW 5er Gran Turismo (inkl. 1500 km) sowie zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Frühstück im Vier Jahreszeiten Hotel Kempinski in München

2. Preis. Ein Wochenende mit einem BMW X1 (inkl. 500 km) sowie zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Frühstück im Kempinski Taschenbergpalais in Dresden

3. Preis. Ein Gutschein im Wert von 200 Euro für Produkte aus dem Lifestyle-Sortiment von BMW

Außerdem:

* 15 Jahresabonnements der Zeitschrift art – Das Kunstmagazin

* 15 hochwertige Kunstbildbände

* 20 Bücher von Helmut Friedel und Robert Storr: "Gerhard Richter - Rot Gelb Blau"

* 20 Bücher von Olafur Eliasson "Your Mobile Expectations: BMW H2R Project"

* Eine lebenslange "Supporting Collectors" Mitgliedschaft sowie zwei Jahresmitgliedschaften (ab Zeitpunkt der Verlosung) bei Independent Collectors, der Online Plattform für Sammler zeitgenössischer Kunst

Annette Kelm

Die Fotokünstlerin Annette Kelm (*1975) verleiht höchst profanen Gegenständen eine Aura der Bedeutsamkeit. Vor ihrer Linse werden Motive wie die Umhängetasche mit Uhrenmotiv, mehrere Strohkappen oder ein Bambushocker fast zu Reliquien. Oder besser zu strengen Ikonen der Trivialkultur. Das verbindet sie mit den Gesten der klassischen Pop Art. Aber in jenem Moment, wo sich dort durch schrille Überhöhung ein Gefühl von Ironie einstellen würde, verharrt bei Kelm alles in einem ernsten, meditativen Schwebezustand. Besonders wenn sie ihre Objekte ganz nüchtern aneinanderreiht. Dann erinnern sie an serielle Untersuchungen des Minimalismus. Wenn sie sie zu Triptychen ordnet, kommen wiederum Religion und malerische Tradition ins Spiel. Auf diese Weise öffnet sie Sichtfenster des Wiedererkennens: Minimalismus, Pop und Trash, religiöse Kunst und Gegenwartsfotografie von den Bechers bis zu Tillmans – das sind die Reverenzen, die uns ihr Werk so vertraut und angenehm machen.

Kaum merkliche Inszenierungen, wie die leicht veränderte Zeigerstellung des Zif­fer­blatts oder die kleine Litho­grafie von Joan Miró neben einer betagten Wurlitzer-Orgel, bieten jene Brüche oder Verfremdungen, die wir von guter Kunst erwarten. Aber niemals ein Zuviel, immer nur eine homöopathi­sche Dosis von Dramatik oder Täuschung. Außerdem leben Annette Kelms Bilder von ihrer Choreografie in Ausstellungsräumen – in den Berliner Kunst-Werken erst kürzlich zu bestaunen. Die Arbeiten werden mit höchster stilistischer Disziplin präsen­tiert. Für Monumentalität sorgen der Blick­winkel und das Objekt, wie etwa bei den wunderbaren Citrusbäumchen. In der bedachtsamen Hängung durch die Künst­lerin fügen sich die Bilder dann zu einem diskreten Panoptikum, das scheinbar Ord­nung in die mediale Bilderflut unse­res Alltags bringt. Alles wird still, wieder fast sakral, und selbst Menschen oder Tie­re behandelt die Fotografin wie leblose Gegenstände. Da mutet der Cowboy, den sie mit einem Fächer ausgestattet hat, schon fast wie ein übermütiger Ausbruch an.

Omer Fast

"Ich bin nicht überzeugt, dass es einen Unterschied zwischen Dokumentation und Fiktion gibt", sagt Omer Fast (*1972) und: "Als Künstler müssen wir nicht so streng mit den Begriffen umgehen, wir müssen damit spielen." Dennoch sind seine Videoinstallationen alles andere als spielerisch. Sie folgen einem genau kalkulierten Plan. So kombinierte er etwa bei "The Casting" (2007) ein reales Interview mit einem US-amerikanischen Soldaten im Irak mit nachgespielten Erlebnissen des Erzählers. Die Inszenierung wirkt dabei wie ein Dokumentarfilm, und das Interview ist so manipuliert, dass der Sergeant auch von Geschehnissen berichtet, die sich so niemals zugetragen haben. Zeitgeschichte wird zwar verhandelt, aber gleichzeitig als medial manipulierbarer Stoff entlarvt. Die dazu nötige komplizierte Schnitttechnik eignete sich Omer Fast bei der Beschäftigung mit der CNN-Berichterstattung zum 11. September 2001 an. Sein berühmter Clip "CNN Concatenated" (etwa: "CNN aneinandergehängt", 2002) verknüpft einzelne Worte von Nachrichtensprechern zu einer völlig neuen Botschaft – zu einem fast philosophischen Text über Aggression und Abhängigkeit.

Indem er die Glaubhaftigkeit sowohl von Zeitzeugen wie auch vom Tagesjournalismus aufs Korn nimmt, erweist sich der gebürtige Israeli als zutiefst politischer Künstler. Seine filmischen Strategien von Collage und Fragmentarisierung weisen ihn ebenso als scharfen Analytiker der zeitgenössischen Video- und Filmkunst aus. Bei all ihrer Konstruktion und Dekonstruktion bleiben Fasts Streifen jedoch immer nah am Erzählerischen. So dreht sich seine jüngste Produktion "Nostalgia" um die Geschichte eines afrikanischen Flüchtlings. Dieser lebt in London am Rande der Gesellschaft und ringt mit der Bürde seiner Vergangenheit. Alles, was er an Erinnerungen aus seiner nigerianischen Heimat preisgibt, ist ein Kindheitserlebnis beim Fallenstellen mit dem Vater. Dieses simple Bild benutzt Omer Fast als Metapher und Aufhänger für einen weiteren Film, in dem er die Zukunftsvision von Afrika als Zufluchts- und Sehnsuchtsort für Europäer entwirft.

Danh Vo

"Ich glaube nicht an Nationen", verkündet Danh Vo (*1975), doch immer wieder stiften ihn gerade seine vietnamesischen Wurzeln zur Kunstproduktion an. 1979 kam er als Bootsflüchtling mit seinen Eltern aus Vietnam nach Dänemark. Seine Muttersprache spricht er kaum, dafür perfekt Dänisch und Englisch. Studiert hat er in Frankfurt an der Städelschule bei Tobias Rehberger, seit einigen Jahren lebt er in Berlin-Kreuzberg, inmitten türkischer Einwanderer. Kein Wunder also, dass er sich wie ein Feldforscher durch die Kulturen bewegt und von der Gegenwart vietnamesischer Bergvölker genauso fasziniert ist wie von der Geschichte französi­scher Missionare. In seinen Ausstellungen will er die "Migration von Gegenständen" darstellen – Objekte dienen als Symbole für globale Wanderungen. Entsprechend inszenierte er eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und einen Fernseher als Memorial für seine Großmutter. Die Haushaltsgeräte waren das Ankunftsgeschenk für die alte Dame in ihrem neuen europäischen Leben. Ein anderes Mal arrangierte er Spuren von amerikanischen und französischen Besatzern, die ein US-Sammler in Vietnam zusammengetragen hatte: ein Schwert mit einer blank polierten französischen Münze im Griff oder eine Reisedecke mit eingewebten Kampfhubschraubern.

Alles Fetische, denen Danh Vo ihre besondere Aura zurückgibt. Ein Eintrag aus dem Alternativ-Reiseführer "Lonely Planet" über eine ferne Bergregion in Vietnam flankierte das Ganze als Pressemitteilung. Betrachter benötigen oft eine Hilfestellung, denn die Installationen wirken manchmal hermetisch. Im besten Falle funktionieren sie wie ein gelungenes Gedicht, das nicht zwanghaft jeden Gedanken ausspricht und Raum für Assoziationen lässt. Wer weiß schon, dass der funkelnde Kronleuchter im Hamburger Bahnhof ursprünglich aus dem Ballsaal des ehemaligen Pariser Hotels Majestic stammt, wo 1973 das Friedensabkommen das künftige Schicksal von Vietnam bestimmte? Mit solchen und anderen Reliquien verschränkt Danh Vo eigene Biografie mit Weltgeschichte und schafft poetische wie auch politische Wunderkammern.

Keren Cytter

Vielschichtigkeit sei ihr zweiter Name, hat die Malerin Marlene Dumas über Keren Cytter (*1977) gesagt. Das bringt es auf den Punkt. Denn so kurz Cytters Videofilme auch sein mögen, auf engstem filmischem Raum durchdringen sich zahlreiche Erzählstränge, Zeitebenen und Rollenzuweisungen. Perfekt spielt die israelische Künstlerin mit Anspielungen auf experimentelles und klassisches Kino, auf Literatur, Theater und YouTube-Fragmente. Dabei wirken ihre Clips niemals hermetisch oder gar langatmig. Gerne einmal lehnen sich die Figuren sogar gegen ihre Rollen auf. Schon das hat Unterhaltungswert. Häufig auch nimmt der Plot eine spannende Wendung wie etwa bei "Continuity" (2005): Basierend auf einer Erzählung des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar, verfolgt der Protagonist als Leser im Lehnstuhl die Chronik seiner angekündigten Ermordung.