Heiner Goebbels - Stifters Dinge

Theater ohne Schauspieler, Musik ohne Interpreten

Wasser, Nebel, Klaviere – das sind die Zutaten zu der Installation des deutschen Komponisten und Performancekünstlers Heiner Goebbels. Im Londoner Ausstellungsbunker P3 verbreitet er gerade eine Art Endzeitstimmung.
Wasser, Nebel, Klaviere –:Zutaten zur Installation von Heiner Goebbels in London

"Stifters Dinge", Installation von Heiner Goebbels

Fünf Klaviere, ihr Inneres nach außen gekehrt, hängen zwischen toten Ästen. Um sie herum eine Reihe von Objekten: ein Pflasterstein, Plastikrohre, Maschendraht. Rudimentäre Perkussionsinstrumente, die merkwürdige Geräusche von sich geben. Vom Himmel fällt Regen, der das Wasser in drei seichten Teichen in Bewegung versetzt. Nebelschwaden steigen auf.

Die performative Installation "Stifters Dinge" von Heiner Goebbels, halb Musikmaschine, halb Landschaftsgemälde, war schon mehrmals zu sehen, doch in London führt sie der deutsche Komponist und Performancekünstler in einem ganz besonderen Raum auf. P3 ist ein seit langem leer stehender unterirdischer Betonbunker, in dem in den sechziger Jahren die Widerstandsfähigkeit von Beton für den Autobahnbau getestet wurde. Gefunden hat ihn die innovative Kulturorganisation Artangel, die Kunst in ungewöhnlicher Umgebung ermöglicht.

Goebbels interessiert sich für Dinge am Rand des Geschehens, für Beiläufiges. Deshalb entdeckte er auch Adalbert Stifter, der sich ebenfalls dem Rand zuwandte. Aus dessen Landschaftsbeschreibungen macht er 80 Minuten lang Theater ohne Schauspieler, Musik ohne Interpreten. Die beiden Plastikröhren geben dumpfe Basstöne von sich, die Klaviere werden wie von Geisterhand gezupft, geschlagen, spielen Jazz, Bach, Atonales; das Geräusch von zwei sich aneinander reibenden Steinen wird verstärkt, aus Lautsprechern klingen Stifter-Zitate, der französische Ethnologe Claude Lévy-Strauss erzählt in einem Archivinterview, dass er das Vertrauen in den Menschen verloren hat.

Gegen Ende fahren die Instrumente, schrill lärmend, ganz nah an das Publikum heran, werfen sich sozusagen in Pose, ziehen sich wieder zurück, und der Zuschauer blickt auf eine wabernde Wasserfläche, aus der Blasen aufsteigen, die zu weißem Nebel zerplatzen – Stifters menschenleere weiße Landschaft. Eine Art Endzeit vielleicht, nach der Klimakatastrophe.

"Stifters Dinge"

Termin: bis 27. April, P3, London.
http://www.p3london.co.uk/

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