Radar - Monika Grütters

Monika Grütters über Martin Assig

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Monika Grütters, Obfrau für Kultur und Medien der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Vorstand der Stiftung Brandenburger Tor Berlin, über den deutschen Künstler Martin Assig.
Radar: Martin Assig:Monika Grütters über Ihren aktuellen Lieblingskünstler

Martin Assig: "Kleinod", 2008. Enkaustik, Blattgold auf Holz, 17 x 10 x 8 cm

Martin Assig hat eine seiner Skulpturen, ein Haus, in diesem Fall eine Kirche, mit dem Spruch verziert: "Immer. Wenn es zuende ist, fängt es wieder von vorne an. Immer." Es war die kleine weiße Kirche auf einem kleinen Hocker mit roten Füßchen, und es war der rätselhafte Spruch, die mich beide gleichermaßen angezogen haben: Ein heutiger Künstler, der sich unverhohlen mit der Kirche und mit dem Glauben auseinandersetzt – das ist selten in dieser Form.

Martin Assigs Bilder und Botschaften faszinieren und beglücken mich – sie laden ein zu Seelenwanderungen. Auch viele andere beeindruckt Martin Assigs Kunst: Seine zahlreichen Ausstellungen europaweit und in den USA machen ihn zu einem gefragten Künstler, der sein Publikum erreicht, obwohl oder gerade weil er eine ganz eigene Handschrift hat, einen ganz eigenen Ton anschlägt. Seine Bilder bleiben trotz ihrer Farbigkeit, trotz ihrer heiteren Ornamente immer irgendwie hermetisch.

Dabei sind Martin Assigs Arbeiten im wahrsten Sinne attraktiv, sie wirken in ihrer Sinnlichkeit anziehend. Auffallend an Assigs Ästhetik sind seine Bilderwelten, seine mal naiv, mal rätselhaft anmutenden Figuren, Gliedmaßen, Frauenkörper, Gewebe und Häuser. In beinahe dekorativer Weise verziert er seine Arbeiten mit malerischen Ornamenten. Typische skripturale Elemente, oft sogar ganze Sätze, ergänzen diese Zeichnungen, Gemälde und Haus-Objekte. Mit seinen Motiven nimmt Assig Rekurs auf das christliche Mittelalter. Seine Technik der Enkaustik, bei der mit pigmentiertem Wachs gearbeitet wird, geht auf das alte Ägypten zurück. Assig wendet diese Technik an, weil das Wachs die Bilder plastischer und leuchtender erscheinen lässt.

Es geht um Leben, Tod und Unsterblichkeit

Martin Assig ist ein sensibler, beinahe grüblerischer Künstler. Wenn er nach dem Dasein fragt, nach der Schöpfung, wenn er "Gestalten" malt, den "Lichtarm" oder ein "Sternenkleid", dann bleibt er oft verträumt malerisch, gegenständlich. Seine Häuser, seine Kirchen nennt er selbst "Gedankengebäude". Wenn er seine Arbeiten mit "Wunsch", "Glück", "Himmel" oder "Erwartung" betitelt, dann sind dies Zeugnisse seiner eigenen Nachdenklichkeit. Nie sind seine Arbeiten vordergründig, denn Martin Assig fragt mit seiner Kunst nicht nur nach den Ursprüngen des Seins, nach dem Leben, nach Tod und Unsterblichkeit, er reflektiert hier immer auch sein eigenes Künstlertum. Diese Suche nach Wahrheit teilt Assig mit seinen Betrachtern. Er sagt, nach der Beseelung des Bildes wolle er selbst in den Hintergrund treten: "Für mich ist es ein Glück, wenn jemand gute Gedanken zu meinen Bildern hat."

Und für mich ist es eine tröstliche Erkenntnis, die Martin Assig auf seine kleine weiße Kirche geschrieben hat: "Immer. Wenn es zuende ist, fängt es wieder von vorne an. Immer."

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