Kulturprogramm - Fussball-EM

Ball-Künste

Eine Nacktinststallation des New Yorker Künstlers Spencer Tunick, Fußball-Karikaturen, "11 Meter Mode", kickende Holzfiguren und jubelnde Fans in Öl: art präsentiert die Höhepunkte aus dem Kunst- und Kulturprogramm zur Fußball-EM 2008.

"Wien darf nicht Chicago werden", lautete einmal der populistische Wahlwerbespruch einer österreichischen Rechtspartei. "Wien darf nicht Palermo werden", diesen Spruch musste sich Jürgen Weishäupl, Verantwortli­cher fürs Kunst- und Kulturprogramm rund um die Fußball-EM (7. bis 29. Juni), in diesen Tagen öfter anhören.

Denn bevor er das österreichische Vier-Millionen-Euro-Projekt in Angriff nahm, war der Mann für öffentliche Kunst in der sizilianischen Hauptstadt zuständig. Manchmal habe er sich während der Planun­gen in Wien sogar ein wenig nach der in Palermo üblichen "unbürokratischen Art" zurückgesehnt, gesteht Weishäupl. Am wenigsten Probleme mach­te noch die Ausstellung "herz:ra­­sen" (bis 6. Juli) im Künstlerhaus, die rund 500 Objekte aus 30 Jahren europäischer Fußballgeschichte vereint – Fotos, Kleidungsstücke, Plakate, Filme. Bis zum Schluss aber hat der Organisator mit den Ämtern um die Kon­ditio­nen einer Kunstmeile am Donaukanal verhandeln müssen, die unter anderem vom Bildhauer Erwin Wurm bespielt werden soll.

Und statt in einer schnittigen Baumkrone muss die Künst­ler­gruppe Mahony ihr Künstlerarchiv jetzt eben in einem schnöden Campingwagen zum Leben erwecken – am Karlsplatz, der Wiener "EM-Kulturzone". Nach dem Schlusspfiff am Rasen des Ernst-Happel-Stadions aber – wo US-Fotograf Spencer Tunick bereits im Mai ge­nau 2008 Nackedeis vor seiner Linse arrangiert haben wird – kann sich die Siegermanschaft neben dem EM-Pokal noch eine wei­tere "Glamour-Trophäe" abholen: Einen sechs Meter hohen Kris­tall der Schweizerin Sylvie Fleury. Dass die verspiegel­te Skulptur, die während der EM auf dem Karlsplatz glänzen wird, in Wien bleibt, ist also mehr als unwahrscheinlich.