Edgar Degas als Historienmaler

Der ewige Zweifler

Man kennt Edgar Degas als Impressionisten, der Tänzerinnen, Dirnen und Modistinnen malte. Degas war aber auch Historienmaler und kopierte bis ins Hohe Alter Werke von Mantegna, Botticelli oder Ingres.
Edgar Degas : "Junge Spartanerinnen fordern Knaben zum Kampf auf"

Edgar Degas: "Junge Spartanerinnen fordern Knaben zum Kampf auf", 1860

Man kennt die Tänzerinnen im Spitzentutu, die Szenen aus dem Nachtleben, die Frauen bei der Körperpflege. Edgar Degas 
gilt als Künstler des mondänen Paris, der Tänzerinnen, Dirnen, Modistinnen malte.

Damit wird man Degas' Werk aber nicht gerecht, meint Alexander Eiling, der in der Kunsthalle Karlsruhe einen in Deutschland noch unbekannten Degas vorstellen will: den Historienmaler und akademisch geschulten Kopisten. "Degas ist sehr stark verwurzelt in der Tradition der Alten Meister", sagt Eiling, "man versteht ihn anders, wenn man weiß, dass er zeitlebens kopiert hat."

Degas (1834 bis 1917), der zu Lebzeiten einer der bestbezahlten Künstler Frankreichs war, kopierte bis ins hohe Alter Werke von Mantegna, Botticelli oder Ingres. Die 130 Arbeiten in der Kunsthalle Karlsruhe wollen zeigen, dass Degas immer Historienmaler blieb, selbst wenn er moderne Themen verhandelte.
Die Posen, die er auf Gemälden wie "Junge Spartanerinnen fordern Knaben zum Wettkampf heraus" (um 1860) entwickelte, nutzt er auch auf seinen Bildern aus der Pariser Opernwelt. "Aus seinen Spartanerinnen werden Balletttänzerinnen", sagt Eiling, "die Körperdrehungen, ausladenden Bewegungen und theatralischen Gesten, die er bei Michelangelo studiert hat, überträgt er auf die Tänzerinnen."

Das Publikum interessierte sich allerdings nicht für Degas' Historienbilder, weshalb sie in Deutschland bisher auch kaum zu sehen waren. So, wie er auch seine Landschaften, er nannte sie "Paysages imaginaires", aus der Erinnerung malte, so schöpfte Degas zeitlebens aus dem Fundus Alter Meister. Er war keiner, der en passant die halbseidene Welt einfing, sondern manisch feilte, zweifelte und Mühe hatte, Bilder zu vollenden. "Die Balletttänzerinnen sind wie eine Metapher für sein eigenes Arbeiten", meint Eiling, da auch sie nach Perfektion strebten. Degas' Leistung sei es gewesen, dass man seinen Bildern das Ringen nicht ansieht. "Alles ist schwer erarbeitet bei ihm", sagt Eiling. "Es fällt nichts vom Himmel, aber am Ende sieht es leicht aus".

Degas: Klassik und Experiment

Die Ausstellung "Degas: Klassik und Experiment" ist noch bis zum 01. Februar 2015 in der Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Der Katalog erscheint m Hirmer Verlag und kostet in der Ausstellung 39 Euro, im Buchhandel 45 Euro.
http://www.kunsthalle-karlsruhe.de/de/ausstellungen/degas.html

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