Moll Morgengrau - Surrend

Depression ist keine Lösung

Heiter weiter: Gegen den Humorverlust in schweren Zeiten startet die dänisch-deutsche Künstlergruppe Surrend in Berlin und Kassel eine ironische Plakatserie zur Finanzkrise.
Krisenfester Optimismus:Künstlergruppe Surrend startet neue Plakatserie

Neues Surrend-Plakat: "Die Zukunft ist die Summe der Steine, die die Exfrauen dir in den Weg legen"

Moll Morgengrau ist der Held oder vielmehr Anti-Held der neuen Plakatserie der dänisch-deutschen Künstlergruppe Surrend. Morgengrau ist ein fiktiver Künstler, der es nicht leicht hat im Leben – Krise hin oder her. Mit miesepetriger Miene verkündet er seine Statements auf den Plakaten, etwa, dass er sich über die Krise freue, weil "es endlich allen genauso mies wie mir geht" oder "sich jetzt auch alle scheiden lassen".

Dahinter stecken Jan Egesborg und Pia Bertelsen – die Gründer von Surrend. Das Duo hat sich sogar einen Mini-Lebenslauf für ihren Protagonisten ausgedacht: Moll Morgengrau wurde 1960 in Kassel geboren und hat drei Scheidungen hinter sich. Kein Wunder, dass er depressiv geworden ist und nun viel Sarkasmus und Pessimismus versprüht. Doch Surrend, die seit kurzem in Berlin leben und arbeiten, sehen in ihm viel mehr als nur das: "Moll Morgengrau ist wie eine Art Huldigung an Berlin. Wir sehen, dass viele Menschen hier direkt betroffen sind, aber dass sie mit viel Humor und Zuversicht damit umgehen. Wir sind begeistert von ihrer Haltung und möchten sie darin bestärken: Es wird schon irgendwie weiter gehen und Depression ist keine Lösung", sagt Jan Egesborg.

Im Verlauf der Serie wird Morgengrau aus dem kalten Berlin nach Kuba entfliehen. Dort jedoch kann er das leichte, sonnige Leben nicht genießen, weil er zu sehr in seiner depressiven Welt gefangen ist. Er kehrt nach Berlin zurück. Morgengrau ist inspiriert durch die dunkle aber auch poetische Stimmung der Berliner. Und das Projekt ist auch eine Satire auf depressive Künstler und den Kult, der um Depression in der Kunstwelt gemacht wird.

"Keine Lust mehr auf Anwaltsrechnungen"

Surrend sind durch ihre provozierenden politischen Poster und fingierte Anzeigen international bekannt geworden. In der regimetreuen "Teheran Times", haben sie in einer Lobeshymne auf Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad das Wort "Schwein" versteckt. Auch eine Posterkampagne gegen den damaligen russischen Präsidenten Putin erregte großes Aufsehen. Und ihre letzte Ausstellung in Berlin wurde wegen Protesten sogar kurzzeitig geschlossen.

Doch jetzt konzentrieren sie sich in ihrer Arbeit auf andere Aspekte. "Es ist wichtig auch mal den Themenbereich zu wechseln", sagt Egesborg, "unsere politische Kunst war ein großer Erfolg und hat die Machtmenschen wirklich gestört, aber wir hatten einfach keine Lust mehr auf Gerichtsverfahren und teure Anwaltsrechnungen." Die Finanzkrise gibt einen guten Anlass, sich nun in ihren Arbeiten mit dem gewöhnlichen Leben auseinanderzusetzen. Die vielen positiven Reaktionen auf die Poster bestärken Surrend in dieser Entscheidung. Schon bald sollen die Arbeiten in Berlin ausgestellt werden, Ende des Jahres dann auch in Kopenhagen.

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