Anders Zorn - Lübeck

Skandinavische Lebensfreude

Im Zeitalter der großen Kunst-Sezessionen schuf Anders Zorn delikate Akte, Landschaften und prägnante Porträts, ohne ein Revolutionär zu sein. Das Museum Behnhaus/Drägerhaus in Lübeck widmet dem Schweden eine Werkschau.

Weltläufig, in der besseren Gesellschaft angesehen, materiell gesichert und unabhängig – der schwedische Maler
Anders Zorn (1860 bis 1920) war einer der erfolgreichsten Künstler seiner Zeit. Er hatte die französischen Impressionisten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kunstszene revolutioniert hatten, gekannt und deren Errungenschaften in seine lichtdurchfluteten Landschaften und Menschenstudien als stilbildendes Element einfließen lassen – ohne jedoch ihre Experimente mit der Wirkung des Lichts auf die Farbe zum Gegenstand der Malerei zu machen.

Etwa zeitgleich malte der Norweger Edvard Munch seine hintergründigen, in expressiven Farben gehaltenen Bilder von Melancholie, Krankheit und unterschwelliger Erotik. "Führt man sich vor Augen, welche Kunst 1916 andernorts in Europa für Aufruhr sorgte", schrieb Peter Winter 1989 zu einer Zorn-Retrospektive in der Kieler Kunsthalle, dann muteten die Gemälde "reichlich altväterlich und anachronistisch an". Zorn war kein Revolutionär, seine Malerei aber ist virtuos von delikater bis leuchtender Farbigkeit – Grund genug, 23 Jahre nach der Kieler Retrospektive einen neuen Blick auf das Werk des Künstlers zu werfen. Das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck hat unter dem – nicht ganz treffenden – Titel "Der schwedische Impressionist" 100 Arbeiten versammelt, die von skandinavischer Lebensfreude und einem unverkrampften Verhältnis zum nackten Körper sprechen. Besonders Zorns Akte in schimmernden Hauttönen, wie der vom rötlichen Licht der untergehenden Sonne überstrah­lte "Sommerabend", sind Highlights dieser Ausstellung, zu der auch ausdrucksvolle Porträts wie das farbtrunkene Bildnis des Mädchens "Margit" gehören oder ein spätes Selbstporträt von 1915.

Den Künstlern der nachfolgenden Generation kamen Zorns Bilder damals "abscheulich" vor, gibt der dänische Eisenplastiker Robert Jacobsen zu. Der Schwede sei immer im Rolls Royce gefahren, während er und andere Künstler "Fahrräder benutzt" hätten, so Jacobsen zum damaligen Kieler Kunsthallendirektor Jens Christian Jensen. Der aber betonte, Zorns "Weltgewandtheit und Weltläufigkeit" seien Eigenschaften gewesen, die der uneheliche Sohn einer Bauerntochter und eines deutschstämmigen Braumeisters sich "hart erarbeiten musste". Zorn hatte sich zunächst als Porträtzeichner bewährt, den großen Durchbruch erlebte er mit dem in Madrid entstandenen, noch äußerst konventionellen Gemälde "Liebesnymphe" (1885). Zorn unternahm insgesamt sieben Reisen in die USA und wurde auch in der Neuen Welt zum gefragten Porträtisten, unter anderem des 22. und 24. Präsidenten Grover Cleveland. Zorn starb 1920 mit 60 Jahren und hinterließ ein Vermögen von sechs Millionen Dollar. Er vermachte es dem schwedischen Staat mit der Auflage, damit ein Museum in seiner Heimatstadt Mora einzurichten.

Der schwedische Impressionist Anders Zorn

15. Januar bis 15. April 2012, Lübeck, Museum Behnhaus Drägerhaus

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Michael Imhof Verlag für 29,95 Euro erschienen

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