Christi Geburt - Alte Meister

Christi Geburt im Spiegel der Kunst

Das Essen liegt schwer im Magen, im Fernsehen läuft eh nichts, das Wetter ist kalt und schmuddelig und lockt nicht gerade in die freie Natur – warum über die Feiertage nicht mal ins Museum gehen? Viele Häuser haben schon am ersten Weihnachtstag wieder normal geöffnet. Machen Sie sich doch mal auf die Suche nach den schönsten Darstellungen der Weihnachtsgeschichte! Hier schon mal zur Einstimmung eine ganze Reihe wunderschöner Gemälde von Alten Meistern.
Wie alles begann:Christi Geburt im Spiegel der Kunst

"Der Dreikönigsaltar" (1484/85) von Hans Baldung, gen. Grien

Ein merkwürdiges Phänomen irritiert den Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh: "Immer häufiger kommen junge Leute, die mich fragen, warum auf so vielen Bildern eine Frau mit einem Kind abgebildet ist." Die unbekannte Frau, die den ratlosen Jugendlichen da immer wieder in den Museen begegnet, ist die Muttergottes, der Knabe Jesus. Aufklärung tut Not! Der Generaldirektor könnte die Kids etwa in die Berliner Gemäldegalerie führen, um ihnen zu zeigen, wie alles begann – in einem Stall in Bethlehem vor 2000 Jahren.

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Denn die Geschichte, die der Evangelist Lukas der staunenden Nachwelt von der Geburt Christi hinterlassen hat, birgt jede Menge Stoff für Maler: Eine Hochschwangere, zurückgewiesen von bösen Herbergswirten, kommt in einem schäbigen Stall nieder. Dann tut sich Unglaubliches: Ein strahlender "Engel des Herrn", wie Lukas schreibt, erscheint den Hirten auf dem Feld und erzählt von der Geburt eines "Messias". Frohlockend steigt eine Schar des "himmlisches Heeres", vulgo: Engel, in die irdischen Niederungen. Auch die Tiere sind irgendwie friedfertiger als sonst. Und als Krönung kommen drei mit kostbarsten Geschenken (Gold, Weihrauch, Myrrhe) beladene Fürsten aus dem Morgenland, geleitet von einem hellen Stern, zur Gratulationscour in den Stall. Sie gelten deshalb als Erfinder der Weihnachtsgeschenke.

Zur Aufklärung der Unwissenden könnte in der Berliner Gemäldegalerie zum Beispiel die "Heilige Familie mit den Engeln" (um 1410/15) eines niederrheinischen Meisters dienen, die Mitteltafel aus dem "Dreikönigsaltar" (1506/07) von Hans Baldung Grien, oder die "Anbetung der Heiligen drei Könige" (um 1455) vom Meister der Darmstädter Passion.

Bei den Zeitgenossen: blutrünstige Kreuzigung

Die Anbetung steht fast immer im Mittelpunkt – kein großes Museum, das nicht mehrere Illustrationen der Weihnachtsgeschichte besäße. In der Alten Pinakothek München sind es Beispiele von Rogier van der Weyden (1399/1400 bis 1464), von Hans Holbein d.Ä. (um 1465 bis 1524), von Rembrandt Harmensz. Van Rijn (1606 bis 1669) oder Giovanni Battista Tiepolo (1696 bis 1770). Dresden besitzt "Anbetungen" von Joos van Cleve (1485 bis 1540), Giromalo da Santa Croce (um 1480/86 bis 1556) oder Lucas Cranach d.Ä. (1472 bis 1553).

Der Hamburger Kunsthalle gehört "Die Weihnacht" von Meister Francke (um 1383 bis 1436) oder eine "Anbetung der Hirten" von Antonis van Dyck (1595 bis 1641). Und das Frankfurter Städel-Museum, das ohnehin schon mehrere Bilder zum weihnachtlichen Thema besitzt, kann sich seit wenigen Tagen über ein Triptychon, das bedeutendste Gemälde des "Meisters der von Grooteschen Anbetung" freuen, das quasi als Weihnachtsgeschenk von Dagmar Westberg ins Städel-Museum gelangte und das auf seiner Miteltafel die "Anbetung der Heiligen Drei Könige" vor einer Ruine zeigt. Die soll an den Palast König Davids in Bethlehem erinnern.

Wenn auch Künstler über viele Jahrhunderte hinweg sich immer wieder der Weihnachtsgeschichte gewidmet haben – in der Gegenwart ist für dieses anrührende Thema anscheinend kein Platz mehr. Ob Lovis Corinth, Emil Nolde, Maurice Denis, Ernst Fuchs, Francis Bacon, Arnulf Rainer, Lucebert oder Henk de Vries – bei den Zeitgenossen steht fast ausschließlich das oft blutrünstige, gewalttätige Geschehen am Karfreitag, die Kreuzigung, im Mittelpunkt.

Öffnungszeiten an den Feiertagen

Gemäldegalerie, Berlin: 24.12. geschlossen, 25./26.12. 11–18 Uhr, 31.12. geschlossen, 1.1. 12–18 Uhr.
Gemäldegalerie Alter Meister, Dresden: 24.12. geschlossen/25./26.11. 10–18 Uhr, 31.12 10–14 Uhr, 1.1. 14–18 Uhr.
Städel-Museum, Frankfurt/Main: 24.12. geschlossen, 25./26.12. 10–18 Uhr, 31.12. geschlossen, 1.1. 11–18 Uhr.
Kunsthalle Hamburg: 24./25.12. geschlossen, 26.12. 10–18, 31.12. 10–15 Uhr, 1.1. 12–18 Uhr.
Wallraf-Richartz-Museum, Köln,: 24./25.12. geschlossen, 26.12. 10–18 Uhr, 31.12./1.1. geschlossen
Museum der bildenden Künste, Leipzig: 24.14. geschlossen, 25./25.12. 10–18 Uhr, 31.12. geschlossen, 1.1. 10-18 Uhr
Alte Pinakothek, München,: 24./25.12. geschlossen, 26.12. 10–18 Uhr, 31.12, geschlossen, 1.1. 10–18 Uhr
Staatsgalerie, Stuttgart: 24./25.12. geschlossen, 26.12. 10-18 Uhr, 31.12. 10–14 Uhr, 1.1. 12–20 Uhr.
Kunsthistorisches Museum, Wien: 24.12. 10–15 Uhr, 25.12. 10–21 Uhr, 26.12. 10–18 Uhr, 31.12. 10–18 Uhr, 1.1. 13 - 21 Uhr