Cathy Wilkes - Linz

Mitten ins Herz

Mit Puppen inszeniert die gebürtige Nordirin Cathy Wilkes komplizierte Beziehungsgeflechte und anrührende, melancholische Szenen.

Beim Namen Cathy Wilkes horchen auch viele Kunstinteressierte nicht unbedingt gleich auf – außer vielleicht in München, in dessen Kunstverein die gebürtige Nordirin 2011 ihre erste Einzelausstellung in Kontinentaleuropa hatte. Die besuchte damals auch Stella Rollig, Direktorin des Lentos-Kunstmuseums in Linz, und war "hin und weg". So geht es vielen mit Wilkes – obwohl die Künstlerin an der Venedig Biennale 2013 teilgenommen hat und 2008 zu den Turner-Preis-Nominierten gehörte, ist sie nicht wirklich bekannt.

Doch wer ihre Installationen, ihre "Szenen" mit den großteils selbst gebauten Puppen gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell. Etwa die Gruppe mit den drei Kinderfiguren, die sich waschen, einander dabei helfen, mit unendlich fürsorglichen Gesten, in unendlicher Traurigkeit. Diese Puppen scheinen direkt in unser Herz zu treffen. Dabei sind sie immer ein wenig unheimlich und immer von einer großen Melancholie umfangen. Stella Rollig fand darin "eine Stimme, die mir etwas über das Leben heute erzählt – die Bedingungen, Befindlichkeiten, die existenziellen Fragen". Wilkes, die im schottischen Glasgow lebt und arbeitet, handelt dieses Existenzielle aber nicht in den großen politischen Themen ab, sondern findet es im "persönlichen, häuslichen, lokalen Bereich", so Rollig. Was natürlich ebenfalls politisch ist: die Armut etwa, die man gleich erkennt an den bescheidenen Figuren aus Stoff und Filz sowie an den Flohmarkt-Requisiten.

Der ganze Ausstellungssaal wird zu einer riesigen Installation

Fast greifbar ist die Spannung innerhalb der Gruppen, die Sehnsucht, die abgerissenen Verbindungen, die oft komplizierten Beziehungsgeflechte zwischen Kindern und Erwachsenen. Endlich "eine neue Position in der Skulptur – eine Künstlerin, die wirklich etwas zu sagen und zu zeigen hat", davon ist Rollig überzeugt. So war sie selbst denn auch sofort bereit, gemeinsam mit der Tate Liverpool für die 1966 geborene Künstlerin eine erste Retrospektive zu organisieren, die ab 8. November auch im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen sein wird. Allerdings ist es kein klassischer Rückblick, sondern eher eine Zusammenführung: Wilkes verbindet ihre bislang entstandenen "Szenen" zu einer großen Erzählung. Im Lentos-Kunstmuseum wird so der ganze 800 Quadratmeter große Ausstellungssaal zu einer riesigen Installation, nur sanft durch textile Elemente, etwa durch ein von der Decke hängendes Band, gegliedert. Für den Katalog hat Wilkes – unerwartet für Rollig – zwei eigene Texte geliefert: traumartig, assoziativ, aus dem Unbewussten angeschwemmt. Und noch eine Überraschung kann die Ausstellung bieten: Erstmals präsentiert Wilkes auch ihre Malerei innerhalb ihrer Installationen. Die abstrakten, malerisch unscharfen Kleinformate sollen mitten im Geschehen hängen, liegen, schweben. Verspricht zumindest, ziemlich intensiv zu werden. Und ziemlich poetisch.

Cathy Wilkes

Termin: bis zum 4. Oktober 2015 im Lentos-Kunstmuseum in Linz
http://www.lentos.at
info@lentos.at