Helmut Newton - Stern Fotografie

wegweisende Dokumente eines Tabubruchs

Mode ist für Helmut Newton die Hülle für die Macht von Körpern. Frauen erscheinen in seinen Fotografien wie überirdische Wesen, deren Wirkmacht ganz und gar aus ihrer Sexualität zu kommen scheint. Sie sind immer perfekt, immer ein bisschen über der Norm, selten völlig bekleidet.
Mode, Sex und Macht:Stern Fotografie Nr. 63: Helmut Newton

Stark, schön und ein wenig seltsam, Helmut Newton: Fotografie für den Stern, Modejournal, 1973

"Bei denen, die dabei waren, leuchten noch heute die Augen, wenn sie davon erzählen. Es ist nicht das Leuchten im Gedenken an eine bessere Zeit, es ist keine seufzende, melancholische Nostalgie, sondern die Erinnerung daran, Pioniere, ja, Revolutionäre gewesen zu sein."

So beschreibt Jochen Siemers in seinem Einleitungstext die frühen Jahre der Zusammenarbeit des sterns mit Helmut Newton. Bis Mitte der achtziger Jahre ist der stern die einzige deutsche Zeitschrift, die den Newton-Blick druckt. Mit "Helmut Newton - the stern years 1973-2000" zeigt stern Fotografie in seiner 63. Ausgabe bisher kaum abgedruckte Highlights dieser Zusammenarbeit und ihre zeitlose Wucht - aus der bewegenden Distanz von heute.

"Wer sich mit Mode beschäftigte, wusste ja, dass Helmut Newton der Fotograf der Zukunft war. Und wir haben uns gedacht, der muss im stern fotografieren", erinnert sich Barbara Lacher, die damalige stern-Modechefin an den Beginn der Zusammenarbeit. Während die Frauenbewegung langsam in die Bundesrepublik schwappt, badet die deutsche Modefotografie damals noch in Biederkeit. Die radikalen Fotostrecken des Freigeistes mit Hornbrille sind gefragt und berüchtigt zugleich. Helmut Newtons Models entfesseln ihre Eleganz im Spiel von sexueller Macht und Unterwerfung. stern Fotografie versammelt jetzt auch in Büchern selten zu findende Aufnahmen, darunter Porträts von Claudia Schiffer und Nadja Auermann, mit denen die Ära der Topmodels begann.

Newton zeigt Frauen inmitten von eingeölten, muskulösen Männerkörpern und unter den Blicken bierbäuchiger Voyeure am Strand von Ramatuelle - feine Ironie und Brüche durchziehen seine Bildsprache. Zu Objekten degradiert er Frauen dabei nie: Weibliche Nacktheit verkörpert in seinen Aufnahmen nicht ergebene, sondern überlegene Erotik. Die Tabus der europäischen Fotografie, in deren Umfeld seine Bilder als frauenfeindlich und sexistisch gelten, sind ihm schlicht unbekannt. Bereits 1938 flüchtete der 1920 in Berlin geborene Sohn eines jüdischen Fabrikanten vor den Nazis nach Singapur. Erst Anfang der sechziger Jahre wurde er in Paris sesshaft, um von dort aus zu einem der einflussreichsten Fotografen der Welt zu werden. Helmut Newton starb 2004 bei einem Autounfall in Los Angeles nahe des legendären Hotels Chateau Marmont.

stern Fotografie Nr. 63 "Helmut Newton - the stern years 1973-2000"

Der Band ist für 18,00 Euro erhältlich im stern.de-Webshop und in ausgewählten Fotografie-Buchhandlungen, Museumsshops sowie in vielen Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen
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